Theater in der KKS: Der überforderte William (Laurin Buser) bedroht und erschiesst seine Mitschüler. Bild Ilona Scheiber
Theater in der KKS: Der überforderte William (Laurin Buser) bedroht und erschiesst seine Mitschüler. Bild Ilona Scheiber

Bühne

«Punk Rock» im Kollegium Schwyz

Mit ihrerVersion von Simon Stephens «Punk Rock» begeisterte das Junge Theater Basel am Dienstagabend die Zuschauer im Kollegium Schwyz. Das Drama um eine Gruppe junger Schüler, die um einen Platz in der Welt kämpfen, war erschreckend und ergreifend.

Am Anfang des Stücks scheinen die sieben jungen Schülerinnen und Schüler noch ganz normal. Sie haben Stress in der Schule, Stress mit den Eltern und Stress untereinander. Erst mit der Zeit wird klar, dass sich hinter der überheblichen Fassade der reichen Nachwuchselite auch echte Gefühle zeigen. Leistungsdruck, Gefühlschaos, Identitätssuche und Fragen über Sexualität beschäftigen die Jugendlichen. Lilly, die Neue, gespielt von Xenia Wiener, verstümmelt sich selbst, um mit dem Druck klarzukommen. Nicholas (Alireza Bayram) nimmt Drogen, Bennett (Julian Schneider) geniesst es, alle, aber vor allem den Streber Chadwick (Anselm Müllerschön) zu schikanieren. Cissy (Sara Eberhart) und Tanya (Alma Handschin) sind zwar beste Freundinnen, können es aber nicht lassen, sich gegenseitig zu belächeln und zu bemängeln. William (der Basler Slam-Poet Laurin Buser) scheint am Anfang einer der wenigen zu sein, der noch einen Rest Anstand und Mitgefühl für seine Mitmenschen zeigen kann. Er verliebt sich in Lilly, die aber mit Nicholas zusammen ist. Eines Tages erscheint William mit einer Pistole in der Schule und erschiesst Bennett, Cissy und Nicholas. Auf die Frage, warum er dies getan hat, sagt er: «Ich habs getan, weil ich konnte.» Unterstützt wurde das Schauspiel von den Musikern Arvin Jairus Perez (Gitarre) und Denis Wagner (Gesang), natürlich im Punk-Rock-Stil.

Faszinierend und erschreckend

Simon Stephens gehört im Moment zu den meistgespielten ausländischen Gegenwartsautoren. Seine Figuren sind meist tragische Opfer gesellschaftlicher Isolierung, Familiendramen und des britischen Klassensystems. Der schier endlose Kampf gegen diese ausweglosen Situationen endet oft in Aggressionen und Gewalt. Dem Jungen Theater Basel ist es gelungen, ein absolut faszinierendes und erschreckendes Bild der heutigen Jugend zu zeigen. Obwohl überspitzt dargestellt, hat wohl mehr als einer der jungen Zuschauer sich in der einen oder anderen Situation wiedergefunden.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

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Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

17.11.2011

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