Herausragendes Konzert: Stiller Has auf seiner Tour «Böses Alter» in der Kollegi Aula. Bild Philipp Betschart
Herausragendes Konzert: Stiller Has auf seiner Tour «Böses Alter» in der Kollegi Aula. Bild Philipp Betschart

Bühne

Noch immer richtig schön böse

Ein geistreicher Auftakt in die neue Saison von Kultur an der KKS – Stiller Has kommt mit seinem neuen Album auch im bösen Alter frisch daher.

So lange wie Kultur an der KKS gibt es Stiller Has. Es lag deshalb nahe, die Hasen für den ersten Abend zu verpflichten. Mit ihrer Tour «Böses Alter» machten sie am Donnerstagabend halt in Schwyz. Protagonist Endo Anaconda fühlte sich beim Anblick der Kollegi-Aula sogleich an die Rolle eines katholischen Pfarrers gemahnt und eröffnete mit dem Song «Pirat» und gleich danach «So verdorbe». Begleitet vom unverwüstlichen Gitarristen Schifer Schafer, dem Schlagzeuger Markus Fürst und der Bassistin Salome Buser, hatte Anaconda das Publikum vom ersten Takt an bei sich.Denn wenn es etwas Besseres gibt als Stiller Has aus Konserve, so ist es die volle Wucht auf der Bühne.

Einordnen unmöglich

In ein Schema lässt sich Stiller Has indes nicht einordnen; Mundart ist höchstens der Text. Die Musik ist einmal Rock, ein andermal rhythmisch und bluesig, aber immer mit Gefühl. Passioniert spielten die vier Musiker im Kollegi ihre bekanntenTitel «Znüni näh», «Chätschgummi», «Walliselle» oder «Fäderliächt». Seit dem Gewinn des Salzburger Stiers und des Deutschen Kleinkunstpreises 1995 ist mit «Böses Alter» bereits das zehnte Album erschienen. Und immer noch scheint die Leidenschaft unversieglich – die Bühnenpräsenz ungebrochen. Die Stimme von Stiller Has ist markant, rau, und dennoch schafft sie ein vertrautes Gefühl. Inhaltlich entstammen die Zeilen aus dem eigenen Leben und tragen nicht selten eine sarkastische Note. Anaconda war sicher schon politischer, schnörkellos aber ist er geblieben und bringt Dinge unvergleichlich auf den Punkt. Brisante Themen werden bei den Hasen beim Namen genannt. So würde Endo Anaconda einen Kommunikationskurs bei Joe Ackermann buchen oder macht aus dem Erfolgskater Moudi den Carlos. Seinen allgemeinen Fitnessstand ansprechend, meinte der Sänger, dass er durch seine Bewegungen im Laufe des Konzerts öfters an seine biologischen Grenzen gelange. Oder etwa, dass seine «akrobatischen Auflockerungen» ärztlich verordnet sind. Den DJs wird bescheinigt, dass diese nur noch unter Einfluss von Juflipulver,Tanzdragees und Badesalz musizieren. Selbst bei Casanova lokalisierte Endo Anaconda einen schwerwiegenden Fehler: «Er wollte die Frauen ergründen.»

Publikum begeistert

Tosender Applaus war der Beweis, dass Stiller Has vielleicht noch böser geworden ist, das Alter aber keine musikalischen Spuren hinterlassen hat. Gemäss Anaconda nämlich ist «es nicht selbstverständlich, dass man in unserem Alter noch Publikum hat». Der Auftakt in die neue Saison von Kultur an der KKS ist gelungen. Und aller Bissigkeit zum Trotz sagten auch die Hasen nach einem grandiosen Konzert zum Schluss musikalisch «Merci».

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

14.09.2013

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schwyzkultur.ch/f6m1uK