Alternativen zum heutigen Bundesbriefmuseum: Markus Bamert zeigte, wie der Bundesbrief 1908 bildhauerisch gewürdigt werden sollte.
Alternativen zum heutigen Bundesbriefmuseum: Markus Bamert zeigte, wie der Bundesbrief 1908 bildhauerisch gewürdigt werden sollte.

Dies & Das

Vom Denkmal bis zur Ruhmeshalle

Im Rahmen der Vortragsreihe «4 x Schweizergeschichte im Bundesbriefmuseum» lockte Markus Bamert am Samstag zahlreiche Interessierte ins Bundesbriefmuseum. Der historische Bau an der Bahnhofstrasse war zugleich das Thema.

Denkmalpfleger Markus Bamert referierte zum Thema «Vom Nationaldenkmal zur Ruhmeshalle der Eidgenossenschaft: der lange Weg zum Bundesbriefarchiv». Kaspar Michel, Staatsarchivar und Präsident des Historischen Vereins des Kantons Schwyz, stellte Markus Bamert als kompetentesten Redner auf dem Gebiet vor. Thema war das Bundesbriefarchiv, welches laut Bamert selbst schon ein nationales Monument mit historischer Bedeutung darstellt. «Den ersten Höhepunkt erlebte der Bundesbrief von 1291 mit der 600- Jahr-Feier 1891 in Schwyz, als er zur eigentlichen Staatsreliquie emporstilisiert wurde», bemerkte der Referent.

Herrschaft braucht Herkunft

Um dies zu zeigen, wurden auch in der Schweiz Monumente gebaut (Löwengraben Luzern, Telldenkmal Altdorf etc.). «Denkmäler sind ein wichtiger Teil des Erinnerungskults.»Allerdings bewirkten sie keinen nationalen, identitätsstiftenden Charakter. Ändern sollte dies ein Wettbewerb für ein Nationaldenkmal in Schwyz 1908. «Der Bund war an derVerwirklichung sehr interessiert.» Die vier denkbaren Schwyzer Standorte sind aus heutiger Perspektive eher ungewöhnlich: Einer lag an der Herrengasse. Ein anderer wäre auf dem Areal der heutigen «Bote»-Redaktion zu liegen gekommen. Der Platz an der Westfassade des Rathauses kam infrage. Die letzte Option sah den Hauptplatz vor. Gewissermassen als säkulare Ersatzreligion sollte ein mögliches Monument an die Kirche angebaut werden und den ganzen Hauptplatz einnehmen. «So wäre wenigstens das Verkehrsproblem gelöst gewesen», fügte Markus Bamert trocken an.

Die hochkarätige Jury musste letztlich 105 Entwürfe begutachten. Sowohl bildhauerische als auch architektonische Vorschläge wurden eingereicht. Letztere wurden favorisiert, da sie verschiedene Nutzungsmöglichkeiten offenliessen. Der Wettbewerb kam mit Beginn des 1. Weltkriegs jedoch zu einem jähen Ende.

Half ein Berliner mit?

Zu einem späteren Zeitpunkt setzte sich der Gedanke durch, dass Archiv und Ausstellungshalle in einem Neubau organisiert werden sollten, was auch kostengünstiger war. Als der Prozess wieder ins Stocken kam, wurde 1932 eine kantonsrätliche Kommission eingesetzt und ein neuer Wettbewerb ausgeschrieben. Waren vorher auch internationale Architekten dabei gewesen, wurden diesmal nur Architekturbüros mit Schwyzer Angehörigen zugelassen. Aus 43 Projekten wurde der Entwurf von Josef Beeler (geboren in Bürglen, Bürgerort Rothenthurm) ausgewählt. Dass das Projekt in Zusammenarbeit mit einem Berliner Architekturbüro entstanden sein soll, konnte nie bewiesen werden. Im Gegensatz zum Wandbild gab es wegen des Gebäudes – trotz seiner Beeinflussung durch deutsche Architektur – keine Proteste.

Am 23. Januar 1934 wurde die Einrichtung des Neubaus offiziell beschlossen. Mit der Übergabe der «Reliquie», dem Bundesbrief, am 1. August 1936 war der lange Weg zum Bundesbriefarchiv beschritten.



Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Dies & Das

Publiziert am

15.02.2010

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schwyzkultur.ch/mD283u