Peter Züger, Präsident der Närrischen Europäischen Gemeinschaft (NEG): «Ich bin keinem böse, der mit der Fasnacht nichts anfangen kann. Auf der anderen Seite soll man aber auch keinem böse sein, für den die Fasnacht eine grosse Bedeutung hat.» Bi
Peter Züger, Präsident der Närrischen Europäischen Gemeinschaft (NEG): «Ich bin keinem böse, der mit der Fasnacht nichts anfangen kann. Auf der anderen Seite soll man aber auch keinem böse sein, für den die Fasnacht eine grosse Bedeutung hat.» Bi

Dies & Das

Die einen lieben sie …

Der Kanton Schwyz ist zurzeit die Heimat des höchsten Fasnächtlers von Europa. Der 59-jährige Lachner Rechtsanwalt Peter Züger ist seit September Präsident der Närrischen Europäischen Gemeinschaft (NEG) mit acht Millionen Mitgliedern.

Mit Peter Züger sprach Stefan Grüter

Peter Züger, Sie sind höchster Fasnächtler Europas. Ein Wunder, dass Sie nun im Büro anzutreffen sind und nicht in irgendeiner europäischen Fasnachtshochburg Feldforschung betreiben.

Während der Woche ist dies kein Wunder. An den Wochenenden schon.

Reisen Sie nun also Wochenende für Wochenende den grossen europäischen Fasnachtsanlässen nach?

Ja, während der Fasnachtszeit ist dies so, Anlässe im In- und Ausland.

Welche Fasnachtsanlässe sind das?

Vorwiegend grössere Strassenfasnachtsanlässe, internationale Freundschafts- oder Narrentreffen.

Wie muss man sich Ihr Auftreten an diesen Anlässen vorstellen? Sind Sie gewissermassen ein «Staatsoberhaupt»?

Meist sind es dreitägige Anlässe. Am ersten Tag findet ein Empfang im kleinen Kreis mit regionalen Politikern und Verbandspräsidenten statt. Am zweiten Tag folgt ein Zusammentreffen mit den Präsidenten derjenigen Vereine, die an diesem Treffen teilnehmen, abends widmet man sich in der Regel dem Unterhaltungsprogramm. Und am Sonntag findet ein grosser Umzug statt.

Und da müssen Sie repräsentieren und Reden schwingen?

Ich repräsentiere die NEG, halte da und dort auch Reden. Diese Reden sind gleichzeitig humorvoll und sachlich. Sachlich deswegen, weil ich den Leuten die Tätigkeit der NEG näherbringen will. Die Zuhörer sind alles Fasnächtler, weshalb der humoristische Stil durchaus angebracht ist.

Was ist die Närrische Europäische Gemeinschaft überhaupt?

Die Närrische Europäische Gemeinschaft ist der Zusammenschluss von zehn Fasnachtsdachverbänden aus acht Ländern – Belgien, Holland, Frankreich, Deutschland, Österreich, Italien, Fürstentum Liechtenstein und Schweiz. Sie zählt über acht Millionen Mitglieder. Interesse zeigen auch Kroatien und Slowenien. Wir verlangen eine Verbandsstruktur und dass diese Verbände eine traditionelle Fasnacht mit festen Wurzeln vertreten. Man kann die Bedeutung der NEG in der Fasnacht mit der Bedeutung der Uefa im Fussball vergleichen.

Das ist das Organisatorische. Wie sehen denn die Inhalte, die Tätigkeiten der NEG aus?

Sinn und Zweck sind der Erhalt und die Förderung des fasnächtlichen Brauchtums, ohne dass die Weiterentwicklung gebremst wird. Es gibt in der Fasnacht gewisse Pfeiler, die unverrückbar sind, zum Beispiel der Zeitpunkt. Wir würden niemanden aufnehmen, der Sommer-Fasnacht betreibt. Die Fasnacht hat sich aber immer entwickelt und den gesellschaftlichen Veränderungen angepasst. Das soll auch so bleiben.

Ist die NEG denn in dieser Aufgabe stark gefordert?

Wir halten ein prüfendes Auge auf das fasnächtliche Geschehen. Werden Auswüchse festgestellt, so sucht man das Gespräch mit dem entsprechenden Verband. Ein zentrales Element in der NEG ist der Erfahrungs- und Informationsaustausch. Wir stellen keine Gesetze auf und verordnen auch keine Regeln, sondern kümmern uns in Freundschaft um die Fasnacht. Alkohol an Umzügen kann ein Beispiel sein: In Österreich sah ich kürzlich an einem Fasnachtsanlass einen Prospekt aufliegen, der umhängbare Bierflaschen-Halter anpries. Darauf suchte ich das Gespräch mit dem entsprechenden Präsidenten, bei dem ich auf offene Ohren gestossen bin. Das Thema Narrenmesse wurde als weiteres Beispiel in unserem Gremium im vergangenen Jahr diskutiert. Wir versuchen, auf europäischer Ebene ein stärkeres politisches Gewicht zu erhalten, sodass wir in fasnächtlichen Themen oder im Bereich Kultur/ Brauchtum als Vertreterin von acht Millionen Mitgliedern wahrgenommen werden, so wie dies der Helvetische Fasnachtsring (Hefari) in der Schweiz auch tut. Schliesslich unser jüngstes Projekt: Wir möchten einen Jugendverband gründen, denn unsere Jungen sind die Fasnacht von morgen.

Sind denn Nachwuchsprobleme vorhanden?

Generell nicht, in einzelnen Vereinen kann es Nachwuchsprobleme geben. Wir wollen aber die Fasnacht und das Brauchtum bei den Jungen verankern und das Bewusstsein festigen, dass Fasnacht nicht gleich Saufen ist.

Aber das Fasnachtsfieber bricht bei Ihnen regelmässig am 6

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Dies & Das

Publiziert am

09.02.2013

Webcode

schwyzkultur.ch/Grxjf5