Alois Kessler als Autor: Kuriose Fälle aus der Schwyzer Gerichts-, Fussball-, Gewerbe- und Schulwelt. Bild Josias Clavadetscher
Alois Kessler als Autor: Kuriose Fälle aus der Schwyzer Gerichts-, Fussball-, Gewerbe- und Schulwelt. Bild Josias Clavadetscher
Der Kauf des Buches ist speziell geregelt. Es ist gratis zu haben, man zählt aber auf die Solidarität der Leser. Jeder kann einen freiwilligen Beitrag auf ein Konto für einen Verein einzahlen.
Der Kauf des Buches ist speziell geregelt. Es ist gratis zu haben, man zählt aber auf die Solidarität der Leser. Jeder kann einen freiwilligen Beitrag auf ein Konto für einen Verein einzahlen.

Literatur

Zwischen Schmunzeln und Staunen

Straffälle, Scheidungen, Fussballfouls und Gewerbepolitik. Was da an Kuriositäten und Besonderheiten zusammenkommen kann, das präsentiert Anwalt Alois Kessler in einem Buch. Es liest sich mit Staunen, Verblüffung und Schmunzeln.

Es ist ihm fast etwas peinlich, so der Eindruck an der gestrigen Vernissage. Alois Kessler als Buchautor: Der Jurist, Scheidungsanwalt, ehemaliger Divisionsrichter, kantonaler Gewerbesekretär, Schulpräsident und immer noch Fussballfunktionär erzählt aus dem Nähkästchen. Kessler berichtet über die kuriosesten Fälle aus seiner 35-jährigen Tätigkeit, schöpft aus einer Fülle von Erlebnissen und Situationen und tut dies auf unterhaltsame Art, immer auf den Titel des Buches ausgerichtet, dem rotem Faden «Es gid nüüd, wo’s nid gid».

Viel Realsatire verpackt

Tatsächlich sind es Geschichten, denen es an Realsatire – oder oft auch an Realtragik – ganz bestimmt nicht mangelt. Kessler kommentiert aus einer gewissen Distanz, aus der Erfahrung von drei Jahrzehnten. Er schildert die Vorfälle verständlich, manchmal vielleicht etwa langatmig, geht aber der Gefahr des juristischen «Fachchinesisch» aus dem Weg und tischt Storys auf, die man sich als Aussenstehender eigentlich gar nicht vorstellen konnte. Das Buch widerlegt auch die Annahme, dass die Juristerei eine staubtrockene Angelegenheit sein soll. Und sehr subtil umgeht Kessler das Problem des Anwaltsgeheimnisses mit einer strikten Anonymisierung der Fälle. Bei keiner Story sind die darin geschilderten Personen erkennbar, es sei denn, der fragliche Fall war damals in den Medien bereits präsent. Zudem sind die meisten der betroffenen Personen auch über die Publikation vorgängig informiert worden und haben ihre Zustimmung gegeben.

Hund als Erbe

Einen grossen Teil der Schilderungen nehmen die Erlebnisse ein, welche Kessler als Scheidungsanwalt erlebt hat. Das Paar, das vor der Ziviltrauung fünf Jahre zusammengelebt hat und sich dann drei Tage nach der Hochzeit schon wieder scheiden liess. Das Paar, das nach der Scheidung sofort die Hochzeitsreise wiederholt hat. Der vermeintliche Vater, der nach 16 Jahren von seiner Zeugungsunfähigkeit erfahren hat. Kessler erzählt über einen Hund als Erben,über die Polizei, die bei der Einsatzfahrt geblitzt wird, über einen Spielsüchtigen, der eine Bank bei seinem Wohnhaus überfallen und das Geld bei der gleichen Bank wieder einbezahlt hat. Auch damals medienwirksame Fälle werden geschildert: Der Bancomat- Knacker, Strebels Feuergefecht mit der Polizei, die Handwerker-Forderungen aus dem Mythenspiel oder die bizarre Geschichte mit dem vergrabenen Auto.

Typisch Kessler

An der Vernissage betonte Laudator Sergio Giacomini, dass das Buch «typisch Kessler» sei, weil es mit Herzblut und Begeisterung geschrieben worden sei. Kessler selber betonte, dass er, der keine Bücher liest, niemals gedacht hätte, dass er eines schreiben würde. Es bleibe aber garantiert sein erstes, einziges und letztes. Zudem wäre das Buch nicht entstanden, wenn nicht Verleger Hugo Triner und Cartoonist Jals immer wieder gedrängt hätten.

Freiwillige Beiträge

So speziell diese Reminiszenzen sind, so speziell ist der «Kauf». Das Buch ist gratis zu haben, zählt aber auf die Solidarität der Leser. Jedermann kann einen freiwilligen Betrag auf das Konto des Vereins einzahlen, der von Kessler gegründet worden ist und in Laos direkt Hilfsprojekte realisiert: Schulhäuser, Wasserversorgungen, Abfallentsorgungen und Sport. Damit verscheucht Kessler auch jegliche Spuren von Selbstbeweihräucherung, die vielleicht einige riechen könnten.

«Es gid nüd, wo’s nid gid»
Alois Kessler

ISBN 978-3-908572-52-7

Erhältlich bei:

Triner Verlag
Postfach 64
6431 Schwyz
www.triner.ch
oder
www.laos-hilfe.ch

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

11.12.2010

Webcode

www.schwyzkultur.ch/QBXZdQ