Tim Kleinert über seine Musik: «Mit Hilfe der Elektronik kann ich Stimmungen erzeugen, die etwas Sphärisches an sich haben.» Bild Claudia Hiestand
Tim Kleinert über seine Musik: «Mit Hilfe der Elektronik kann ich Stimmungen erzeugen, die etwas Sphärisches an sich haben.» Bild Claudia Hiestand

Musik

Tim Kleinert: «Sie ist das, was ich bin»

Der Wollerauer Jazzpianist und Synthesizerspieler Tim Kleinert hat seinen ersten Tonträger veröffentlicht. Das Werk ist Ausdruck seiner Genialität.

Tim Kleinert liebt die Berge. Wenn er auf dem Bös Fulen, dem höchsten Berg im Kanton Schwyz, steht und sich die Weite vor ihm ausbreitet, inspiriert ihn das. Mehr als alles andere. Dann hört er in seinem Kopf Melodien. Tim Kleinert ist nicht nur Berggänger. Er ist auch Grenzgänger. Weil er sich schon in Kinderjahren zwei völlig verschiedenen musikalischen Stilen verschrieben hat: dem Jazz und der elektronischen Musik. Auf seiner ersten CD, die den Titel «Free Passage to Now» trägt, vereint er diese beiden musikalischen Welten miteinander. «Ich war immer überzeugt davon, dass es, so unterschiedlich sie auch sind, Berührungspunkte zwischen diesen zwei Welten geben musste», sagt er. Gesucht hat er diese schon lange. Sein Diplomkonzert vor zwölf Jahren an der Jazzschule in Bern war nichts anderes als eine erste öffentliche Präsentation dieser Suche. Angetrieben von der positiven Resonanz, verfolgte Kleinert seinen Ansatz weiter. Er entwickelte, wie er selbst sagt, eine neue musikalische Sprache, eine neue Spieltechnik.

Seiner Zeit voraus

Tim Kleinert ist Perfektionist. Anders lässt sich nicht erklären, weshalb mehr als zehn Jahre verstrichen sind, ehe er endlich seinen ersten Tonträger veröffentlicht. «Das Projekt hat in mir gegärt», sagt er. «Ich habe es nie aus den Augen verloren.» Doch mal war es die fehlende Zeit, mal die nagenden Selbstzweifel, die ihn am Weitermachen hinderten. Etwas Halbpatziges zu kreieren, kam für Kleinert nicht in Frage. Es musste alles passen: «In der Musik bin ich kompromisslos und knallhart.» Tim Kleinert ist seiner Zeit voraus. «Im Grunde habe ich nichts Neues erfunden», sagt er. «Elektronischen Jazz gab es schon in den 1980er-Jahren. Das Spezielle und Seltene an meiner Musik ist, dass ich den Synthesizer als Hauptinstrument verwende.» Es gibt auf der Welt nur eine Handvoll Musiker, die das tun. Die meisten von ihnen verwenden digitale Synthesizer. Kleinert analoge. Auf dem Nord-Modular-G2-System ist er die weltweit unbestrittene Nummer eins. Tim Kleinert ist ein Idealist. Er will die Elektronik «spiritualisieren». Weil viel Missbrauch mit ihr betrieben worden sei. «Es gab viele geschmackliche Entgleisungen», findet Kleinert. «Das hat die elektronische Musik in Verruf gebracht. Ich hingegen empfinde es als meine Verantwortung, die Technologie der heutigen Zeit für künstlerischerbauliche Zwecke zu nutzen und das Beste aus ihr herauszuholen.»

Ein Ego-Trip

Tim Kleinert polarisiert. «Meine Musik gefällt oder gefällt nicht. Mir ist das egal. Es ist die Musik, die ich machen will. Im Grunde ist die CD ein Ego-Trip. Sie ist das, was ich bin. Sie widerspiegelt mein Lebensgefühl.» Tim Kleinert ist ambitioniert. Er arbeitet bereits am nächsten Tonträger. Er soll noch eigenständiger sein. Frei von fremden Einflüssen. «Dadurch wird die Musik noch abgefahrener, noch enigmatischer», sagt er.

Kleine Konzertreihe geplant

Tim Kleinert hat sämtliche Stücke von «Free Passage to Now» selbst geschrieben. Weil er kein passendes Label fand, hat er kurzerhand selber eines gegründet und bringt die CD in Eigenregie heraus. Sie kann nur im Internet unter www.cede.ch erworben werden. Im nächsten Sommer plant Kleinert eine kleine Konzertreihe durch die Schweiz, um sein Album vorzustellen. Er beabsichtigt, auch in Ausserschwyz aufzutreten.

March-Anzeiger und Höfner Volksblatt

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

21.10.2010

Webcode

schwyzkultur.ch/k1amvU