Ein Werkbeitrag ermöglichte es dem Bratschisten Cyrill Greter, sich nach Spanien zurückzuziehen, um seine erste grosse Komposition für Sinfonie-Orchester zu schreiben und sich an der Musikhochschule von Granada weiterzubilden. Bilder: Janine Andermatt/Jey Tavernaro
Ein Werkbeitrag ermöglichte es dem Bratschisten Cyrill Greter, sich nach Spanien zurückzuziehen, um seine erste grosse Komposition für Sinfonie-Orchester zu schreiben und sich an der Musikhochschule von Granada weiterzubilden. Bilder: Janine Andermatt/Jey Tavernaro
Ein Werkbeitrag ermöglichte es dem Bratschisten Cyrill Greter, sich in eine der typischen Höhlenwohnungen von Benalúa de Guadix (Bild) zurückzuziehen, um seine erste grosse Komposition für Sinfonie-Orchester zu schreiben und sich an der Musikhochschule von Granada weiterzubilden. Bilder: Janine Andermatt/Jey Tavernaro
Ein Werkbeitrag ermöglichte es dem Bratschisten Cyrill Greter, sich in eine der typischen Höhlenwohnungen von Benalúa de Guadix (Bild) zurückzuziehen, um seine erste grosse Komposition für Sinfonie-Orchester zu schreiben und sich an der Musikhochschule von Granada weiterzubilden. Bilder: Janine Andermatt/Jey Tavernaro

Musik

Orchester-Werk in Höhle komponiert

Ein Werkbeitrag ermöglichte es dem Schwyzer Bratschisten Cyrill Greter, während eines halbjährigen Spanienaufenthalts ein Werk für Sinfonie-Orchester zu komponieren. Am Wochenende wird «The Dark Tower» uraufgeführt.

Nadine Annen Am Wochenende präsentiert das Sinfonie- Orchester «Wood and Metal Connection» aus Einsiedeln mit Musikern aus dem ganzen Kanton Schwyz sein neustes Programm «Viola Rocks!». Speziell auf diese Konzerte freut sich Cyrill Greter. Der Bratschist tritt nicht nur als Solist auf, sondern zeichnet auch als Komponist für zwei Stücke verantwortlich, die aufgeführt werden. «Ignis» ist ein bestehendes Stück, welches der Schwyzer für seine Projekte «Rock Viola» und «Kulturschock» geschrieben und nun für die WMC orchestriert hat. Das Herzstück der bevorstehenden Konzerte «The Dark Tower» (siehe Box) ist hingegen ein Auftragswerk für die WMC. Es ist die erste grössere Komposition aus der Feder von Cyrill Greter, die dank eines Werkbeitrags des Kantons Schwyz überhaupt zustande kam. Dieser ermöglichte es dem 36-jährigen Musiker nämlich, sich von Mitte September 2017 bis Mitte Mai 2018 für ein halbes Jahr nach Spanien zurückzuziehen, um sich weiterzubilden und die Stücke zu komponieren. «Durfte die erste Probe dirigieren und war richtig geflasht» «Das ist ein super Privileg», zeigt sich Greter dankbar. Der Bratschist hatte bisher nur kleinere Stücke komponiert und wusste deshalb, als die Anfrage für diese Auftragskompositon kam, dass er neben viel Zeit auch Hilfe brauchen wird. So war ein Lehrer, bei welchem Greter in seinem Erasmus-Jahr an der Musikhochschule in Granada Improvisations-Unterricht hatte auch der Hauptgrund, dass er für diese Arbeit erneut nach Spanien wollte. «Schon damals war mir klar, dass ich einmal bei José López-Montes Kompositionsunterricht nehmen möchte», erzählt Greter. In regelmässigen Privatstunden besprach Greter mit López-Montes seine Arbeit und ein bis zwei Mal pro Woche durfte er als Gasthörer an Vorlesungen zu Harmonielehre für Komponisten, Mathematik für Musiker und Improvisation teilnehmen. Greter wohnte während seines Spanienaufenthalts in Benalúa de Guadix rund 60 km von Granada entfernt. Das Dorf ist bekannt für seine Höhlenwohnungen in der aus Lehm und Tonstein geformten Hügellandschaft. Eine solche Höhlenwohnung hat ihm López-Montes, der selbst dort wohnt, vermitteln können. Obwohl Greter seine Komposition mit Computerprogrammen simulieren konnte, sei es wie auf Wolke sieben zu schweben, wenn man zum ersten Mal ein Orchester sein Stück spielen hört: «Ich durfte die erste Probe auch selber dirigieren und war richtig geflasht», schwärmt der Musiker. Auch wenn nicht alles hundertprozentig umsetzbar gewesen sei, klinge es weitgehend so, wie er sich das vorgestellt hatte. Ein grosser Vorteil sei sicher auch, dass sich die WMC gewohnt sei, diese Art von Musik zu spielen. «Bei einem klassischen Orchester wäre das vermutlich herausfordernder gewesen», sagt der Komponist. Gemeinsam mit dem Orchester und der Dirigentin Susanne Theiler hat er in den letzten Wochen den Stücken noch den letzten Feinschliff verpasst.


