Dominik Weber heute: Der 1916 geborene Schwyzer zeigt eine Reportage über die Bundesfeier am 1. August 1941 in Schwyz, an welcher die politische und militärische Elite der Schweiz teilnahm.(Bild: Franz Steinegger)
Dominik Weber heute: Der 1916 geborene Schwyzer zeigt eine Reportage über die Bundesfeier am 1. August 1941 in Schwyz, an welcher die politische und militärische Elite der Schweiz teilnahm.(Bild: Franz Steinegger)
Am 1. August 1941: Der Festplatz auf dem Brüöl mit Bühne, Tribüne und Fähnlihalle. (Bildarchiv Dominik Weber)
Am 1. August 1941: Der Festplatz auf dem Brüöl mit Bühne, Tribüne und Fähnlihalle. (Bildarchiv Dominik Weber)
Dominik Weber als Wilhelm Tell: Der Mann mit der kräftigen Stimme spielte im Bundesfeierspiel vor 70 Jahren unseren Nationalhelden. (Bildarchiv Dominik Weber)
Dominik Weber als Wilhelm Tell: Der Mann mit der kräftigen Stimme spielte im Bundesfeierspiel vor 70 Jahren unseren Nationalhelden. (Bildarchiv Dominik Weber)

Bühne

«Wilhelm Tell» erinnert sich an 1941

Am 1. August 1941 – in bedrohlicher Zeit – feierte die Schweiz in Schwyz ihren 650. Geburtstag. Dominik Weber spielte im Bundesfeierspiel auf dem Brüöl den Wilhelm Tell. Der 95-Jährige erinnert sich.

«Das Bundesfeierspiel» – vor genau 70 Jahren aufgeführt – war eine denkwürdige Aufführung in einer schwierigen Zeit. Die tragenden Rollen wurden von Schwyzer Laiendarstellern gespielt: Die erst kürzlich verstorbene Martha Christen-Trütsch spielte die Landesmutter, Josef Annen-Gisler, Schwyz/Goldau, verkörperte Bruder Klaus, die Rolle des einflussreichen Schwyzer Pfarrers spielte Adolf Annen-Schuler, Tells Frau war Gertrud Sigrist-Amstutz aus Seewen. Dominik Weber-von Euw übernahm die Rolle des Wilhelm Tell. Dazugestellt wurden als Statisten viele Bergler, Naturfiguren mit Bärten. Sie kamen auch von den umliegenden Dörfern.

Spiel auf dem Rütli...

Der heute 95-jährige, rüstige «Domini» Weber erinnert sich gerne an diese Zeit zurück. «Jeweils am Sonntagnachmittag habe ich auf dem Rütli den Wilhelm Tell gespielt.» Es basierte auf dem Text «Das alte Urner Spiel vom Wilhelm Tell». Oskar Eberle hat dieses in einem schwer verständlichen alten Deutsch geschriebene Stück in eine verständliche Sprache übersetzt. Dominik Weber kann noch einzelne Verse von damals auswendig hersagen, beispielsweise diesen (alsTell von Gessler gefangen wurde): «Sollt dann dich nach Küssnacht bringen, und ich will dich lang verschliessen in ein Turm, dann musst du büessen.»

... und auf dem Brüöl

Abends dann stand er auf der Bühne im Brüöl – vor vollen Rängen und vor Prominenz. Die Uraufführung am 1. August 1941 begann gleich anschliessend an die offizielle Bundesfeier. Anwesend war die gesamte Landesregierung und General Guisan. «Lampenfieber hatte ich keines. Ich habe mich immer aufs Spielen gefreut», erinnert er sich. Er erzählt auch von einem «Krach» mit Regisseur Oskar Eberle. «Dieser wollte, dass im mittleren Teil auch Tell mit gelbem Wams in den Farben Uris auftritt. Da habe ich mich kategorisch geweigert. Tell muss ein Hirthemd und kurze Hosen tragen, nur so ist er echt. Ich habe Eberle sogar gesagt, dass ich die Rolle nicht spiele, wenn ich diesen Wams anziehen muss. Das hat gewirkt.»

Tell weist einen Offizier zurecht

Seine Rolle alsTell spielte er vor allem im ersten Akt, als er die unterdrückten Urner, Schwyzer und Unterwaldner zum Rütlischwur aufrief. «Im Schlussakt musste ich einen rebellierenden Offizier zurechtweisen, der sich über den langen Militärdienst beschwerte» – und fügt lachend an: «Der Rebell war im zivilen Leben ein Zeughausbeamter.»

Im Dienste des Landes

Die Rolle als Tell bekam Dominik Weber nach einem Aufruf von Oskar Eberle, der Spielleute suchte. Sie wurden zu Sprechproben ins Casino aufgeboten und dergestalt ausgewählt. «Damals hatte man noch keine Lautsprecher, und ich hatte eine kräftige Stimme. Zudem hatte ich schon früher Theater gespielt. Das hat offenbar gereicht.» Es sei natürlich eine besondere Ehre gewesen, den Tell zu spielen, «und auswendig habe ich ring gelernt». Das Unangenehmste für ihn war, vor jedem Spiel den Bart anzukleben und danach wieder zu entfernen. Das dauerte seine Zeit und piekste. Der Zusammenhalt unter den Spielleuten sei gut gewesen, erinnert sich der Schwyzer. «Es waren ja alles Einheimische. Und wir hatten das Gefühl, dass wir etwas zur geistigen Landesverteidigung beitragen.» Entsprechend sei auch das Spiel aufgebaut gewesen. «Die Leute hatten Angst vor Gessler und der Zukunft», wobei Gessler – in die Zeit übersetzt – mit Hitler gleichbedeutend war. «Hitlers Bedrohung war allgegenwärtig.»

5300 Zuschauer pro Spiel

Die Begeisterung der Zuschauer war gross – vielleicht auch deswegen, «weil sonst ja nichts los war», vermutet er. Auch das Wetter habe mehrheitlich mitgespielt. Das Spiel sei sehr gut organisiert gewesen. Der Transport der Zuschauer habe immer geklappt. Für das Festspiel wurde der obere Teil der Brüölwiese benutzt – unten begrenzt durch die 30 Meter lange Bühne aus Holz und «Schwärtlig» und oben abgeschlossen durch eine Halle, in welcher sämtliche 3000 Gemeindefahnen hingen. Die 18 Aufführungen verzeichneten 95 843 Eintritte, was einem Schnitt von 5300 Zuschauern pro Spiel ents

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

27.07.2011

Webcode

schwyzkultur.ch/iyiFuu