Findet Frieden beim Harmoniumspiel: Dorflehrer Armin Schildknecht, überzeugend dargestellt von Herwig Ursin im Stück «Schilten» von Hermann Burger. Bild Christian Ballat
Findet Frieden beim Harmoniumspiel: Dorflehrer Armin Schildknecht, überzeugend dargestellt von Herwig Ursin im Stück «Schilten» von Hermann Burger. Bild Christian Ballat

Bühne

Turn- ist auch Abdankungshalle

«Schilten», ein Stück um die Wahnsinn bringende Einsamkeit eines Dorflehrers, begeisterte trotz seiner Nähe zum Thema Tod das Publikum im sehr gut besetzten Chupferturm.

Das Pickeln des Friedhofgärtners weckt den Lehrer der Einheitsförderklasse von Schilten an seinem ersten Schultag, aus den noch vom Schlaf zusammengeklebten Augen sieht er als Erstes Grabsteine. Armin Schildknecht hat kein einfaches Leben. Nicht nur dass die Turnhalle bei Todesfällen zur Abdankungshalle umfunktioniert wird und er als Dorflehrer dann auch noch das Harmonium spielen soll, bringt ihn zumWahnsinn. Er macht die unglaubliche Nähe zum Friedhof und die teilweise verlogeneTraurigkeit von Menschen an Beerdigungen gleich zum Unterrichtsstoff. Seine Einheitsförderklasse im einsamen, verlassenen und immer nebligen Dorf wird immer kleiner – und er, der Lehrer, immer verwirrter und wahnsinniger.

Spiel mit dem Tod

Hermann Burger hat das Stück «Schilten» in den 70er Jahren geschrieben. Das aargauische «Theater Marie» hat den Text unter der Regie von Nils Torpus umgesetzt. Herwig Ursin brillierte als Lehrer Armin Schildknecht mit seiner Wortakrobatik genauso wie mit präzise eingesetzten Gesten. Er liess das Publikum die plötzlichen Attacken und Sinneswandel des verwaisenden Lehrers ungefiltert, brutal und hautnah miterleben. Unterstützt wurde er auf der Bühne von Mona Petri, die wortlos den lauernden Tod darstellte. Rabenschwarz spielte sie mit der Asche einer Urne, sezierte einen Vogel und mimte daneben den verwirrten Wigger, der nie eineAbdankungsfeier auslassen würde. Das Spiel von Mona Petri ging unter die Haut, keinen Moment liess sie das Publikum wirklich los. Vom Anfang in absoluter Dunkelheit über die hell erleuchteten Szenen an Harmonium,Wandtafel und Schulbank bis zum vernebelten Ende des Dorflehrers – Mona Petri und Herwig Ursin zogen das Publikum mit in eine unbekannte, weil oft verdrängteWelt. Das Lachen blieb selbst bei heiter-irrsinnigen Pointen im Halse stecken. Der zupackende Abend war gleichzeitig auch das Ende des Herbstprogramms im Chupferturm. Bereits konnten die Verantwortlichen das abwechslungsreiche Frühjahrsprogramm präsentieren. Es beginnt am 9. Januar mit «zwergenHAFT», einem Maskentheater von und mit Patrick Boog und Alexander Huber zum Thema Männlichkeit.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

14.12.2009

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schwyzkultur.ch/WdAf57