«Nur zu komponieren, wäre mir zu einsam»


Das Komponieren ist für Cyrill Greter eine willkommene Abwechslung. «Ausschliesslich zu komponieren, wäre mir aber zu einsam», erklärt der Schwyzer. «Nach zwei Monaten habe ich gemerkt, dass mir der Stimulus durch das gemeinsame Musizieren mit anderen fehlt.» Der erste Monat in Spanien sei der beste gewesen: «Ich war überglücklich, dass ich endlich genug Zeit hatte, mich einer Komposition zu widmen.» Nur nebenbei funktioniere das nämlich schlecht: «Wenn man nicht mindestens zwei Stunden Zeit hat, braucht man gar nicht erst anzufangen. Beim Komponieren vergeht die Zeit wie im Flug.» Greters Traum wäre es deshalb, wenn er sich ab und zu für spezielle Projekte intensiv Zeit zum Komponieren nehmen könne. Aber auch für seine Arbeit als Berufsmusiker und Musiklehrer habe ihm diese sechsmonatige Komponiererfahrung viel gebracht: «Es ist eine extreme Bereicherung und ich habe viel über Komposition und Orchestrierung gelernt.»


Leitmotive sind inspiriert von Fantasy-Büchern


Die Orchester-Komposition ist inspiriert von der Bücher-Reihe «The Dark Tower» von Stephen King. «Diese Bücher habe ich vor 15 Jahren schon entdeckt und war vor allem von den ersten vier sehr fasziniert», begründet der Filmmusikfan diese Wahl. So habe er sich schliesslich nochmal in die Bücher vertieft und sich überlegt, welche der Szenen er vertonen möchte.


Werk in fünf Sätzen mit heroischem Abspann


«Ich habe Melodien und Klangideen gesammelt und angefangen, Leitmotive zu definieren.» Dabei habe er viel mehr Ideen gehabt, als er hätte umsetzen können, und er musste schliesslich eine Auswahl treffen. Entstanden ist ein Werk mit fünf Sätzen, teils lose inspiriert, teils mit textnahem Bezug zur Buchvorlage. Der fünfte und letzte Satz sei wie eine Art Filmabspann, in welchem alle Themen noch einmal aufgegriffen werden und der einen heroischen Abschluss findet.


Melodien in eine grosse Form zu bringen, war das Schwierigste


Das Komponieren eines so grossen Werkes für Orchester stellte Greter vor neue Herausforderungen, wie zum Beispiel das Orchestrieren – also das Umschreiben des Stücks für die einzelnen Stimmen und Instrumente. Die grösste Herausforderung sei jedoch gewesen, die einzelnen Melodien über viele Takte hinweg fortzuspinnen: «Etwas vom Schwierigsten war, die Melodien musikalisch so weiterzuentwickeln, dass daraus eine grosse Form entsteht», resümiert Greter. Da sei er auch froh gewesen um die Inputs von José López-Montes. «Immer wenn ich ihm etwas gezeigt habe, hat er verstanden, was ich will, und mir Möglichkeiten aufgezeigt, ohne sich aufzudrängen.»


Bote der Urschweiz / nad

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

15.06.2018

Webcode

schwyzkultur.ch/M16aCU