Kirschdegustation: Lukas Fassbind im Element. Bild Janine Schranz
Kirschdegustation: Lukas Fassbind im Element. Bild Janine Schranz

Dies & Das

Einheimische «Kirschgeschichten»

Im Rahmen der Ausstellung «Durstlöscher. Zur Geschichte der Getränke in der Schweiz.» im Forum Schweizer Geschichte fand eine kulturgeschichtliche Reise rund um die Kirsche statt.

Nach Themenabenden über das Bierbrauen und das Verkosten von mildwürzigem Absinth aus Lauerz referierten Lukas Fassbind und Konrad Gmünder am vergangenen Freitag zum Thema Kirsch. Die beiden Gastreferenten gaben Einblick in die Geschichte der Kirsche vomAnbau bis zur Verarbeitung. Mit einem «Omnibus», einer Mischung aus Himbeersirup und Kirsch, wurden die Besucherinnen und Besucher zum Degustationsabend empfangen.

Von Lauerzer bis Didi

«Ihren Ursprung hat die Kirsche im Kaukasusgebiet und in Kleinasien», erklärte Konrad Gmünder, dipl. Ing. Agr. ETH aus Freienbach. Lucius Licinius Lucullus importierte 74 v. Chr. die ersten Kirschbäume nach Europa, um in Neapel und Rom ausgedehnte Gärten anzulegen. Ihre Hochblüte hatte die Frucht bei uns in der Schweiz im 20. Jahrhundert. «1951 zählte man landesweit zwei Millionen Kirschbäume», so Gmünder. «1991 waren es 0,8 Millionen, heute sind es noch 0,5 Millionen Kirschbäume.» Neben dem Gebiet rund um die Rigi ist die Nordwestschweiz ein weiteres klassisches Kirschgebiet. Im Kanton Schwyz gibt es rund 30 000 Kirschbäume und 173 spezielle Brennkirschsorten. «Zwei Drittel davon gelten als selten.» Früher wurden die Kirschen noch von Hand geerntet. «Unter so einem Kirschenbaum traf man sich zum Geheimnisaustausch und für Liebschaften», schmunzelte Gmünder. Heutzutage setzt man den Seilschüttler ein, mit welchem eine höhere Arbeitsleistung erzielt wird. «In der Kirschenzeit können sie ihre chemische Apotheke vergessen», sagte Konrad Gmünder «Die Frucht ist unwahrscheinlich reich an Vitaminen und Mineralstoffen. Ihre roten Farbstoffe beugen Krankheiten wie Krebs und Schlaganfällen vor.» Schon früher galt Kirschbrand mit Ei oder mit eingelegten gedörrten Kirschen als Kraftspender. Das Einreiben von Kirsch, Salz und Wasser ist gut gegen Schmerzen.

Retronasales degustieren

Im zweiten Teil des Themenabends sprach Lukas Fassbind, Geschäftsführer der Kirschstrasse GmbH, über den Wandel des Kirschbrennens. «Dr. Fritz Kobels Buch ‹Die Kirschsorten der deutschen Schweiz› beschreibt 576 Sorten bis ins kleinste Detail. Das ist die heilige Bibel fürs Kirschbrennen», schwärmte Fassbind.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Dies & Das

Publiziert am

01.03.2010

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schwyzkultur.ch/u39imd