Eindrückliches Bild: Pauline Lumpert (vorne) mit ihrer Schwester Heidi im Aufstieg zum Portjengrat, 1951. (Bild: Privatarchiv)
Eindrückliches Bild: Pauline Lumpert (vorne) mit ihrer Schwester Heidi im Aufstieg zum Portjengrat, 1951. (Bild: Privatarchiv)

Literatur

Wie Frauen die Berge eroberten

Die Goldauer Philosophin Patricia Purtschert hat mit ihrem Buch «Früh los – Im Gespräch mit Bergsteigerinnen über siebzig» ein Thema aufgenommen, welches eine spannende Lücke in der Literatur zu schliessen vermag. Sie beschreibt die Rolle der Frau in einem von Männern besetzten Ressort, dem Alpinismus.

13 Frauen, 13 Geschichten und 13 Lebenseinstellungen bilden sowohl das Grundgerüst als auch das Kernstück des Buches «Früh los – Im Gespräch mit Bergsteigerinnen über siebzig». Die 37-jährige Goldauer Philosophin Patricia Purtschert porträtiert dabei Frauen im Alter zwischen 70 und 100 Jahren auf einfühlsame Weise und beleuchtet ihre Vorreiterrolle als Bergsteigerinnen in einer Zeit, in der der Alpinismus eine männliche Tätigkeit war. Zu den 13 Pionierinnen ihrer Zeit gehören auch die beiden Schwyzerinnen Pauline Lumpert aus Schwyz und Martha Liebich aus Einsiedeln. So berichtet Pauline Lumpert, dass ihr Vater ihr die Liebe zu den Bergen «eingepflanzt» habe. Er selbst war ein SAC-Mitglied der ersten Stunde. Da der Club 1948 noch keine Frauen aufnahm, gründeten die Schwyzerinnen eine lokale Sektion des SFAC (Schweizerischer Frauen Alpen Club). An vorderster Front mit dabei war auch Pauline Lumpert, welche den Club später sogar vier Jahre präsidierte. SAC-Männer haben weibliche Mitglieder erst ab 1979 unter sich toleriert – dies ganze acht Jahre nachdem das Frauenstimmrecht eingeführt worden war. Pauline Lumpert berichtet aber auch von ihren alpinen Erfolgen. Unter anderem kletterte sie als junge Frau den Schlossbergriss in Engelberg und erklomm den Rigidalstock oder den Spannort. Aber auch den Eiger oder den Mittellegigrat kann die heute 80-Jährige zu ihren erfolgreichen Touren zählen. Auch die Einsiedlerin Martha Liebich wurde von ihrem Vater in die Berge geführt – obwohl er selbst kein SAC-Mitglied war. Ihre Brüder waren aber in der Jugendorganisation des Clubs, weshalb die junge Martha oft auf Touren mitgehen durfte. Mitglied eines SFAC habe sie nie werden wollen, weil sie diese Frauen als «ambitionierte Weiber» empfand. Deshalb blieb sie lange in der JO. Aber auch als sie ab 1980 die Möglichkeit erhielt, dem SAC Einsiedeln beizutreten, tat sie es nicht. Ihr Kommentar dazu: «Ihr seid selbst schuld, dass ihr mich nicht aufgenommen habt. Nun habt ihr 26 Jahre lang meine Mitgliederbeiträge nicht erhalten.»

Eine kleine Minderheit

Das Buch «Früh los» berichtet über die Schwierigkeiten, mit denen sich die Bergsteigerinnen von damals konfrontiert sahen. Allen voran die gesellschaftlichen Normen, nach welchen die Frau den Haushalt zu besorgen und die Kinder zu betreuen hatte. «Frauen im Fels», das war ein seltener Anblick. Sie galten als «Mannsweiber », und die Männer, welche Frauen sogar vorsteigen liessen, mussten Spott und Hohn über sich ergehen lassen. Dennoch gab es in der Vergangenheit immer wieder «starke» Männer, die sich ebenfalls über die geltenden Konventionen hinweggesetzt haben und sich als Mentoren und Kletterpartner engagierten. Spannend ist in diesem Zusammenhang auch, dass es meist die Väter oder Brüder waren, die den Frauen den Einstieg in die Bergwelt ermöglichten.

Grosse Erfolge gefeiert

Erstaunlich ist weiter, dass sich viele der porträtierten Frauen bis heute ihrer Vorreiterrolle gar nicht bewusst sind. Viele schmälern ihre Leistungen im Alpinismus, obwohl sie grandiose Erstbegehungen und Wiederholungen von schweren Touren in ihrem Rucksack haben. Yvette Vaucher zählte beispielsweise zu den grossen Bergsteigerinnen ihrer Zeit. Sie durchstieg 1965 als erste Frau die Matterhorn-Nordwand, und 1966 feierte sie die Erstbegehung der Nordwand des Dent Blanche. 1971 war sie zudem Mitglied einer internationalen Everest-Expedition.

Technik mit Geschichten verwoben

Im Buch werden dem Leser auch die beeindruckenden technischen Details zum Klettern nicht verwehrt. Sie sind diskret mit den Erzählungen der Bergsteigerinnen verwoben und ermöglichen den Einblick in den Klettersport vor der Zeit der Hightech-Ausrüstungen. Der 37-jährigen Autorin Patricia Purtschert ist ein vielschichtiges Werk gelungen, das den Zeitgeist trifft und mit seinen persönlichen Geschichten sicherlich auch Nichtbergsteiger zu begeistern vermag.

In Goldau aufgewachsen

Die Philosophin Patricia Purtschert ist 37 Jahre alt. Sie ist in Goldau aufge

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

02.12.2010

Webcode

schwyzkultur.ch/9bSYrW