Für den Deutschen Phantastik Preis nominiert: Zwei Werke von Luzia Pfyl. Bild Nadine Annen
Für den Deutschen Phantastik Preis nominiert: Zwei Werke von Luzia Pfyl. Bild Nadine Annen

Literatur

Schwyzer Autorin legt Blitz-Karrierestart hin

Ihr erster Roman hat eingeschlagen wie eine Bombe: Eine Nomination für die Endrunde des Deutschen Phantastik Preises und ein Angebot für eine Bücherserie sind der Lohn für Luzia Pfyls aufwendige Arbeit an ihrem Debütroman «Cesario Aero Kaiser der Lüfte».

Die Schwyzerin und Tochter des ehemaligen Gemeindepräsidenten Josef Pfyl hat schon als Kind Geschichten erfunden. «Zuerst mit Barbies», erzählt die 30-Jährige, «und sobald ich schreiben konnte, verbrauchte ich Unmengen an Papier.» Auf der Schreibmaschine ihrer Mutter habe sie seitenweise Geschichten beziehungsweise vor allem Anfänge – geschrieben, fügt sie hinzu. Als Teenager war Luzia Pfyl fasziniert von der Japan-Szene mit Mangas und Anime und begann, Fan-Fiction zu schreiben. Also aus vorhandenen Figuren und Settings eigene Geschichten zu erfinden.

Mit 20 zu viel im Kopf

Als sie ungefähr 20 Jahre alt war, fiel Luzia Pfyl in ein depressives Loch. «Das war eine sehr schwierige Phase, und ich habe gar nichts mehr gemacht. Ich war jeweils froh, wenn ich es aus dem Bett geschafft habe und mich irgendwie in die Schule schleppen konnte», erzählt sie. Mit 24 habe sie sich aber wieder gefangen: «Ich hatte so viel im Kopf, das musste einfach raus.» Und so begann sie, wieder zu schreiben. 2013 wurde ihre erste Kurzgeschichte in einem Sammelband veröffentlicht, welcher sogar für den Deutschen Phantastik Preis nominiert wurde die höchste Auszeichnung in der Phantastik-Literaturszene.

Luzia Pfyls Geschichten können dem Fantasy-Bereich, genauer gesagt dem Steampunk-Genre*, zugeordnet werden. «Ich liebe Geschichte über alles und bin ein England-Fan», so Luzia Pfyl. Da komme man an den Viktorianern nicht vorbei, meint sie. «Das coole am Steampunk ist, dass man historisch nicht 100 Prozent akkurat sein muss und auch Fantasy-Elemente hineinbringen kann», schwärmt Luzia Pfyl.

Im Detail recheriert

Das Aufwendigste sei dennoch die Recherche. «Bei historischen Sachen muss man ziemlich ins Detail gehen», erklärt sie. Während sie schon mehrmals in London war, wo sie in Museen oder Secondhand-Bücher­läden recherchieren und die Stadt auskundschaften konnte, kennt sie andere Orte, an welchen ihre Geschichten spielen, nur aus dem Internet. «Meinen Browser-Verlauf darf keiner sehen», lacht sie. Denn als Steampunk-Autorin müsse man durchaus auch mal googeln, wie man eine Bombe baut. «Da kommt man manchmal auf ganz zwiespältige Seiten», erklärt Luzia Pfyl.

Inspiration für ihre Geschichten findet sie in anderen Büchern, aber auch auf der Strasse. «Ich kann recht gut Menschen beobachten und liebe es, mir zu überlegen, wer die Menschen auf der Strasse sind und was sie wohl machen», erzählt die Autorin. Das sei auch der Grund dafür, dass die gelernte Wirtschaftsfachfrau ihren Job als Verkäuferin in einem Bio-Laden auch dann nicht an den Nagel hängen würde, wenn sie vom Schreiben leben könnte. «Ich muss einfach raus und unter die Leute kommen», erklärt sie. Und wenn sie dennoch mal ein Plot-Loch hat und nicht mehr weiter weiss, sucht sie Rat in ihrem Fantasy-Schreib-Forum. Sie ist auch Mitglied im Verein Schweizer Phantastik-Autoren. «Man kennt sich in der Szene», so Luzia Pfyl.

Biografische Elemente

Auch persönliche Erfahrungen beeinflussen Luzia Pfyl beim Schreiben. Als Kind sei sie oft in den Bergen gewesen. «Mein Grossvater wusste sehr viel über die Natur und Wetterbeobachtung», erinnert sie sich, «und hat mir viel darüber mitgegeben. Dieses Wissen bringe ich gerne in meine Geschichten ein.» Inzwischen lebt sie seit 14 Jahren in Zürich und sei ein «Stadtmeitli» geworden. «Ich bin aber froh, in Schwyz aufgewachsen zu sein, und komme gerne zurück, um die Ruhe zu geniessen und aufzutanken», sagt sie.

Mit ihrem Debütroman hat Luzia Pfyl etwas erreicht, wovon andere Autoren lange träumen. Neben der Nomination für den Deutschen Phantastik Preis kam der Verleger von Greenlight Press auf sie zu und bot ihr eine 12-teilige Serie von Kurzromanen an. Der erste erscheint voraussichtlich bereits im August. «Dieses Grossprojekt wird mich die nächsten zwei, drei Jahre beschäftigen», sagt Luzia Pfyl. «Die Serie ist natürlich ein Mega-Druck: Ich habe Verträge, die Geschichte muss weitergehen», erklärt Pfyl, die gerade am vierten der zwölf Kurzromane dran ist. So

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

22.07.2016

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schwyzkultur.ch/M35n97