Die Initianten Roger Bürgler (links) und Reto Wehrli (mit dem Buch «Die Welt in Ingoldau» in der Hand) beim Inglin-Brunnen in Schwyz. Bild: Flurina Valsecchi
Die Initianten Roger Bürgler (links) und Reto Wehrli (mit dem Buch «Die Welt in Ingoldau» in der Hand) beim Inglin-Brunnen in Schwyz. Bild: Flurina Valsecchi

Literatur

Literaturfest: Viel Prominenz ehrt den bekannten Schwyzer Autor

Vor 100 Jahren schrieb Meinrad Inglin «Die Welt in Ingoldau» – rund um dieses Werk sind in Schwyz nun über 20 Anlässe geplant.

Die Idee, an Meinrad Inglin mit einem grossen Literaturfest zu erinnern, hatte Reto Wehrli schon länger. Jetzt hat er das Projekt angepackt. Und obwohl bereits vergangenes Jahr mehrere Veranstaltungen anlässlich des 50. Todesjahres Inglins stattfanden, liess sich Wehrli nicht von seinen Plänen abhalten. «Ich wollte keine Gedenkfeier, sondern lieber eines seiner Werke zum Anlass nehmen.» Und so rief er fürs aktuelle Jahr 2022 das Schwyzer Literaturfest – 100 Jahre «Die Welt in Ingoldau» – ins Leben. Wehrli stellt fest: «Inglin wird in den Schulen nicht mehr gelesen.» Er möchte nun verhindern, dass der Schriftsteller in Vergessenheit gerät. Denn es gebe in seinen Werken viel über die Schwyzer Kultur- und Gesellschaftsgeschichte zu erfahren. Unter dem Titel Schwyzer Literaturfest hat Wehrli einen Verein gegründet und sein Netzwerk aktiviert. Entstanden ist ein Programm mit über 20 verschiedenen Veranstaltungen mit bekannten Mitwirkenden. Mit im Organisationsteam ist als künstlerischer Leiter Roger Bürgler. Wehrli betont: «Alles soll fachlich belegt und gleichzeitig verständlich und lesbar sein. Die Beschäftigung mit Inglin soll Freude bereiten.»

Die Inglin-Tage im September bilden den Höhepunkt


Das Programm präsentiert sich wie ein grosser Rundumschlag. «Es ist ebenso umfassend wie ambitioniert», sagt Bürgler. Der Auftakt bildet am 27. Mai in der Schwyzer Kantonsbibliothek eine Buchvernissage. Das Werk «Die Welt in Ingoldau» wird anlässlich des 100- Jahr-Jubiläums in seiner Originalfassung von 1922 neu aufgelegt. Den Höhepunkt bilden dann im Herbst die Inglin-Tage, welche übers Wochenende vom 22. bis zum 25. September stattfinden. Dabei werden sich Prominente, wie der Schweizer Schriftsteller Thomas Hürlimann oder der Literaturkritiker und Autor Stefan Zweifel, mit Inglin auseinandersetzen. Extra anreisen wird auch der Regisseur und Oscar-Preisträger Xavier Koller, der mit den beiden Inglin-Verfilmungen «Das gefrorene Herz» und «Der schwarze Tanner» seine Karriere lancierte. Beatrice von Matt, Literaturwissenschaftlerin und Inglin- Biografin, ist als Referentin präsent. Und schliesslich wird sich die Dirigentin und Musikerin Graziella Contratto von der musikalischen Seite her dem Schriftsteller annähern. Hintergrund: Inglins Gattin Bettina Inglin- Zweifel war Violinistin, aus dieser Liebesbeziehung gingen Hunderte von Briefen hervor.

Schauspieler Philippe Schuler tritt als Inglin auf


Immer wieder wird auch der Schauspieler Philippe Schuler auftreten, er wird in die Rolle von Meinrad Inglin schlüpfen. Während der erwähnten Inglin-Tage soll der Figur am 24. September der Prozess gemacht werden. Im Rathaus in Schwyz ist eine improvisierte Gerichtsverhandlung mit Anklage wegen Ehrverletzung geplant. Auch die Jugend soll mit Inglins Texten in Berührung kommen: Der Verein Schwyzer Literaturfest hat 6000 Exemplare von der Kurzgeschichte «Der Lebhag» drucken lassen. Das SJW-Heft (Schweizerisches Jugendschriftenwerk) wird von den Primarschülerinnen und -schülern in der Gemeinde Schwyz gelesen. Zugleich werden die Kinder am 28. Mai im Kollegi-Garten einen Lebhag pflanzen. Wie viele Besucherinnen und Besucher insgesamt erwartet werden, können die Veranstalter derzeit noch nicht abschätzen. Initiator Wehrli blickt gedanklich bereits in die Zukunft, gerne möchte er alle zwei Jahre ein solches Literaturfest durchführen und jeweils einen anderen Autor in den Fokus nehmen.

Das Buch hat einen Skandal ausgelöst


Das Werk «Die Welt in Ingoldau » wurde vor 100 Jahren publiziert. Dieses Erstlingswerk machte den Schwyzer Schriftsteller Meinrad Inglin (1893- 1971) auf einen Schlag berühmt. Fortan gehörte er zu den bedeutendsten Schweizer Autoren und wurde für seine Werke mehrfach ausgezeichnet. Die Schwyzerinnen und Schwyzer hatten stets ein zwiespältiges Verhältnis zu ihrem berühmten Zeitgenossen. Das Werk gibt einen sozio-psychologischen Querschnitt durch die Welt einer Innerschweizer Dorfgemeinschaft um 1900. Die Bewohnenden standen im Clinch zwischen Tradition und Moderne. Zu viele bekannte Personen und Familien erkannten sich mit all ihren Lastern und Schwächen. Das Buch löste einen Skandal aus, Inglin wurde zur Persona non grata. Der Autor starb 1971 im Alter von 78 Jahren.

Bote der Urschweiz / Flurina Valsecchi

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

06.05.2022

Webcode

www.schwyzkultur.ch/UqCZRD