Hazel Brugger holte gestern Abend im Chupferturm ihr abendfüllendes erstes Kabarettprogramm nach. Im ersten Anlauf wurde sie von einer Magen-Darm-Grippe gebremst. Bild Silvia Camenzind
Hazel Brugger holte gestern Abend im Chupferturm ihr abendfüllendes erstes Kabarettprogramm nach. Im ersten Anlauf wurde sie von einer Magen-Darm-Grippe gebremst. Bild Silvia Camenzind

Bühne

Mit Hazel Brugger durchs Leben

Hazel Bruggers Ersatzvorstellung von gestern Abend
im Chupferturm war ausverkauft. Sie war sehr böse –was zu erwarten war.

Als Hazel Brugger vor wenigenJahren als Slam-Poetin in Brunnen auf die Bühne trat, kannten sie nur wenige. Inzwischen ist sie 23 Jahre alt und berühmt. Sie ist Kolumnistin in «Das Magazin» des «Tages-Anzeigers», sie ist Aussenreporterin in der «Heute-Show» im ZDF, und sie tritt mit ihrem ersten abendfüllenden Programm auf Kleinbühnen auf. So gestern Abend um 17 Uhr im Chupferturm in Schwyz. Es ging ihr wesentlich besser als beim ersten Anlauf. Damals musste sie die ausverkaufte Vorstellung wegen Magen-Darm-Problemen absagen. Der Ersatztermin war nicht optimal, der Vorabend war nicht ihre Zeit:«Ich war noch nie so früh wach wie hier, aber ich ziehe es durch.» Dann sprudelte es aus ihr heraus, diesmal Text, zwei Stunden lang.

Hazel Brugger findet Lächeln grusig

Sie sei sozial nicht die einfachste Person, sagte Hazel Brugger, und das ist auch ihr Programm. Sie führte die 150 Anwesenden durch das pralle Leben, vom Sperma bis zumTode. Small Talk liege ihr nicht, Lächeln ebenso wenig: «Lächeln? Mache ich nicht, finde ich grusig.» Müsste sie zwei Stunden dauerlächeln, wäre sie schon nach zwei Minuten übersäuert, zudem sehe sie, wenn sie lächle, aus, als habe sie Hunger auf Leute. Hazel Brugger zelebriert darum das Böse, seziert den Alltag und macht sich Gedanken über Dinge, die sonst niemand hinterfragen würde– die Bedeutung eines Blumenstrausses oder in welcher Position man sich nach dem Tod ausstopfen und ins Museum stellen lassen würde.

«Ich freue mich,wenn Sie wieder gehen»

So wundert es nicht, dass Hazel Brugger, nachdem sie am Ende des Programms zu einer Zugabe auf die Bühne zurückapplaudiert worden war, sagte: «Ich freue mich, wenn Sie jetzt wieder gehen.» Dann war es kurz zu sehen: Hazel Brugger lachte, sie lachte so richtig entspannt, kein böses Augenbrauen-Zusammenziehen mehr, nur Lachen. Zu diesem Zeitpunkt war es bereits nach 19Uhr. Sie sagte: Jetzt werde ich wach.» Vielleicht hat sie kokettiert. Gemessen an den Lachern des Publikums während ihres Programms war sie nämlich schon vorher voll präsent.

Bote der Urschweiz (Silvia Camenzind)

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

07.11.2016

Webcode

schwyzkultur.ch/8Wxrgi