Dominik Flückiger, das Örgeli und das TV-Gerät. Bild Dominic Kallen
Dominik Flückiger, das Örgeli und das TV-Gerät. Bild Dominic Kallen

Musik

Eine experimentelle Reise durch den Fernseher

«Kokolores» heisst das Stück, in welchem Dominik Flückiger neue Wege mit dem Örgeli beschreitet.

Dominik Flückiger experimentiert gerne mit seinem Örgeli. So entstand auch das neuste Stück «Kokolores», was so viel wie «Blödsinn» oder «Unsinn» bedeutet. Er erklärt das Experimentelle am Stück folgendermassen: «In der traditionellen Ländlermusik wird die Bassseite vom Örgeli meistens nur als durchgehende Takt- und Harmonieunterstützung gebraucht, das Wesentliche passiert aber auf der Diskantseite. Ich dachte mir also: Wieso beginne ich nicht einfach mal mit einem coolen Bassriff, welches im ganzen Stück als zentrales Element fungiert? Und so entstand dann auch schon das Stück, welches zuerst als Soloperformance gedacht war.» Er hat «Kokolores» bereits vor drei Jahren komponiert, erst aber während einer Zeit in Quarantäne daran weitergearbeitet. «Ich hatte mit der Zeit immer mehr den Drang, etwas aus diesem Stück zu machen, und wie es der Zufall wollte, ‹durfte› ich im letzten Oktober zehn Tage in die Quarantäne und nutzte diese Zeit, um das Stück selbst aufzunehmen », sagt er.

Stundenlang an Discoelementen getüftelt


Schnell war für ihn klar, dass er das Stück mit Discoelementen mischen wollte. «Die Bassline, welche zuerst nur vom Örgeli zu hören ist, wird im Stück durch einen elektronischen Bass unterstützt », erklärt er. Dazu fehlten nur noch die Drums. Stundenlang tüftelte er nach den passenden Sounds für Bass und Drum. Schliesslich hat er alles selber auf dem Midi-Keyboard eingespielt und bearbeitet. «Das Ganze schmückte ich dann noch mit einigen Special- Effects und Synths aus. Ich bin halt ohne Nuancen in der Musik einfach nicht zufrieden», lächelt er. Mittlerweile entstand auch eine Videoproduktion zum Song. «Dominic Kallen kenne ich schon fast seit 20 Jahren, und wir sind quasi beste Kindheitsfreunde bis heute. Wie ich spielt auch er Schwyzerörgeli, und wir haben ziemlich den gleichen Geschmack, was Musik betrifft. Er hat sich dann aber nicht wie ich für das Musikstudium, sondern für ein Multimedia-Production-Studium entschieden», sagt Flückiger. Fürs Studium sollte er ein Videoprojekt produzieren. So entstand das Musikvideo von Flückigers «Kokolores». Flückiger schwebte vor, einen alten Fernseher in das Video zu integrieren, «durch welchen man von Ort zu Ort geführt wird». Es war von Anfang an klar, dass man die Zuschauerinnen und Zuschauer in die Irre führen wollte, indem man zu Beginn etwas vortäuscht, was gar nicht ist. «Deshalb beginnt das Video auch mit einem Intro, welches zuerst nur das typische Klischee der Schweizer Volksmusik zeigt: Kühe, Brunnen, Blumen und den passenden Ton dazu. Der Bassist Pirmin Huber hat sogar noch Alprufe eingesungen», sagt Flückiger. Das Intro im Bildschirm wird dann plötzlich durch eine Bildschirmstörung unterbrochen, das Bassriff folgt. «Wir wollten, dass die Drehorte ziemlich verschieden sind, damit es möglichst viel Kontrast gibt. Wir filmten zum Beispiel auf einer Burg, in einem Pool oder auf einem Berg um 5 Uhr morgens, um den Sonnenaufgang nicht zu verpassen», sagt Flückiger. Das einzig Mühsame am Dreh sei gewesen, den Fernseher immer herumschleppen zu müssen. Diesen habe man übrigens von einem Sammler in Bern ausgeliehen.

Bote der Urschweiz / Nicole Auf der Maur

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

30.06.2021

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