Die Schwyzer Solistin: Gabriela Bürgler, Sopran (links im Bild), an der Uraufführung der «Gesänge auf den Frieden». Bild Silvia Camenzind
Die Schwyzer Solistin: Gabriela Bürgler, Sopran (links im Bild), an der Uraufführung der «Gesänge auf den Frieden». Bild Silvia Camenzind

Musik

Römers musikalisches Grossereignis

Die Uraufführung des Oratoriums «Gesänge auf den Frieden » in der Pfarrkirche Schwyz darf als ein musikalisches Grossereignis bezeichnet werden. Dies gleich in der doppelten Bedeutung des Wortes.

Gross war das konzertierende Aufgebot mit dem Chor «Audite nova Zug», dem Konzertchor der Musikschule Zug samt einem eigenen Kinderchor, ferner das Orchester der «Zuger Sinfonietta», dazu die prominenten Solisten Gabriela Bürgler (Sopran), Marc-Olivier Oetterli und Markus Volpert (beide Bariton) unter der Leitung von Johannes Meister. Gross war aber auch die Anlage wie die thematische Durchführung des erstmals vollständig aufgeführten Werks, das sich mit dem Frieden, einem der schwierigsten Probleme der Menschheitsgeschichte, auseinandersetzt.

Frieden stets neu finden

Das schreckliche Attentat im Zuger Rathaus kann man auch nach zehn Jahren nicht vergessen. Aber die zeitliche Distanz schenkte vielen Menschen die Möglichkeit, zu jener geistig- seelischen Disposition vorzustossen, die den eigentlichen Gegenpol zu Gewalt, Brutalität und Rechtsbruch bildet. Es ist dies der Friede, der nie garantiert, sondern der stets neu gefunden werden muss. Diese Voraussetzungen sind wichtig, weil sie wesentlich zum Verständnis des Aufbaus wie der Durchführung des Werks von Patrick Martignoni (Text) und Hansjörg Römer (Musik) beitragen.

Folgerichtig ein Oratorium

Wir erwähnen die Textvorgabe Martignonis deshalb an erster Stelle, weil sich Römers Komposition auffallend genau an ihr orientiert, um sich dann – gleichsam innerlich abgesichert – frei zu entfalten. An nicht wenigen Stellen ist es ein eigentliches Erblühen, ohne sich je im bloss Gemüthaften aufzuhalten. Die «Gesänge auf den Frieden» werden denn auch folgerichtig als «Oratorium» bezeichnet, und sie erfüllen, angefangen mit den chorischen Einsätzen, den solistisch besetzten Partien, vom Rezitativ bis zur informativen Rede sämtliche Ansprüche, die man an diese hohe, ja feierliche Gattung stellt. Diese Offenheit erlaubt es, die Friedensthematik nicht auf ein einzelnes Ereignis zu fokussieren. Von Zug und dem schrecklichen Attentat ist nirgends die Rede. Dafür werden gleich im ersten Choreinsatz die Nationen und mit ihnen die ganze bevölkerte Welt angesprochen.

Grosse Vielfalt

Sie finden mit Propheten des Alten Testaments, mit Bruder Klaus, Luther, Gandhi, mit Schamanen und Nuklearforschern zu jener Sprache, von der her allein die Menschheitssehnsucht nach Frieden ihre Ausdrucksmöglichkeiten findet. Das Gleiche gilt von den Konfessionen. Mit den drei monotheistischen Religionen der Juden, Christen und Moslems werden auch asiatische Friedensvisionen gegenübergestellt. Diese Vielfalt ermöglicht es, sich von der Statik einer reinen Friedensthematik zu befreien.Anderseits konnte die Gefahr der Wiederholung des bereits Gehörten oder Gesagten nicht ganz gebannt werden. Hansjörg Römers Komposition überzeugte vor allem durch ihre geradezu spontane Direktheit und erreichte vor allem in der Durchmischung der Klangfarben ihre wesentlichen, unverwechselbaren Höhepunkte. Die ausgezeichnet disponierten Chöre mit ihrer Intonationssicherheit und perfekten Aussprache, das sich wunderbar integrierende Orchester, die hervorragenden Solisten Gabriela Bürgler, Marc-Olivier Oetterli und Markus Volpert, alles unter der mitreissend begeisternden Leitung von Johannes Meister, liessen das Konzert zur viel bejubelten, mit Standing Ovations beklatschten Uraufführung werden.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

04.10.2011

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