Palmyra sind Larsen Genovese (Violine), Patricia Draeger (Akkordeon), Bahur Ghazi (Oud und Komposition), Sheila Runa (Tanz und Choreografie), Luca Sisera (Kontrabass) und Dario Sisera (Perkussion). Bild pd
Palmyra sind Larsen Genovese (Violine), Patricia Draeger (Akkordeon), Bahur Ghazi (Oud und Komposition), Sheila Runa (Tanz und Choreografie), Luca Sisera (Kontrabass) und Dario Sisera (Perkussion). Bild pd

Dies & Das

«DemKrieg mit Musik entgegenwirken»

Der syrische Musiker Bahur Ghazi und die Schwyzer Tänzerin Sheila Runa treten mit dem gemeinsamen Projekt Palmyra in Schwyz auf. Es geht um den Frieden.

Mit Sheial Runa Lindauer und Bahur Ghazi sprach Nicole Auf der Maur

Auf der Maur:Was ist Palmyra?

Lindauer / Ghazi:Palmyra ist das neueste Projekt von Bahur Ghazi. Im Oktober 2015 hat er den Wettbewerb für professionelles Kulturschaffen der Kulturförderung Graubünden bekommen und wurde unterstützt, um das Musik- Tanz-Projekt Palmyra ins Licht zubringen. Die Kompositionen erzählen Geschichten von Menschen, die sehr viel erlebt haben. Sie mussten ihre Heimat wegen Gewalt verlassen und für ihr Überleben kämpfen. Seit Menschengedenken sind die Völker in Bewegung. Die Existenz dieser Tatsache kann ein tiefes Verständnis für unser Sein erbringen. Palmyra lädt das Publikum ein auf eine solche Reise.

Wie kann man den Stil bezeichnen?

Die Kompositionen von Bahur Ghazi könnten als Arabic Jazz bezeichnet werden, wobei sie aber eine neue Art der Musik zum Ausdruck bringen. Ghazi, der Initiator des Projektes Palmyra, hatte eine lange und schwierige Reise, die vor 17 Jahren in Syrien begann. Seine Ud war immer ein Wegweiser, um seinem Herzen und der Musik zu folgen.

Die Werke von Bahur Ghazi werden zum Teil von Ihnen choreografiert und tänzerisch umgesetzt. Wie?

Der Tanz inszeniert die Geschichte des Stücks und visualisiert die Atmosphäre. Die Kostüme werden mit grossem Respekt für die alten Kulturen kreiert. Das Gesamtbild ergibt eine neue Vision der Körpersprache, die Freiheit, Hoffnung und Frieden vermitteln soll. Grosser Wert wird auch auf die musikalischen Aspekte wie die speziellen Rhythmen und die ausdrucksstarken Melodien gelegt.

Geht es auf Tour?

Ab Juni startet die erste Tournee in der Schweiz und Schweden mit 11 Konzerten.

Ist Bahur Ghazis Projekt auch ein politisches Statement?

Wir möchten mit unserer Kunst zeigen, dass Freiheit in unseren Herzen existiert, und dieses Gefühl mit anderenMenschen teilen. Da es heute keine guten Nachrichten von Syrien in den Medien gibt und die Welt nur über Tod, Zerstörung und Gewalt vernimmt, entsteht ein trauriges Bild. Wir möchten der Welt zeigen, dass in Syrien auch schöne Dinge und Hoffnung existieren. Wir wollen dem Krieg mit Musik und Kunst und nicht mit Waffen entgegenwirken. Wir wollen Musik und Tanz performen und das mit anderen Menschen teilen. Palmyra hat einen Traum: Frieden.

Bahur erlebte in seiner Heimat als Musiker alles andere als Frieden...

Als Musiker in einer muslimischen Familie aufgewachsen, bemühte er sich immer um Freiheit. Die Religion in seiner Umgebung hat ihn nicht beeindruckt. Er glaubte nicht an sie. Musik und Natur waren für sein Leben wichtiger. Mit 17 Jahren konnte er – neben der Gewalt der syrischen Regierung und neben dem Rassismus, dener als Syrer in Syrien erlebt hat – nicht mehr in Syrien leben. Menschlichkeit und Musik existierten in Syrien nicht mehr.

Wie kam er von Syrien weg?

2006 bekam er ein Stipendium, um nach Kairo zu reisen und Musik an der weltweit besten Ud-Schule (Arabic Oud House) bei dem grossartigen Musiker Naseer Shamma zu studieren. Es war für ihn eine grosse Erleichterung in seinem Leben. In Ägypten hat er sich freier gefühlt, mit anderen Schülern zusammengewohnt, Musik studiert und über das Leben diskutiert. Er traute sich gar, über die Brutalität der syrischen Regierung laut zusprechen. Anfang 2011 startete dann die Revolution in Kairo, in dieser Zeit wohnte er neben dem Tahrir Square. Kurz nachdem die ägyptische Revolution gefeiert wurde, hatte dann die syrische Revolution begonnen. Er hat alles hautnah miterlebt.

Bahur Ghazi wurde auch als Künstler politisch aktiv und wurde gar verfolgt.

Er war einer der ersten Künstler, die für Freiheit und gegen die syrische Regierung aufgerufen hatte.Sie haben gegenüber der syrischen Botschaft in Kairo demonstriert, dort haben die syrischen Soldaten sie fotografiert und identifiziert. Er hat nach der Demonstration mit anderen Kollegen zwei Lieder über Bashar Al Assad komponiert. Diese Lieder wurden nachher in Syrien bekannt. In dieser Zeit musste er einfach weggehen und konnte sich kei

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Dies & Das

Publiziert am

01.06.2016

Webcode

schwyzkultur.ch/Y4Dake