Richard Büeler hat viel für die Fasnacht gearbeitet in seinem Holzbildhauer-Atelier. Bilder Christoph Clavadetscher
Richard Büeler hat viel für die Fasnacht gearbeitet in seinem Holzbildhauer-Atelier. Bilder Christoph Clavadetscher
Richard Büeler am Schnitzen einer Hexenlarve in seinem Atelier in Schwyz.
Richard Büeler am Schnitzen einer Hexenlarve in seinem Atelier in Schwyz.

Kunst & Design

Ein Blick ins Atelier von Richard Büeler

Richard Büeler spricht über 49 Jahre als Holzbildhauer. Der fröhliche Schwyzer durfte in all den Jahren viel von der Fasnacht profitieren – hat ihr aber auch viel zurückgegeben: Unzählige Büeler-Masken sind während der närrischen Tage im Einsatz.

Richard Büeler hat die Fasnacht in der Region stark geprägt: Hunderte seiner Holzmasken sind in den Nüssler-Rotten der Region
unterwegs. Auch weitere Figuren wie Strudeli und Strätteli oder die Urmiberg-Häxä aus Brunnen sind von ihm. Mit Richard Büeler sprach Christoph Clavadetscher.


Christoph Clavadetscher: Die Fasnacht ist in vollem Gange, die Begeisterung kennt keine Grenzen. Warum ist die Fasnacht in der Region Schwyz so populär?


Richard Büeler: Weil sie einzigartig ist. Das traditionelle Brauchtum des Nüsselns mit dem Narrentanz, der nur hier gespielt wird, ist sehr speziell. Die Leute sind vernarrt darin, weil wir hier etwas haben, was es nirgendwo sonst gibt. Das verbindet die Menschen. Und diese starke Zusammengehörigkeit wirkt enorm. Das fasziniert auch mich, ich erzähle überall mit Stolz von unserem Brauchtum. Und die kleinen Unterschiede zwischen den Dörfern, diese lieb gemeinten Sticheleien, beleben das Ganze noch zusätzlich. (lacht)


Was hat sich geändert in den letzten 50 Jahren?


Die grösste Herausforderung sehe ich darin, dass sich das Platzangebot geändert hat. Es gibt immer weniger Restaurants mit grossen Sälen. Zugleich werden die Rotten aber immer grösser, was auch schön ist. Doch Besucher und Maschgraden haben nicht mehr überall Platz. Und ausweichen auf eine Turnhalle geht auch nicht, so ginge der Charme verloren. Aber die Fasnacht sonst hat sich nicht gross geändert. Auch früher schon gab es gute und weniger gute Maschgraden. Auch dass heute mehr getrunken wird, glaube ich nicht. Schon immer gab es Betrunkene an der Fasnacht.


Seit 49 Jahren sind Sie nun Holzbildhauer. Wie sind Sie zu diesem Beruf gekommen?


Ich hätte diesen Beruf schon als 16-Jähriger gerne gelernt. Dies, weil ich als Kind auf dem Schulweg beim Holzbildhauer Reichmuth in Schwyz oft in der Werkstatt reinschauen durfte. Das hat mich fasziniert. Da man damals für diese Lehre aber hätte bezahlen müssen, sagte mein Vater, dass ich zuerst einen richtigen Beruf lernen müsse, der auch Geld bringe. (lacht)


Und das war?


Mein Vater hätte es gerne gesehen, wenn ich Käser gelernt hätte, da diese Lehre damals gut bezahlt wurde. Meine Brüder und ich sind eben in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen. Ich machte dann aber eine Lehre als Schreiner, damit ich wenigstens etwas mit Holz zu tun hatte. Ich wusste eigentlich, was ich wollte, durfte Holzbildhauer aber aus finanziellen Gründen nicht lernen. Der Schreinerberuf hat mir dann aber auch sehr gut gefallen.


Und wie wurden Sie dann doch noch Holzbildhauer?


Für mich war immer klar, dass ich nach der Lehre wechseln werde. Ich fragte also in Steinen bei Josef Schibig an, ob er mich zum Holzbildhauer ausbilden könnte. Das hat er gemacht, ich musste einfach auch gewöhnliche Schreinerarbeiten machen. Anstatt nochmals in die Berufsschule ging ich dann in die Kunstgewerbeschule in Luzern. Schritt für Schritt gingen mir dann die Augen auf.


Wie meinen Sie das?


Durch diese Ausbildung, die viel Zeichnen beinhaltete, öffnete sich meine Optik. In der Lehre wurde ich ins kalte Wasser geworfen, ich musste oft irgendetwas nachschnitzen, hatte aber keine Ahnung, wie. Plötzlich ging der Knopf auf, und ich sah, was und wie ich es schnitzen musste. Später, 1987, machte ich mich dann in Schwyz selbstständig, da ich mehr Verantwortung übernehmen wollte.


Was braucht es zum Holzbildhauer?


