Rahel Landolt: Zum Auftakt des Abends spielte sie ungewohnte Klänge. Bild Tobias von Rickenbach
Rahel Landolt: Zum Auftakt des Abends spielte sie ungewohnte Klänge. Bild Tobias von Rickenbach

Musik

Geigenklänge für die Ärmsten

Die BürgergesellschaftVolkshochschule Schwyz lud am Donnerstag zu einem «indischen Abend» mit Musik: Rahel Landolt erzählte von ihren Erlebnissen als Geigenlehrerin am Fusse des Himalaya.

In einen Sari gehüllt, erzählte Landolt von ihren persönlichen Eindrücken und streute hie und da eine amüsante Anekdote ein. Im Vordergrund des Vortrags standen viele Fotos und Filme. Auch die Musik kam nicht zu kurz.

Englisch, Disziplin und Musik

Ein Freiwilligeneinsatz führte die junge Rickenbächlerin ab August 2010 für mehr als zehn Monate nach Kalimpong im indischen Bundesstaat Westbengalen. Kalimpong sei mit 40 000 Einwohnern für indische Verhältnisse eine verschlafene Kleinstadt, erklärte Landolt. Das Ziel der Geigenspielerin war die Gandhi Ashram School am Fusse des Himalaya. Die 1994 gegründete Jesuitenschule ermöglicht den 250 Ärmsten der Armen in der Umgebung Unterricht und Mahlzeiten vom Kindergarten bis zur achten Klasse. Auf dem Schulgelände ist nur Englisch erlaubt, obwohl die Kinder Nepali als Muttersprache haben. So zeigte Landolt zu Beginn ein Video von der morgendlichen Schulversammlung, wo gemeinsam das «Vaterunser» und die indische Nationalhymne gesungen wurden. Dabei sind gerade mal 40 Schüler Christen. Neben Englisch und dem Fokus auf Disziplin wird an der Schule viel Wert auf Musik gelegt. Hier kam Landolt ins Spiel, die kurz vor ihrem Volontariat am Fusse des Himalaya den Master in Musik-Pädagogik abgeschlossen und bereits viel Violinenunterricht gegeben hatte.

Klima nicht für Geigen geeignet

«Die Musik durchdringt an der Schule alles», erklärte die Geigenlehrerin. Die Geigen gehörten zur Schule dazu, Geigen würden aber leider nicht in dieses Klima gehören. So hielt der Geigenleim auf Wasserbasis oft nicht, und die Instrumente fielen auseinander, was der schuleigenen Werkstatt viel Arbeit bescherte. Landolts Hauptaufgabe war die musikalische Früherziehung. Die dazu gezeigten Videos erweckten den Eindruck, dass der Musikunterricht in Kalimpong gar nicht so anders ist als jener in der Schweiz. Daneben gab Landolt Instrumentalunterricht. Ihr persönlicher Höhepunkt war aber wohl das grosse Orchesterprogramm mit klassischen Stücken, welches sie gemeinsam mit den Schülern anlässlich eines Benefizkonzertes für Fukushima in der Stadthalle von Kalimpong geben konnte.

Ein Einkommen ermöglichen

Das konsequente Englischsprechen und die Musik haben laut Landolt ihren Sinn: Auch arme Schüler erhalten so später teilweise ein Studium oder ein Einkommen durch Musikunterricht. Schliesslich endete der indische Abend so, wie er angefangen hatte: Rahel Landolt spielte auf ihrer Violine.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

02.06.2012

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schwyzkultur.ch/rWRkBy