Tussi-Gehabe: Gekonnt schlüpften drei der jüngsten Sängerinnen vom Bernheart Chor in die Rollen von koketten Damen. (Bild: Nadja Tratschin)
Tussi-Gehabe: Gekonnt schlüpften drei der jüngsten Sängerinnen vom Bernheart Chor in die Rollen von koketten Damen. (Bild: Nadja Tratschin)
Musikalische Carfahrten: Die beiden Solisten Nicole Zimmermann (links im Bild) und Daniel Arnold sangen bereits auf der ersten Carfahrt nach Kreuzlingen zusammen. (Bild: Nadja Tratschin)
Musikalische Carfahrten: Die beiden Solisten Nicole Zimmermann (links im Bild) und Daniel Arnold sangen bereits auf der ersten Carfahrt nach Kreuzlingen zusammen. (Bild: Nadja Tratschin)

Musik

Kampf der Chöre: Singen bewirkt Wunder

Das vierte «Kampf der Chöre»-Weekend ist passé. Auch diesmal schaffte der Bernheart Chor den Sprung in die nächste Runde. Nur noch eine Sendung trennt sie vom Finale in der Kreuzlinger Bodensee Arena am Sonntag, 28. November.

Chorleiter Padi Bernhard und alle 20 Sängerinnen und Sänger glauben daran, dass sie es schaffen, bis am Schluss für ihre Fans auf der Bühne singen zu dürfen.

«Pa, pa, da, da, da, daaa, da»

Das sind nicht etwa die neusten Einsingübungen vom Bernheart Chor. Nein, so ertönt am Montagmorgen um 06.30 Uhr der Wecker bei einer der Chorsängerinnen. Müde, aber überglücklich denkt sie als Erstes: «Nein, es ist kein Traum. Der Bernheart Chor sang und tanzte sich in die Ohren des Publikums und eroberte ein viertes Mal ihre Herzen.» Als Jugendlicher gewann Chorleiter Patrick Bernhard an der Fasnacht den ersten Preis als Elvis in einem selbst geschneiderten Kostüm. Danach träumte er erst recht davon, einmal als Elvis Presley auf der Bühne zu stehen. Mit der Aufführung dieses Songs erfüllte sich Padi Bernhard seinen Kindheitstraum. «Somebody to love» von Queen folgte als zweite Nummer. Mit ihr rockte der Bernheart Chor die Bodensee Arena. Sogar von der Bühne aus waren offene Münder und erstaunte Gesichter erkennbar. Der Zwischenapplaus für die Soloparts von Janice Mettler und Gloria Amstad sprach für sich. Die Begeisterung war überall spürbar. Ein Bernheart-Chor-Fan meinte sogar: «Willhelm Tell ist Geschichte, ihr seid unsere neuen Helden.»

Professionelle Zusammenarbeit

Wie aber ist solch eine Leistung in so kurzer Zeit überhaupt möglich? Ganz einfach und doch nicht selbstverständlich. Die Zusammenarbeit mit Patrick Bernhard als Chorleiter und Christoph Tschudi als Co-Chorleiter ist absolut professionell. Alle geben Vollgas, auch wenn der eine oder die andere zwischendurch an Grenzen stösst. Unter der Woche wird inzwischen offiziell drei Mal geprobt, und zwar während drei Stunden am Dienstag-, Mittwoch- und Donnerstagabend. Hinzu kommen die Proben in der Bodensee Arena. Am Samstag sind dies jeweils die kalten (ohne Kostüm, Frisur und Schminke) und heissen Proben, am Sonntag die Proben für die Opener Songs und die Generalprobe, in der alles einmal 1:1 durchgespielt wird. Zwischendurch müssen immer die Kostüme gewechselt und bereits die Kleider für die folgende Sendung anprobiert werden. Nebst den Proben auf der Bühne finden immer individuelle Chorproben statt, in denen einzelne Parts nochmals gesungen oder Choreos und Schauspielszenen geübt werden. Samstags gibt es immer wieder längere Wartepausen, in denen Uno gespielt oder von Fans gemachter Kuchen gegessen wird. In dieser stresslosen Zeit taucht bei fast allen die Frage auf, warum mussten wir denn bereits um 06.30 Uhr losfahren. Am Sonntag geht es aber Schlag auf Schlag. Pausen gibt es nur noch auf dem WC, beim Händewaschen und nach den Showacts, wenn man auf der Bühne steht und mit schlotternden Knien auf die Entscheidung wartet. Das ist der schlimmste Augenblick. Der schönste ist, wenn man sich fünf Minuten stehlen und die Zähne putzen kann.

Grosse Unterstützung

Im Bernheart Chor setzt sich jeder für jeden ein. Das geht so weit, dass eine Sängerin für eine Schauspielszene sogar ihren Ehering einer anderen Sängerin ausgeliehen hat, damit sie bei der Elvis- Nummer eine Verlobungsszene spielen konnte. Viele kleine Wunder geschehen auch bei den Fans. Nicht nur der Kanton Schwyz unterstützt den Bernheart Chor. Im Kanton Wallis zum Beispiel starten die Verwandten einer Sängerin jeden Sonntagabend ein Kettentelefon. Vor der Bodensee Arena verteilt Türsteher Assaad Hatoum Bernheart-Chor-Flyer, und Carchauffeur Dobrica Jeremic will mit dem Bernheart Chor bis ins Finale nach Kreuzlingen fahren. Jeder setzt seine Fähigkeiten dort ein, wo er kann. Dazu zählt nicht nur das Singen allein. Denn das können alle 20 Chormitglieder. Wie sonst wäre es möglich, dass bis am Schluss jede und jeder Einzelne ein Solo übernehmen könnte. Melanie Gossweiler studiert die Choreografien ein, Marc-André Delavoie betreut die choreigene Facebookseite, und Hedi Weber, welche von sich selber sagt, dass sie mit den Choreos etwas Mühe habe, stellt ihr Büro als Sing- und Tanzproberaum zur Verfügung und übt mit ein paar

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

16.11.2010

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schwyzkultur.ch/8YSX5U