Auf Umwegen zum Ziel: Volker Ranisch zeigte als Felix Krull, dass Sprachbegabung und Menschlichkeit auf dem Weg nach ganz oben entscheidende Faktoren sind.
Auf Umwegen zum Ziel: Volker Ranisch zeigte als Felix Krull, dass Sprachbegabung und Menschlichkeit auf dem Weg nach ganz oben entscheidende Faktoren sind.

Bühne

Seitenwege statt Sackgassen

Aus gutbürgerlichem, aber liederlichem Hause stammend, den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Absturz miterlebt, kommt Felix Krull wieder auf die Beine – und zum Liegen als die Damenwelt verehrender Liftboy in einem Pariser Luxushotel.

Mit «Felix Krull. Hochstapler» hatte der Chupferturm seinen 70 Gästen am Samstag einen literarischen Leckerbissen Thomas Manns serviert, der von Schauspieler Volker Ranisch mit Tempovariationen und Mimik zusätzlich garniert wurde. Das Publikum zeigte sich nicht nur amüsiert, sondern wurde gleichsam mitgerissen von der packenden Geschichte und dem packenden Spracherlebnis, das sie bot.

Spiel mit rotem Teppich

Seit fünf Jahren ist der aus Theatern, Fernsehfilmen und -serien bekannte Volker Ranisch unter anderem mit diesem Stück unterwegs. Langweilig werde es ihm auch nach so vielen Aufführungen nicht, erklärte er gegenüber dem «Boten». Das Publikum sei jedes Mal ein anderes, und das mache es richtig spannend. Immer müsse es zuerst abgeholt werden. «Ich versuche den Gästen im Saal zuerst den rotenTeppich auszurollen. Erst wenn sie darauf stehen, kann ich daran ziehen.» So liess er zuerst Salonmusik einspielen, in einer Orchesteraufnahme von heutiger Technik und Qualität. Fast übergangslos ging diese über in die gleichen Melodien, vor vielen Jahren aufgenommen auf eine Schellackplatte. Damit gab Volker Ranisch dem Publikum eindrücklich die Möglichkeit, sich selbst in die Zeit zurück zu versetzen, in der sich die Geschichte Krulls zugetragen haben könnte.

Nur keine Sackgasse

Felix Krull stammte aus gutbürgerlichem Haus. Sein Vater, liederlicher Schaumweinproduzent, trat zu gern als Rebensaft verschenkender, partyliebender Gastgeber auf. So kam es, wie es kommen musste: Konkurs und Armut. Doch der Patenonkel von Felix fand Mittel und Wege, den Familienmitgliedern neue Möglichkeiten aufzuzeigen. Es sei die hoffnungsvollste Lebenssituation, wenn es einem gar nicht mehr schlechter gehen könne, liess er sich zitieren. Es sei auch nicht wichtig, dass man sich auf dem Weg nach oben immer auf der Hauptstrasse befinde, gab der Patenonkel noch zum Besten. Seitenwege würden manchmal die besseren Chancen bieten. Man müsse nur aufpassen, dass man keine Sackgassen erwische.

Nach Paris gereist

Der junge Felix Krull, mittlerweile für eine Anstellung nach Paris gereist, nahm sich das zu Herzen – und endete letztlich als Marquis auf Weltreise. Der eigentliche Marquis zog es vor, anstelle von Krull dessen Kellnerjob zu übernehmen, also die Rollen zu tauschen und dafür immer in der Nähe seiner Liebsten zu sein.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

17.01.2011

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schwyzkultur.ch/61J2us