Mord im Ehebett: Othello tötet seine Frau Desdemona aus Eifersucht. Bild Janine Schranz
Mord im Ehebett: Othello tötet seine Frau Desdemona aus Eifersucht. Bild Janine Schranz

Bühne

Lustvolles Theatersolo im Chupferturm

Der Freiburger Bühnenkünstler Bernd Lafrenz gastierte am vergangenen Samstag im Chupferturm in Schwyz. Aus dem dramatischen Werk «Othello» von William Shakespeare machte er ein komödiantisches Ein-Mann-Theater.

Für seine Shakespeare-Interpretationen ist er europaweit bekannt. Bernd Lafrenz hat insgesamt schon sieben Stücke des grossen Schriftstellers zu eigenen Fassungen umgeschrieben. Einfühlsam und voller Witz und Ironie versetzt er das Publikum in die Zeit von damals. Seine blitzschnellen Rollenwechsel, die unheimlich ausdrucksstarke Gestik und seine Sprachgewandtheit erzeugen den Eindruck, dass die einzelnen Figuren aus der Geschichte wirklich auf der Bühne stehen. Die rund 40 Besucherinnen und Besucher im Chupferturm wurden Teil des tragikomischen Schauspiels.

Interaktives Bühnenspektakel

«Schnarch, schnarch», das sind die einzigen Laute, welche aus dem überdimensionalen Reclam-Band auf der Bühne den Raum durchströmen. Die Figuren aus dem Drama schlafen. Plötzlich entschlüpft Ferdinand dem Werk, um das Stück frei nach Shakespeare zu präsentieren. Die von Lafrenz erfundene Figur ist im Original der Herold. «Seit 1604 lebe ich schon in diesem Werk, und nun mache ich mich doch mal selbstständig!» Gleichzeitig fielen im Raum der Kleinbühne Chupferturm zahlreiche Weingläser zu Boden. Lafrenz baute dieses Versehen sogleich in sein Stück mit ein. «Wir befinden uns im 17. Jahrhundert mitten in Venedig, in einem Lokal, wo gerade viele Gläser umgefallen sind.» Der liebeskranke Rodrigo, welcher unglücklich in Desdemona verliebt ist, klagt Jago, dem Fähnrich des Othello sein Leid. Othello, der Feldherr in der Armee der RepublikVenedig, ist gleichzeitig auf hoher See Richtung Zypern zugange.

Publikum integriert

Hier wurde das Publikum Teil der Geschichte. Lafrenz zog ein blaues Tuch über die Köpfe der Zuschauer und spielte mit ihnen die stürmische Szenerie auf dem Meer nach. Die Ankunft Othellos im Hafen von Zypern inszenierte der Künstler mit Hilfe der Damen aus dem Publikum. «Oh, ist der süss», riefen sie voller Einsatz und fielen in Ohnmacht. Unterdessen nimmt das Eifersuchtsdrama seinen Lauf. Jago hat nämlich eine furchtbare Intrige geplant. Er möchte Cassio, Othellos Leutnant, von seinem Posten entfernen, weil er dessen Platz einnehmen möchte. Er sorgt dafür, dass Othello glaubt, dass seine Frau Desdemona und Cassio ein Verhältnis miteinander haben. Dafür missbraucht er Rodrigo und seine eigene Frau Emilia, welche Desdemonas Zofe ist. Zum Schluss bringt Othello sein eigenes Weib im Ehebett um. Als er begreift, dass er auf Jagos Intrige hereingefallen ist, bringt er sich selbst auch um. Ausser Ferdinand hat das Drama niemand überlebt: «So, stopp, stopp, jetzt reicht es mit dem ganzen Blutvergiessen. Nun haben sich alle abgemeldet. Dank meinem kleinen Part hat Shakespeare wohl vergessen, mich auch sterben zu lassen.»

Faszination für Shakespeare's Werke

Die Faszination für die Werke von Shakespeare hat sich für Bernd Lafrenz im Laufe der Zeit immer mehr entwickelt. «Seine Geschichten haben viele interessante Schauplätze und Rollen», so Lafrenz. «Er zeigt dem Menschen seine Schwächen und Stärken. » Lafrenz interaktiver Umgang mit dem Publikum rührt daher, dass er früher im Maskentheater Florenz gespielt hat.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

22.03.2010

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schwyzkultur.ch/KykbRh