Geduld, die Fähigkeit zum dreidimensionalen Denken und die Freude am Zeichnen. Das Schnitzen an sich ist eigentlich sehr technisch, das kann man gut erlernen.


Ist es mehr Kunst oder mehr Handwerk?


Da ich bis jetzt – vielleicht habe ich in den nächsten Jahren mehr Zeit – nie die Freiheit hatte, mich selber zu verwirklichen, sehe ich es als Kunsthandwerk. Wenn ich aber frei und für mich arbeiten kann, ist es eher Kunst.


Also arbeiten Sie vor allem für Auftraggeber.


Ja, ein Drittel macht die Fasnacht aus, ein Drittel sind Aufträge für Weinbauern, etwa das Verzieren von grossen Fässern, und einen grossen Teil machen auch Aufträge für Vereine oder Private aus – wie etwa spezielle Geschenke oder Möbel verzieren.


Kommen wir zur Fasnacht. Was ist da alles Teil Ihrer Arbeit?


Vor allem Masken. Die traditionellen Nüsslerlarven aus dem Talkessel, aber auch viele Hexenlarven. Aufträge für Hexengruppen sind sehr interessant, da kann ich 15 bis 20 Stück machen, die zwar zusammenpassen, von denen aber jedes ein Einzelstück ist. Wie etwa für die Urmiberg-Häxä aus Brunnen.


Was noch?


Verschiedene Figuren. Etwa der Brunner Bartli für die Bartliväter oder Maskenbüsten für Private zum Dekorieren. Als ich mit den Büsten begonnen habe, sind die wie warme Weggli gelaufen. Ich musste immer mehr Figuren machen. Mittlerweile habe ich neben den traditionellen Nüsslerfiguren auch die alten Schwyzer wie Mexikaner oder Zuckerbäcker, aber auch die Brunner Strudeli und Strätteli, Talibasch und Välädi aus Steinen oder den Seebner Zünggele-Huu, den Gersauer Gerfaz und Weitere gemacht. Mittlerweile gibt es 31 verschiedene Büsten. Diese Stücke sind sehr begehrt als Geschenke.


Was schnitzen Sie sonst noch für die Fasnacht?


Noch weitere Auftragsarbeiten wie Reliefs, Krawattenknöpfe, Anstecknadeln oder auch Stöcke für den Alten Herrn.


Traditionell gehören zum Nüsslerbrauchtum ja eigentlich Bergamaskerlarven, also Masken aus Wachs. Wieso gibt es heute immer mehr Holzlarven?


Sie halten – wenn man Sorge trägt – fast ewig und sind bequem. Als junger Mann ging ich in Steinen viel Maschgradenlaufen. Da ich aber unter der Larve so stark geschwitzt habe, brauchte ich immer mindestens zwei Wachsmasken pro Tag. Dummerweise hatte ich damals, das war 1971, aber kein Geld, darum habe ich mir kurzerhand eine Blätzlarve aus Holz geschnitzt. Dies haben andere Maschgraden bemerkt und gefragt, ob ich ihnen auch eine Maske schnitzen könnte. So hat das angefangen. Mein Chef war begeistert und hat gesagt, dass wir das ins Programm aufnehmen sollen. Bis heute habe ich Hunderte solcher Holzmasken gemacht, die im ganzen Talkessel im Einsatz sind.


Nach welcher Vorlage bei den traditionellen Masken arbeiten Sie überhaupt?


Ich habe noch Wachsmasken von 1935. Daran orientiere ich mich. Der Typus der Nüsslermasken dürfte sich eigentlich nicht ändern. Darum finde ich es auch schade, dass beispielsweise in Brunnen gewisse Hudis keine Zähne mehr haben.


Sind Sie der Meinung, dass die Holz die Bergamaskerlarven ablösen sollten?


Nein, nein, gar nicht. Die haben beide Platz nebeneinander. Das ist auch gut so. Die Wachslarven werden immer präsent sein. Diese Entscheidung sollte man den Maschgraden überlassen.


Wie reagieren Sie, wenn Sie eine Ihrer Masken an der Fasnacht sehen?


Da freue ich mich natürlich sehr, es macht mich auch stolz. Aber wer unter der Larve steckt, weiss ich trotzdem nicht. Einen Maschgrad kennt man ja nie.


Wie geht es mit Ihrem Atelier überhaupt weiter?


Das Pensionsalter haben Sie ja schon länger überschritten. Ein paar Jahre mache ich schon noch weiter, so wie ich halt mag. Hans Erni ist mir ein Vorbild (lacht). Nicht wegen des hohen Alters, das er erreicht hat, sondern weil er immer weitergearbeitet hat. Das hält ja auch jung. Was danach geschieht, steht in den Sternen. Schön wäre, wenn jemand weitermachen würde.


Bote der Urschweiz / Christoph Clavadetscher

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Kunst & Design

Publiziert am

10.02.2017

Webcode

schwyzkultur.ch/FkC5wH