Frisch, spontan, bewegt: Gabriela Renggli (links) und Rachel Röthlin liessen auch ihre Mimik sprechen. Bild Christian Ballat
Frisch, spontan, bewegt: Gabriela Renggli (links) und Rachel Röthlin liessen auch ihre Mimik sprechen. Bild Christian Ballat

Bühne

Holzwürmer mit Hammer erschlagen

Wenn Massageöl zum Mikrofon wird, der Lift in die zehnte Etage streikt und einem verliebten Paar aufgezeigt wird, wie es zu ihrem ersten Kuss kam, dann geschieht das alles «Ohne Wiederhohlung». Das gleichnamige Impro-Theater war im Chupferturm zu Gast.

Ein Mordfall als Kündigungsgrund? So weit wollten die Obwaldner Theaterfrauen Gabriela Renggli und Rachel Röthlin vom Theater «OhneWiederhohlung» dann doch nicht gehen. Gespielt werden sollte eine Szene, in der die eine als Chef der anderen als Angestellten kündigt. Das Publikum bestimmte, dass diese von Beruf Schreinerin sei und nannte das Erschlagen von Holzwürmern mit einem Hammer als möglichen Grund für die Entlassung. Weitere Vorschläge folgten. Letztlich wurden die nach innen öffnenden Schranktüren ausgewählt.

Aufgewärmt

Zuvor hatten sich die knapp 50 Chupferturm- Besucherinnen und -Besucher auf Anleitung der Darstellerinnen und Begleitung von Serge Businger am Flügel für den Abend körperlich fit machen lassen. Ist der Körper aufgewärmt, so funktioniere auch der Geist. Und der war gefragt. Laufend erheischten sich Gabriela Renggli und Rachel Röthlin Zurufe aus dem Publikum, um daraus spontane Geschichten zu formen. Impro-Theater, für die meisten Zuschauer eine Premiere, lebt vom Input aus dem Saal und den Ideen, dem Witz und dem munter laufenden Mundwerk der beiden Frauen. So machten sie ein aus dem Saal gereichten Massageölfläschchen kurzerhand zur falsch farbenen Schweizerfahne, zu einem Alkoholblasgerät, zum Hund Bless oder einem Mikrofon. Auch ein Mordfall von Rosamunde Pilchner musste geklärt werden, allerdings kam er an diesem Abend nicht wirklich zu einem Happy End. Für Überraschungen hat es immer Platz, denn die Schauspielerinnen wissen oft selbst nicht, was sie gerade tun.

Spontan nachgespielt

Aber sie tun es in einer erfrischenden, spontanen und umwerfenden Art. Den roten Faden durch den bestens unterhaltenden Abend lieferte eine Frau, die zu verschiedenen Fragestellungen (etwa: Was sollen wir tun? Was macht ihr am liebsten? Womit habt ihr den Tag verbracht?) genau eine Antwort bereithielt: «Schmusen.» Nicht immer gingen die beiden Künstlerinnen auf das verliebt vorgetragene Stichwort ein. Etwas verwundert war denn das entsprechende Pärchen aber schon, als es plötzlich auf die Bühne gebeten wurde. Mit Schelle und Hupe mussten sie nun signalisieren, ob die Worte und Gesten von Gabriela Renggli und Rachel Röthlin dem entsprechen, was sich zwischen ihnen abgespielt hatte, als es zum ersten Kuss kam. So erfuhr das Publikum eindrücklich, dass aus der zuletzt geöffneten Flasche kein veredelter Rebensaft mehr floss: «Küss mich endlich.»

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

26.04.2010

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