Musik
Ein Duo mit «jenischem Zwick»
Der Beitrag der jenischen Musiktradition zur Volksmusik wird heute anerkannt. Das bewies auch das Konzert des Schwyzerörgeli-Duos Kurios.
Auch das dritte und letzte Konzert im Chupferturm, das im Rahmen der Volksmusik-Ausstellung im Forum Schweizer Geschichte stattfand, kam am Samstag gut beim Publikum an. Rund 130 Tickets seien verkauft worden, schätzte Bruno Bühlmann, der Leiter der Kleinbühne, der die Zusammenarbeit mit dem Museum als sehr positiv beurteilte. Ein Grossteil der Konzertbesuchenden nahm zunächst in der Museumsausstellung an der Einführung mit Karoline Arn, der Co-Regisseurin des Dokumentarfilms «Unerhört Jenisch», teil, bevor zwei Protagonisten dieses Films zusammen musizierten. Erich Eicher und Patrick Waser stammen aus musikalischen Familien der fahrenden Bevölkerung und bilden seit den Dreharbeiten das Duo Kurios.
Als Jugendlicher fand er die Ländlermusik noch schrecklich
Während Waser schon von Kindsbeinen an mit dem Örgeli vertraut ist, fand Eicher die Ländlermusik als Jugendlicher noch schrecklich. Der Bruder des bekannten Chansonniers Stephan Eicher begann sich jedoch immer mehr für Rees Gwerder sowie für seine jenischen Wurzeln zu interessieren. Die Jenischen reisten als Handwerker auf Arbeitssuche herum und waren Diffamierungen ausgesetzt. «Man weiss nicht genau, was jenische Musik ist», sagte der Berner Eicher, der kürzlich als Jurist in Rente ging, «doch man sagt, dass Jenische die Volksmusik geschaffen haben und sie danach von den Bauern übernommen wurde.» Patrick Waser, der im Kanton Graubünden aufgewachsen ist, erinnert sich, dass den Jenischen, die keine Noten lesen konnten, noch in der Zeit seines Grossvaters Musik gestohlen wurde, indem die Stücke in Notenform herausgegeben und verkauft wurden. Mittlerweile, einige Jahre nach Erscheinen des Musikfilms, werde der Beitrag der Jenischen anerkannt, und Erich Eicher freute sich über den Applaus des Publikums, den er für diese Aussage erntete. Während ihrer Recherchen zum Film stellte Karoline Arn fest, dass Jenische nach ihrer Stimmung und Nichtjenische nach Noten spielen würden. Waser bestätigte dies: «Es ist gut, etwas eigenes Flair einzubringen und nicht nur dem Komponisten nachzuspielen. Das ist für mich der ‹jenische Zwick›», sagte Waser.
Etwas, was von Mozart stammen könnte
Im Duo probieren sie auch etwas aus, was Erich Eicher als «Neojenisch» bezeichnet. Statt der bei der Tanzmusik von Rees Gwerder häufig anklingenden marschartigen Elemente brachten die beiden den Rhythmus des Partisanenlieds «Bella Ciao» ein, gefolgt von verrückten Harmonien à la Jimi Hendrix. Mit dem Langnauerli, einem Örgeli, das in der Innerschweiz etwas verpönt sei, spielte Eicher etwas, was von Mozart stammen könnte. Während des 80-minütigen Konzerts waren auch viele traditionelle Tänze, etwa vom jenischen Komponisten Othmar Kümin, sowie Eigenkompositionen von Patrick Waser zu hören.
Bote der Urschweiz / Patrick Kenel
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Bote der Urschweiz
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