Der Geist der Geschichte weht in diesem Raum: Die Grabkapelle mit den Grabfeldern, drei Altären und dem kirchlichen Schmuck soll in einen gesichtslosen Abstellraum verwandelt werden. Bild Hans Otto Trutmann
Der Geist der Geschichte weht in diesem Raum: Die Grabkapelle mit den Grabfeldern, drei Altären und dem kirchlichen Schmuck soll in einen gesichtslosen Abstellraum verwandelt werden. Bild Hans Otto Trutmann

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Kollegi: Grabkapelle wird Abstellraum

Mit der bevorstehenden Renovation der Kirche im Kollegium Schwyz geht auch die Grabkapelle verloren. In ihr steckt die «Seele» des Hauses. Sie wird zu einem gesichtslosen Abstellraum.

Als die Jesuiten 1844 das Gymnasium eröffneten, bestand das Kollegi aus drei Gebäudeteilen: der Kirche, dem Schultrakt und der Grabkapelle. In ihr wurden seit 1846 in zwölf Grabfeldern 19 Priester beigesetzt, welche als Lehrer oder Rektoren an der Schule tätig waren. Der erste war Johann Baptist Drach. Sein Grab wurde 1847 von den Schwyz besetzenden eidgenössischen Truppen geschändet, weil er ein Jesuit war. Als Letzter beigesetzt wurde Albert Strauss (1894–1977), der der älteren Generation noch in guter Erinnerung ist.

Die Zeiten überdauert

Die Grabkapelle wurde zwar beim Brand 1910 wie alle anderen Gebäudeteile zerstört, das Gräberfeld mit den das Kollegi prägenden Menschen blieb unversehrt. Die Kapelle wurde mit den heute noch bestehenden Elementen «möbliert»: drei Altäre, Statuen, Putten, Engelfiguren, Bildern und Grabplatten. Sie ist Ausdruck jener Zeit und hat ihren Charme bewahrt. Heute ist sie ein fast vergessener Raum. Richtet man den Blick auf die Details, ist er ein Zeugnis der Zeit. Durch ihn weht der Geist, welcher das Kollegium Maria Hilf geprägt hat.

Aus Grabkapelle wird Abstellraum

Am 24. Juni hat der Kantonsrat einen Kredit von 3,1 Mio. Franken für die Renovation der Kollegikirche beschlossen. Darin enthalten sind auch die Neunutzung der beiden Nebenräume: Aus der Sakristei wird eine Garderobe, aus der Grabkapelle ein Abstellraum für Podeste, Scheinwerfer und Notenständer. Die Altäre werden demontiert und im Kantonsarchiv eingelagert. Die Einbauschränke und Holzverkleidung werden entsorgt, die Bodenplatte durch einen Gussasphaltbelag ersetzt, die Wände und Decken saniert, die Reliefs und Bilder entfernt. Die Priester werden exhumiert und auf dem Friedhof Schwyz beigesetzt. Das missfällt einigen Altkollegianern, weil damit die Seele des Kollegiums eliminiert wird.

Missfallen einiger Altkollegianer

Die Schule, die während 130 Jahren von katholischen Organisationen getragen und geprägt wurde und eine internationale Ausstrahlung hatte, wird ihrer Geschichte «Kollegi verliert seine Seele» beraubt. Altkollegianer Hans Otto Trutmann würde es deshalb sehr begrüssen, wenn die Funktionen der beiden Räume getauscht würden. «Eine Garderobe hätte problemlos Platz in der Grabkapelle, und diese könnte erhalten bleiben. Die weniger wertvolle Sakristei könnte man dann als Abstellraum herrichten.» Er versteht nicht, dass man heute aus einem kurzlebigen Zeitgeist heraus diesem symbolträchtigen Raum seine Ausstrahlung und Geschichte nimmt. «Ein Raum, der den Sonderbundskrieg und den Brand überdauert hat, wird lieblos entsorgt.»Trutmann wirft die Feststellung auf, dass künftige Generationen vielleicht anders urteilen und sich einmal fragen werden: «Warum hat man das gemacht?»

2011 soll «saniert» werden

Im letzten Amtsblatt sind die ersten Arbeiten für die Kirchenrenovation ausgeschrieben worden, nächstes Jahr sollen die Umbau-, Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten ausgeführt werden. «Lässt sich da nicht noch was machen?», fragt Hans Otto Trutmann. Er ist überzeugt, dass ein Abtausch der Funktionen zwischen Sakristei und Grabkapelle keine höheren Kosten verursachen wird und auch planerisch mit wenig Aufwand zu bewältigen wäre.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Dies & Das

Publiziert am

11.08.2010

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schwyzkultur.ch/djTW4j