Künstleratelier Berlin - 1

Kunst & Design

Künstleratelier Berlin

Vier Monate verbrachte die bildende Künstlerin Barbara Gwerder in der deutschen Hauptstadt. Der Aufenthalt im Zentralschweizer Atelier sei für sie und ihre Arbeit eine Bereicherung, ist sie überzeugt.

«Ich kam Anfang September 2017 nach Berlin. Die Tage waren mild, spätsommerlich schön. Genau richtig, um eine Grossstadt zu entdecken. Mit dem Fahrrad durchstreifte ich die Stadt mit ihrer immens grossen kulturellen Vielfalt. Schnell merkte ich, dass Berlin ein herausragendes Kunst- und Kulturzentrum ist – ein internationaler Anziehungspunkt für Kunstschaffende. Die Berliner Bevölkerung besitzt ein grosses Herz für Kunst und ihre Kunstschaffenden. Es tut gut zu sehen, dass Menschen auf der Strasse geniesserisch einem öffentlichen klassischen Konzert mit geschlossenen Augen lauschen. Oder wenn sie an einem Sonntag im Mauerpark zu Hunderten zusammengerückt an Hängen sitzen wie in einer grossen Arena, um den darbietenden Strassenkünstlerinnen und Strassenkünstlern zuzuschauen, zu applaudieren. Das grosse Interesse an Kunst ist hier in Berlin auffallend und tut mir gerade jetzt besonders gut, da meine letzten Tage in der Schweiz geprägt waren von Protestaktionen gegen die geplanten Sparmassnahmen bei Kulturgeldern in einigen Kantonen.

Dank der Schweizer Botschaft, die unter anderem mit allen wichtigen Kunstverbänden und Kulturschaffenden ein wunderbares Netzwerk pflegt, bekam ich unkompliziert und schnell einen Einblick in Künstlerwerkstätten, in Kunstverbände und Ausstellungsinstitutionen von Berlin. Die von der Botschaft organisierten Führungen, Künstlergespräche und Atelierbesuche waren für mich als Kunstschaffende extrem interessant. Ich habe noch nie so grosse, gut eingerichtete und für alle Künstlerinnen und Künstler offene Bildhauer- und Druckwerkstätten gesehen. Für ein Künstlerinnenherz paradiesisch, sehr beindruckend. Interessant ist, dass alle Kunstschaffenden – egal, woher sie kommen, egal, wie lange sie in Berlin bleiben – diese Werkstätten unkompliziert, unbürokratisch benutzen können: «Einfach vorbei kommen», hiess es, «miteinander reden und so klappt das dann mit dem Arbeiten schon». Dort arbeiten jährlich rund 500 Künstlerinnen und Künstler aus der ganzen Welt, und sie müssen nur wenig für die Infrastruktur bezahlen. Natürlich wollte ich wissen, wie das Ganze finanziert wird und war völlig überrascht zu erfahren, dass z.B. die Bildhauerateliers keine Geldprobleme kennen. Berlin hat ein grosses kunstinteressiertes Publikum, und darum funktioniert auch die Finanzierung; das war eine Erklärung. Es ist mir einmal mehr klar geworden, dass die Kunst ein kunstinteressiertes Publikum braucht.

Ich fühlte mich von Anfang an willkommen in Berlin. Das Arbeiten im Zentralschweizer Atelier fiel mir leicht. Beflügelt von den vielen Eindrücken ging ich an meine Projekte. Der Aufenthalt in Berlin ist für meine Arbeit wichtig. Es gibt mir die Möglichkeit, neue Denk- und Sichtweisen zu entwickeln. Die inspirierenden Grossstadtimpulse prägen meine Arbeit neu. Für diese Erfahrung bin ich sehr dankbar, und darum ein herzliches Dankeschön an alle Menschen, die Kunst in irgendeiner Form fördern, vor allem an die Unterstützerinnen und Unterstützer des Zentralschweizer Ateliers. Ich bin überzeugt, dass Kunstförderung letztlich nicht nur den Kunstschaffenden zu Gute kommt, sondern die daraus entstehende Kunst der ganzen Gesellschaft Lebensqualität bringen kann.»

Autor

Kulturkommission Kanton Schwyz

Kategorie

  • Kunst / Design

Publiziert am

30.05.2018

Webcode

schwyzkultur.ch/wQm1ua