Stets vergrössert: Die «Republik» (Baujahr 1908), heute Ausflugsschiff, hat bis zu ihrer heutigen Kapazität einige Umbauten hinter sich.
Stets vergrössert: Die «Republik» (Baujahr 1908), heute Ausflugsschiff, hat bis zu ihrer heutigen Kapazität einige Umbauten hinter sich.
Im Baueinsatz: Die «St. Theresia» (Baujahr 1932) liegt im Fallenbach vertäut und wird für Wasserbau und Taucharbeiten eingesetzt. Bilder Bruno Facchin
Im Baueinsatz: Die «St. Theresia» (Baujahr 1932) liegt im Fallenbach vertäut und wird für Wasserbau und Taucharbeiten eingesetzt. Bilder Bruno Facchin

Literatur

Über «Reedereien» im Kanton Schwyz

Im neu erschienenen Buch «Nauen auf dem Vierwaldstättersee » erklärt der Autor Rolf Gwerder die spektakuläre Geschichte der Frachtschifffahrt. Technische Daten und Vorkommnisse, aber auch Familiengeschichten machen das Buch spannend. Ein Kapitel ist auch der «Schiffsmeister-Dynastie Müller» aus Gersau gewidmet.

Wer sich für die Nauenfahrt auf dem Vierwaldstättersee interessiert, der muss das neue Buch von Rolf Gwerder haben. Gwerder, nach eigenen Angaben ein «Freizeitseegusler», ist in Ennetbürgen aufgewachsen und befasst sich seit seiner Kindheit mit den Frachtschiffen auf dem Vierwaldstättersee. Er hat sich eine grosse Fachkompetenz angeeignet und besitzt auch ein umfassendes Archiv zum Thema.

«Stauffacher» und Co.

Die «Stauffacher» (Käppeli Schwyz) kreuzt noch heute auf dem See und ist hinlänglich auch bekannt als Vergnügungsboot. Im Jahr 1924 wurde sie vom «Botta» (Steinbruch Eichwald) in Betrieb genommen und gehörte später der Firma Käppeli Söhne AG. Im Jahr 1928 sank der Nauen nach dem Auffahren auf ein Ablaufrohr beim Trottli-Quai in Luzern. 1967 wurde er auf Eisen umgebaut, und der heute noch eingebaute 58- PS-Motor stammt aus einem auf dem Zürichsee gesunkenen Ledischiff. Ursprünglich im Kanton Obwalden mit der Nummer 48 immatrikuliert, ist heute die «St. Theresia» ebenfalls ein Schwyzer Nauen. Im Jahr 1932 für die Baggerei Spiller in Alpnach gebaut, ist sie seit diesem Jahr als «SZ 175» im Fallenbach für Wasserbau und Taucharbeiten der Firma Seecam GmbH im Dienst. Da gab es aber auch die «Fallenbacher», ein mit Leichtbenzin betriebenes Boot des Franz Cernic, Besitzer des Steinbruchs Fallenbach (später Ott AG). Der 50-Tonnen-Nauen wurde im Jahr 1896 ins Schiffsverzeichnis aufgenommen. Bilder sind keine vorhanden.

«Republik» von 35 auf 110 Tonnen

Die heutige, im Jahr 1908 erbaute «Republik» hatte einen kleinen Vorgänger gleichen Namens. Lorenz Müller sen. (zweite Generation) liess den Nauen 1896 bauen. Die heutige «Republik» hat eine umfassende Umbaugeschichte hinter sich. Der im Jahr 1908 gebaute Nauen sollte eigentlich 60 statt der effektiv 35 Tonnen tragen. 1943 wurde er auf 70 Tonnen und 1965 mit einer Ladebrücke aus Eisen auf 90 Tonnen vergrössert. Mit dem Umbau der Schiffsschale von Holz auf Eisen wurde im Jahr 1973 die Kapazität auf die heutigen 110 Tonnen erhöht. Heute steht die «Republik» nach wie vor in Gersau, wo sie für Vergnügungs- und Ausflugsfahrten eingesetzt wird.

Gersauer Schiffsmeister-Dynastie

Auszug aus dem Buch:
Die beiden Brüder Alois (*1850) und Zacharias (*1854) Müller vom «Stotzig Urmi» zogen vom Vaterheimet hinab an den See und übernahmen um 1875/80 die Ziegelei beim «Forst» mit der angeschlossenen Mosterei. Die Rohprodukte Lehm und Mostobst wurden über den See herangeführt und die Endprodukte wiederum über den See abtransportiert – die Strasse nach Brunnen war zwar 1867 erstellt worden, jene nach Vitznau wurde aber erst 1886 gebaut. Die Brüder Tobias und Lorenz haben die Schifffahrt in der zweiten Generation übernommen und mit der «Walter Fürst» und der «Nidwalden» zwei Occasionsschiffe betrieben. 1908 wurde die «Republik » gebaut, und Lorenz Müller-Birchmeier übernahm die Schifffahrt in der dritten Generation. Paul Müller-Bieri (vierte Generation) und Erwin Müller-Schuler (fünfte Generation) waren die weiteren Besitzer der «Republik», die inzwischen zum Sommer-Ausflugsschiff mutierte. Bereits ist die sechste Generation mit Rémy und André Müller am Heranwachsen, und so scheint die Gersauer «Schiffsmeister-Dynastie Müller» auch für die kommenden Jahrzehnte gesichert zu sein.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

24.08.2011

Webcode

schwyzkultur.ch/TN39ZL