Körpersprache als Kommunikationsmittel: Schauspielerin sowie Autorin Vreni Achermann (von links), Sängerin Agnes Hunger und Tänzerin Monika Usenbenz ersetzten mit ihrem Tanz und Spiel die Sprache der sprachlosen Léonie.
Körpersprache als Kommunikationsmittel: Schauspielerin sowie Autorin Vreni Achermann (von links), Sängerin Agnes Hunger und Tänzerin Monika Usenbenz ersetzten mit ihrem Tanz und Spiel die Sprache der sprachlosen Léonie.

Bühne

Sprachlos und doch voll Lebensfreude

Léonie hat durch einen Hirnschlag ihre Sprache verloren. Wortfetzen um Wortfetzen holt sie sich zurück. Zehn Jahre später will sie ihrer Tochter die Geschichte vom Mädchen im Glasschloss erzählen.

Die Bieler Lehrerin Sandra Saski war hochschwanger, als sie plötzlich einen Hirnschlag erlitt. Die Folgen waren eine halbseitige Lähmung und der Verlust der Sprache (Aphasie). Das «Theater unterwegs – visch & fogel» hat die Geschichte und den Kampf von Sandra Saski zurück ins Leben mit dem Stück «Léonie – oder wenn stumme Fische sprechen» auf die Theaterbühnen gebracht.

Sprach-, aber nicht hirnlos

Im Chupferturm zeigten die Autorin und Schauspielerin Vreni Achermann, die Tänzerin Monika Usenbenz und die Sängerin Agnes Hunger (sie verlieh der Kaiserin im Japanesenspiel Schwyz 2007 die Stimme) einfühlsam und packend viele Schwierigkeiten, die eine Sprachlose miterleben muss. Nur ein Wort war Léonie nach ihrem Hirnschlag geblieben: «Ja.» Ja konnte darum alles bedeuten. Die zwei Buchstaben standen für den helfenden Doktor, den geliebten Mann, das gehasste Birchermüesli oder die notwendigen Medikamente. Klar, dass es ihrem Umfeld nicht einfach fiel, immer die Wünsche von Léonie zu verstehen. Ebenso klar war für sie selbst aber auch, dass sie sich ins Leben zurückkämpfen wollte, sie absolvierte sogar erfolgreich die Autofahrprüfung. Die drei Akteurinnen auf der Bühne verstanden es meisterlich, den Kampf zwischen melancholischer Traurigkeit und bejahender Lebensfreude mit Spiel, Tanz und Gesang aufzuzeigen.

Wortfetzen sammeln

Anfänglich stottert Léonie als «chuderwäusche Chrüppel» nur Wortfetzen: «Silvester – verlore Sprach – vergange. » Das Publikum hört zwischen den Zeilen mit, macht die Wortfetzen im eigenen Kopf zu Sätzen und fügt sie zur ganzen Geschichte zusammen. Agnes Hunger, Monika Usenbenz und Vreni Achermann liefern dazu immer wieder Einblicke, Blickpunkte, Erzählungen, Lieder und Bewegungen. So leiden die Gäste im Saal mit, als Léonie erkennt, dass selbst ihr Mann und die beste Freundin in ihrer Gegenwart belanglose Kommunikation vortäuschen, weil sie nicht mit der Situation umgehen können. Léonie selbst verschlägt es zehn Jahre nach dem Hirnschlag für einen Moment die zurückgewonnene Sprache auch wieder, als sie sich spontan in einen neuen Mann verliebt: «Selbst wenn ich reden könnte, ich wüsste nicht, was sagen.»

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

09.11.2009

Webcode

schwyzkultur.ch/jG1CVt