Gute Zusammenarbeit: Der Schwyzer Othmar Betschart erzählt im Film über das Schwyzer Brauchtum und konnte auch der Regisseurin Gitta Gsell noch einiges über unser Kulturgut beibringen. Bild Nadia von Euw
Gute Zusammenarbeit: Der Schwyzer Othmar Betschart erzählt im Film über das Schwyzer Brauchtum und konnte auch der Regisseurin Gitta Gsell noch einiges über unser Kulturgut beibringen. Bild Nadia von Euw
Claudia und Elias beim Proben. Bild Reck-Film
Claudia und Elias beim Proben. Bild Reck-Film
Lukas auf der Wiese. Bild Reck-Film
Lukas auf der Wiese. Bild Reck-Film

Film

«Das Bödälä stammt aus Spanien»

Der Film «Bödälä – Dance the Rhythm» begeisterte die Besucher der Vorpremiere in Schwyz. Die Innerschweizer Tanzstile «Gäuerlä« und «Bödälä » stehen dabei im Vergleich mit internationalen und abstrakten Tänzen.

Die Regisseurin Gitta Gsell hat in ihrem Dokumentarfilm «Bödälä – Dance the Rhythm» bodenständige Schweizer Volkstänze mit Stepptanz, Irish Dance und auch dem Flamenco in Verbindung gebracht. An den 45. Solothurner Filmtagen wurde die Dokumentation überraschend zum Lieblingsfilm des Publikums gekürt (der «Bote» berichtete). Gestern Nachmittag feierte der Streifen in Schwyz seine Vorpremiere. Der 78-minütige Dokumentarfilm zeigt auf mitreissende Art und Weise und mit fliessenden Übergängen, was das bodenständige Innerschweizer Brauchtum mit internationalen Rhythmen gemeinsam hat: Die ansteckende Lust am Trommeln mit den Füssen. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass die Tanzstile dieselben Wurzeln haben. Im Film stellt nämlich eine Darstellerin die These auf, dass der Ursprung des stampfenden Volkstanzes in Spanien liege. Taglöhner hätten diese Tanzart vor Jahren importiert. Dann wäre «Bödälä» vielleicht sogar eine Abspaltung des Flamencos.

Filmszenen in Schwyz gedreht

Der Film dreht sich einerseits um Gäuerler, Geislechlepfer, Trychler und auch Chlefeler. All dies kann als typisch Schwyz bezeichnet werden. Typisch Schwyz nicht nur, weil dieses Brauchtum hier seinen Ursprung hat und mit Leib und Seele gelebt wird, sondern auch, weil einige Filmausschnitte direkt vor Ort gedreht wurden. Gezeigt werden Szenen des Gäuerlerabigs der «Tallüt von Schwyz» in Ibach und der Einzug der Greifler an Dreikönigen auf den Hauptplatz. Junge Chlefeler zeigen ihr Können vor dem MythenForum. Weiter steht der Kinobesucher plötzlich mitten in der Sennenchilbi in Illgau. «Der Ursprung vom ‹Gäuerlä› liegt in Schwyz, und lange Zeit wurde auch nur hier so getanzt», ist für Gitta Gsell die Erklärung, weshalb viele Szenen am Fusse der Mythen gedreht wurden.

Filmmusik aus Illgau

Auch musikalisch ist der Kanton Schwyz übrigens prominent dabei. Die beiden Illgauer Formationen Ländlertrio Chuchirascht und Handorgelduo Rickenbacher-Heinzer bringen als Hintergrundmusik urchige Stimmung in die Kinosäle. Nebst all dem traditionellen Schweizer Brauchtum zeigt der Film unter anderem auch eine experimentierfreudige Flamencotänzerin und eine junge Frau, welche sich für die Irish-Dance-Weltmeisterschaft qualifizierte, schlussendlich aber mit einem Sturz während des Auftritts in Belfast scheiterte.

«Gäuerlä» ist Männersache

Othmar Betschart ist Volkskundler aus Schwyz und verfasste bereits früher Artikel über die internationale Verknüpfung von «Bödälä» und «Gäuerlä». Im neu erschienenen Film fungiert er als Erzähler. «Eine Frau, die gäuerlät, ist für mich etwas Unglückliches», meint er. Eine der Protagonistinnen ist jedoch eine Toggenburgerin, die mit Leib und Seele bödälät. «Ich bin nicht frauenfeindlich und auch nicht gegen Frauen, die bödälän», meint Betschart nach der Filmvorführung. Aber das Gäuerlä liege nicht in der Natur des weiblichen Wesens, da dies ein Tanz sei, in welchem der Mann um die Frau wirbt und wie ein Hahn um sie herumtanzt. «Wenn ein Fremder sich fragt, was die Tänzer eigentlich machen, dann ist es Gäuerlä», definiert Betschart den Schwyzer Tanzstil.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Film

Publiziert am

22.02.2010

Webcode

schwyzkultur.ch/gvvnNL