Das neue Schwyzer Namensbuch ist eine Sensation in der Schweizer Namensforschung.
Das neue Schwyzer Namensbuch ist eine Sensation in der Schweizer Namensforschung.
Autor und Namenforscher Viktor Weibel: Tausende von Stunden in die Erforschung der Schwyzer Namenlandschaft investiert, jetzt ist daraus ein landesweit absolut einzigartiges Werk geworden. Bild Josias Clavadetscher
Autor und Namenforscher Viktor Weibel: Tausende von Stunden in die Erforschung der Schwyzer Namenlandschaft investiert, jetzt ist daraus ein landesweit absolut einzigartiges Werk geworden. Bild Josias Clavadetscher
Der glückliche Vorstand des Kuratoriums und ein ebenso strahlender Autor: (von links) Damian Hallenbarter, Landammann Walter Stählin, Präsident Toni Dettling, Autor Viktor Weibel und Urspeter Schelbert. Bild Josias Clavadetscher
Der glückliche Vorstand des Kuratoriums und ein ebenso strahlender Autor: (von links) Damian Hallenbarter, Landammann Walter Stählin, Präsident Toni Dettling, Autor Viktor Weibel und Urspeter Schelbert. Bild Josias Clavadetscher

Dies & Das

Namenbuch ist sensationell

Nach zwölfjähriger Arbeit ist es geschafft: Fast 18 000 Orts- und Flurnamen des Kantons Schwyz sind erfasst, erklärt und erschliessbar. Die absolute Sensation ist dabei die bewusst populär gehalteneVolksausgabe und der USB-Stick. Damit kann blitzartig auf 70 000 Belege zugegriffen und jeder Name auf Landkarten lokalisiert werden. Das ist landesweit völlig neu.

Angefangen hat alles schon 1965, als Viktor Weibel privat und im Zusammenhang mit seinem Studium die Sammel- und Forschertätigkeit aufgenommen hat. Weibel hat als Dissertation die Namenlandschaft des «alten Landes» bearbeitet und publiziert. Dann war gut 30 Jahre lang Funkstille. Erst als Weibel die Namenlandschaft der Nachbarkantone Uri und Nidwalden erforscht und veröffentlicht hat, gab sich auch Schwyz verschämt einen Ruck und hat die Chance ergriffen. Das dazu gegründete Kuratorium hat 2001 Weibel den Forschungsauftrag erteilt, den Umfang der Arbeit sehr grundlegend umschrieben und die Finanzierung sichergestellt. Dieser Vorlauf von Weibels Forschungstätigkeit in Uri und Nidwalden brachte den Vorteil, dass nun die Erfahrung dieser ersten Publikationen in die Schwyzer Arbeit einfliessen konnte. Viktor Weibel bestätigte gestern, dass er damit von einem breiten Wissens- und Erfahrungsschatz habe profitieren und auch das Vorgehen bei der Feldforschung und den Gesprächen mit Gewährsleuten erfolgreicher habe strukturieren können.

Riesige Arbeit im ganzen Kanton

Erfasst hat Weibel alle Namen von bewohnten Örtlichkeiten (Ortsnamen) und allen Stellen, Orten und Gewässern im Gelände (Flurnamen), welche in der Vergangenheit oder heute namentlich bezeichnet worden sind. Diese Namen sind einerseits durch Feldforschung erfasst worden – also durch die Befragung von Einheimischen, Ortskennern, Gewährsleuten, Betagten – und zweitens durch die Aufarbeitung historischer und schriftlicher Quellen. Dazu gehörten Landkarten, Pläne, Dokumente, Grundbücher, Ratsprotokolle, Gülten und vieles mehr.Vor 1500 sind möglichst alle Quellen erfasst worden.

70 000 Belege erfasst

Damit ist eine eigentliche Lawine an Daten zustande gekommen. Die professionell erstellte Datenbank umfasst nun 70 000 Belege aus 4561 Quellen und 101 Archiven. Gesamthaft wurden 223 Feldaufnahmen und Gespräche mit 194 Gewährspersonen durchgeführt. Mitgearbeitet hat in dieser Phase auch der Schwyzer Philologie Albert Hug.

Ein Stick als Zauberschlüssel

Dieses Basismaterial ist wissenschaftlich und schliesslich für die Publikation bearbeitet worden. Das Ergebnis sind eine wissenschaftliche Ausgabe in sechs Bänden und eine einbändige, gut lesbareVolksausgabe.Wie Kuratoriums- Präsident Toni Dettling erklärte, habe man ganz bewusst das Werk popularisieren wollen. Es soll nicht im Regal des Elfenbeinturms für die Bevölkerung schwer erreichbar bleiben, sondern genutzt werden. Das wird erreicht durch eine absolute Neuheit, wie sie in dieser Art noch nie in der Schweiz angeboten worden ist. Die wissenschaftliche Ausgabe umfasst 17 740 Namen, rund 2500 Grundwörter und 5350 Verweise, die durch 70 000 Quellen belegt werden. Die Volksausgabe «Vom Dräckloch i Himel» umfasst ebenfalls diese 25 000 Namen aus dem ganzen Kanton, aber nur kurze Erklärungen. Dafür gehört ein USB-Stick dazu, ein eigentlicher elektronischer Zauberschlüssel. Damit kann das gesamte Werk geöffnet werden. Jeder Name kann durch Anklicken mit der Landeskarte der Schweiz (swisstopo), mit den Vermessungskarten des Kantons, mit dem Satellitenbild und auch mit historischen Karten (Siegfriedkarte, Dufourkarte) verknüpft werden. Dabei wird der genaue Standort des jeweiligen Namens angezeigt. Genau gleich kann für jeden Namen die gesamte Beleg- und Quellenangabe abgerufen werden.

Sensationelle Neuheit

«Wir hoffen, mit diesem Werk einen Volltreffer gelandet zu haben», strahlte Toni Dettling. Das ist nicht zu bezweifeln. Landammann Walter Stählin strahlte mit, dass er ein derart bedeutendes Werk für den Kanton und seine Bewohner entgegennehmen dürfe. Und auch die Wissenschaft war gleicher Meinung. Sprachwissenschaftler Thomas Arnold Hammer betonte, dass dieses Werk von hohem sprachwissenschaftlichem Niveau sei und als ausgezeichnetes Grundlagenwerk eine wichtige Lücke schliesse. Bezogen auf den Stick erklärte Hammer: «Das ist fast eine sensationelle Neuheit in der Schweizer Namenforschung, wie ein Sesam-öffne-dich.» Schwyz ha

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Dies & Das

Publiziert am

26.09.2012

Webcode

schwyzkultur.ch/JmKUiN