Pia Schubiger und Severin Rüegg vor der «Reiseapotheke» der russischen Truppen und dem Bild mit der Schlacht im Muotatal. Bild Franz Steinegger
Pia Schubiger und Severin Rüegg vor der «Reiseapotheke» der russischen Truppen und dem Bild mit der Schlacht im Muotatal. Bild Franz Steinegger
Der Dorfplatz mit alltäglichen Gegenständen der damaligen dramatischen Zeitenwende. Bild PD
Der Dorfplatz mit alltäglichen Gegenständen der damaligen dramatischen Zeitenwende. Bild PD

Dies & Das

Einblick in eine dramatische Zeit

Im Forum Schweizer Geschichte wurde gestern eine Ausstellung über den Kampf der Grossmächte in unserer Gebirgsregion eröffnet. Sie gibt Einblicke in den dramatischen Alltag von damals.

«Die Einheimischen litten unter dem Kampf der Giganten, waren Schauplatz eines Krieges europäischen Ausmasses, obwohl sie daran keinen Anteil hatten. Doch General Suworow ist ihnen für das Erlebte erstaunlich positiv in Erinnerung geblieben.» Projektleiterin Pia Schubiger eröffnete die Ausstellung «Grossmächte im Hochgebirge» im Forum der Schweizer Geschichte in Schwyz gleich mit einer spannenden Frage. Generalissimus Alexander Suworow führt wie ein Roter Faden durchs «Forum », wo in drei Etappen die dramatische Geschichte des Jahres 1799 und die Zeit danach erzählt wird.


Die Katastrophe begann kurz vor dem Wintereinbruch


Die erste beginnt mit der Lagebesprechung in Italien, wo Suworow den Befehl erhielt, den französischen Truppen in den Rücken zu fallen. Er brach mit 21 000 Soldaten auf. Sie marschierten über den Gotthard, den Kinzig, den Pragel und den verschneiten Panixerpass, viele von ihnen ohne Schuhe. Nach 21 Tagen und 300 Kilometern Marsch kamen sie in Chur mit 15 000 Mann an, 5000 von ihnen schwer verletzt. Die Artillerie hatte man zurückgelassen, die Hälfte der Tiere fehlten. Die Ausstellung geht jedoch weiter. Sie zeigt die Auswirkungen dieser Heerscharen – ihnen standen 17 000 Franzosen gegenüber – auf die einheimische Bevölkerung: Sie musste in diesen Novembertagen Essen für Menschen und Tiere zur Verfügung stellen, Holz zum Heizen, Lager zum Übernachten. Brücken, Kirchen, Häuser wurden verwüstet, die Auswirkungen waren noch Jahrzehnte spürbar. Die hiesige Bevölkerung war beeindruckt von den russischen Soldaten, ihrer Religiosität und Extravaganz. «Das Leid der französischen Besatzung und die Hoffnung auf einen Verbündeten prägten die Erinnerung an Suworow», erklärte Kurator Severin Rüegg. Im dritten Teil tritt man auf den Dorfplatz von Schwyz, wo die weitere Entwicklung erzählt wird: Von der napoleonischen Zeit bis zur Gründung der modernen Schweiz im Jahr 1848. Die Ausstellung wird bereichert durch zeitgenössische Berichte, alltägliche Gegenstände der damaligen Epoche, Funde, ergänzt durch interaktive Stationen. Wer sich zwei Stunden Zeit nehmen kann, der findet im Forum Schweizer Geschichte interessante Einblicke in den Alltag einer dramatischen Zeitenwende.


Bote der Urschweiz / Franz Steinegger

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Dies & Das

Publiziert am

13.04.2018

Webcode

schwyzkultur.ch/tkCVVx