Das Publikum fand sich plötzlich selber auf der Bühne: Sascha Korf (rechts) holte sich auch Sportlehrer Alexander Sidler als Assistenten. Bild Josias Clavadetscher
Das Publikum fand sich plötzlich selber auf der Bühne: Sascha Korf (rechts) holte sich auch Sportlehrer Alexander Sidler als Assistenten. Bild Josias Clavadetscher

Bühne

Schlagfertiger als ein Muotathaler

Ein knalliges Feuerwerk an Humor, Überraschung, Schlagfertigkeit. Sascha Korf hat eine neue Form der Comedy entwickelt und auf der KKS-Bühne gezeigt.

Die Stand-up-Comedy hat nicht den besten Ruf. Klamauk an der Gürtellinie, die Freundin als Zielscheibe der Lächerlichkeit, viel Gelärme, Gehaspel und wildes Getue. Genau das ist Sascha Korf aber nicht, auch wenn er als «Erfinder des interaktiven Stand-ups» etikettiert wird. Er ist einfach anders. Ziemlich anders. Und das sehr witzig und wirblig. Korf ist ein Virtuose der Spontaneität. Geradezu ein Genie der Improvisation. Er ist schlagfertiger als jeder Muotathaler. Und selbst wenn es noch einstudierte Passagen gibt, so merkt das keiner im Publikum. Routine eben, perfekter Sprach- und Wortwitz. Auf der Kollegi-Bühne wirbelte er am Gastspiel von «Kultur an der KKS» hin und her und hatte das Publikum schon nach einer Minute in der Tasche. Korf schöpft aus einem riesigen Erlebnisschatz, den das Publikum leicht nachvollziehen kann. Er ist ein hervorragender Beobachter und persifliert den Alltagmeisterhaft. Und das alles ohne Utensilien, wenn man vom Mikro und einem einzigen Notizzettel mal absieht. Die Erlebnisse auf einer Kreuzfahrt, die Plage im Fitnessstudio, der Irrwitz der iPhone- Generation – alles wird in einem irren Tempo durchgewurstelt.

Zuschauer als Mitspieler

Dabei gelingt es ihm, aus dem Publikum tatsächlich Leute auf die Bühne zu holen und sie perfekt ins Spiel einzubauen, ohne dass einer sich da unwohl fühlen würde. Korf verzaubert einfach, man kann ihm gar nicht böse sein. Sogar ein ganzes Drehbuch quer durch alle Film-Genres, vom Thriller bis zu Bollywood, konnte er so entwickeln und vorführen. Oder eine irrwitzige Ferienreise in die USA. Oder dann spielt er mit dem Schwyzer Dialekt so gekonnt, dass es nie peinlich wird, sondern immer lustig bleibt. Er beherrscht die Dramaturgie einer Show perfekt. Es ist Tempo drin, er lässt keine Pause und keinen Verschnaufer zu.

«Ich komme wieder …»

Sascha Korf ist eine Mischung von Berliner Schnauze und rheinischer Karneval-Totalität. Dass er sehr subtil das Publikum in seine Gags einbeziehen kann, das hat vielleicht genau mit dieser kölschen Herzlichkeit zu tun. Schade nur, dass dieses Gastspiel in Schwyz nur von etwa 30 Personen besucht war. Korf nahms professionell und machte daraus eine Art Familienveranstaltung. Und setzt noch einen drauf: «Ich komme wieder, dann bringt aber jeder zwei Personen mit.» Korfs aktuelles Programm läuft übrigens unter dem Titel «Wer zuletzt lacht, lacht am längsten». Stimmt absolut, sogar auf dem Nachhauseweg war das immer noch der Fall.

Bote der Urschweiz (Josias Clavadetscher)

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

23.04.2015

Webcode

schwyzkultur.ch/sKMFUq