Verdrehte Tell-Geschichte: Die Spielerinnen Sibylle Grüter, links, und Jacqueline Surer lassen die Puppen Tell, links, und Kasperli als Walterli so manches verkehrt machen. Bild Christoph Jud
Verdrehte Tell-Geschichte: Die Spielerinnen Sibylle Grüter, links, und Jacqueline Surer lassen die Puppen Tell, links, und Kasperli als Walterli so manches verkehrt machen. Bild Christoph Jud

Bühne

Kasperli schreibt die Geschichte um

Das Forum Schweizer Geschichte in Schwyz lud am Samstag die Kinder zu einer Kasperli-Aufführung der ganz speziellen Art. Schillers Drama um Wilhelm Tell wird gehörig auf den Kopf gestellt.

Über den Mythos Wilhelm Tell streiten sich seit jeher die Geister. Nun kommt eine neue Variante der Geschichte um den Nationalhelden dazu. In seinem Puppentheater «WilhelmTell – Kasperli» – einem Heldenstück für alle ab 7 Jahren – stellt das Theater Gustavs Schwestern so manches aus Schillers «Wilhelm Tell» auf den Kopf. Es muss befürchtet werden, dass einige der knapp 30 Kinder, die am vergangenen Samstag das Kasperlitheater besuchten – das auf der Bühne des «Chupferturms» aufgeführt wurde –, infolge der Unkenntnis über die «wahre» Tell-Geschichte eine neue Fassung verinnerlichen werden.

Statt Apfel ein Cervelat

Zu Beginn der 50 Minuten dauernden Aufführung mit anhaltender Spannung spielt sich eine gewohnte Kasperli-Handlung mit fressgierigem Krokodil, einem Polizisten, der Gretel und anderen bekannten Figuren ab. Doch dann ist schon nach wenigen Minuten fertig. Was nun? Die beiden Spielerinnen Sibylle Grüter und Jacqueline Surer beginnen, die Geschichte von Wilhelm Tell zu erzählen. Kasperli will die Rolle von Tells Sohn Walterli spielen. Doch wie soll das aussehen? Schwupps verwindet Kasperli, komische Geräusche ertönen, und da taucht Walterlis Körper mit Kasperlis Kopf auf. Dann überschlagen sich die Ereignisse und vieles kommt anders als in Schillers Drama geschrieben. Tell trifft statt den Apfel auf Walterlis Kopf einen Cervelat. Bei der Überfahrt von Gessler mit seinem Gefangenen Tell auf dem stürmischen Urnersee kommt es nicht zum Sprung des Nationalhelden auf dieTellsplatte. Stattdessen eilt Walterli im Schnellboot heran, und sein Vater springt aufs rasende Boot auf. In der Hohlen Gasse wird die Geschichte abermals neu geschrieben. Tell verpasst beim Todesschuss auf Gessler dessen Brust. Dieser ist nicht tot und lässt Tell einkerkern. Aus dem Bühnenbild ist zu hören: «Seither gehört die Schweiz zu Österreich und hat den Euro.» Doch da kommt Gretel, befreit den ebenfalls gekidnappten Walterli, holt das Krokodil, welches Gessler frisst, worauf Tell wieder frei ist, und von da an steht fest, dass nicht Tell, sondern mit Gretel eine Frau die wahre Heldin der Schweizer Geschichte ist.

Bote der Urschweiz / Christoph Jud

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

17.12.2012

Webcode

schwyzkultur.ch/RyPtXA