Wenn es nach dem Schwyzer Gemeinderat geht, soll die idyllische Metzghofstatt verändert werden. Dagegen regt sich Opposition.
Wenn es nach dem Schwyzer Gemeinderat geht, soll die idyllische Metzghofstatt verändert werden. Dagegen regt sich Opposition.

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«Wollen keine zweite Hofmatt»

Viele Schwyzer haben Angst, dass hinter dem Rathaus eine zweite Hofmatt entsteht. Nun opponieren Kantonsräte aus allen Parteien gegen die Neugestaltung der Metzghofstatt.

Wo immer man sich in Schwyz umhört, vernimmt man das Gleiche: Die Metzghofstatt hinter dem Rathaus muss ihren baumbestandenen Charakter behalten. Und: Es dürfe nicht wahr sein, dass die Gestaltung des 1200 Quadratmeter grossen Platzes 1,6 Mio. Franken kosten soll. Ganz anders tönts aus den Ratsstuben: Der Gemeinderat begrüsst in der «Gmeindsposcht» die beabsichtigte «Aufwertung» des Platzes. Wichtig sei, dass «der Platz seinen heutigen idyllischen Charakter und seine Begrünung weitgehend behalten wird».

Grüne Flächen verschwinden

Die Modernisierung des Platzes ging aus einem Projektwettbewerb hervor, an dem sich acht Landschaftsarchitekten beteiligten – alles Auswärtige, die keinen Bezug zum Dorf Schwyz haben. Konkret sollen die grünen Flächen verschwinden und durch Kopfsteinplaster «mit begrünten Fugen» ersetzt werden. Die 1948 gepflanzten Bäume müssen mehrheitlich verschwinden und werden durchWildkirschen ersetzt. Im Siegerprojekt stehen Sätze wie: «Wenn die Kirschbäume blühen, werden Erinnerungen an die Tage wach, als die Obstbäume prägender Bestandteil der Kulturlandschaft rund um Schwyz waren. Oder man denkt gerne an jene Zeit, als die Frauen ihre duftend weisse Wäsche in der Metzghofstatt an die Leinen hängten, um sie vom Wind trocknen zu lassen.» Auch die Vorlieben der zukünftigen Benützer sehen die Planer voraus: «Junge Besucher nehmen die Steinemauern in Beschlag, während ältere Menschen die runden Sitzbänke unter den Bäumen bevorzugen.»

«Die Schwyzer wollen das nicht»

Gestern trafen sich vier Schwyzer im «Rössli», um ihrem Unmut Luft zu machen: Hotelier Sepp Trütsch als Nachbar der Metzghofstatt sowie die drei Kantonsräte Rolf Bolfing (FDP), Marianne Betschart-Kaelin (CVP) und Adrian Föhn (SVP). Die Leute hätten Angst, dass mit der «zeitgemässen Gestaltung» die Metzghofstatt zu einer zweiten Hofmatt werde. «Wir sind nicht gegen die notwendige Erneuerungen der Leitungen unter dem Platz oder den Anschluss des Rathauses an die Agro Energie», sagt Marianne Betschart. «Aber wir möchten, dass der Platz seinen heutigen Charakter behält, mit dem alten Baumbestand und den Grünflächen dazwischen. Warum müssen wir hier terrassierte, ebene, versteinerte Plätze schaffen?» Sie rechnet vor, dass mit den 1,6 Mio. Franken die Sanierung jedes Quadratmeters 1330 Franken kostet. Es reiche, wenn die Metzghofstatt «geschützt, gepflegt, unterhalten, eventuell mit neuen Sträuchern bepflanzt wird», sieht Rolf Bolfing eine viel einfachere und kostengünstigere Lösung. Auch SeppTrütsch als direkt Betroffener stösst ins gleiche Horn und ergänzt, dass verschiedene Dienstbarkeiten wie Zufahrt zu den Grundstücken rund um die Metzghofstatt, die Schneeräumung, die Reinigung und Pflege des Platzes etc. nicht geklärt seien. Auch sei noch kein Nutzungskonzept vorhanden. Adrian Föhn warnt davor, dass der Platz durch die Modernisierung zu einem Anziehungspunkt für Nachtruhestörer ähnlich wie die Hofmatt verkommt, ganz zu schweigen von den Abfallbergen, die dann weggeputzt werden müssen. Auch SP-Kantonsrat Paul Furrer ist auf ihrer Seite. Damit wollen die Kantonsräte zeigen, dass es ihnen nicht um Profilierungsversuche, sondern nur um die Sache geht. Marianne Betschart empfiehlt, dass der Kantonsrat das Projekt zur Überarbeitung zurückweist. Denn «die Schwyzer wollen das präsentierte Projekt nicht».

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Dies & Das

Publiziert am

10.08.2010

Webcode

schwyzkultur.ch/u16588