Die in Schwyz aufgewachsene Dirigentin Graziella Contratto wird mit dem Kultur-Anerkennungspreis des Kantons Schwyz geehrt.
Die in Schwyz aufgewachsene Dirigentin Graziella Contratto wird mit dem Kultur-Anerkennungspreis des Kantons Schwyz geehrt.

Musik

Vielseitig in dichter Ausdruckskraft

Die Vorbereitungsarbeiten zum Konzert vom 14. Oktober mit Graziella Contratto laufen. Und da zeigt sich immer mehr eine Wahlverwandtschaft der Schwyzer Dirigentin mit Artur Schnabel, dem grossen Musiker aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Zufall? Graziella Contratto dirigiert ein Konzert zum Gedenken an Artur Schnabel. Nach Zufall könnte das riechen, nach einem gesuchten sogar, denkt man dabei nur an Schwyz. Artur Schnabel ist in Schwyz begraben, weil ihm der idyllische Friedhof im Bifang zusagte; Graziella Contratto liebt das Dorf Schwyz, weil sie hier aufgewachsen ist.

Musik als Ausdruck

Doch darf man mehr Verbindendes sehen. Artur Schnabel hat immer wieder betont: Musik gleicht einer Sprache. Wie unser Reden kommt sie aus unseren Lebensbedürfnissen. Zudem kann sie ja durchaus eingreifen in unsere Gesellschaft. Ihre geschichtliche Wirkmacht ist belegt, war nicht selten sogar gefürchtet.

Ausdruckskraft und Lebenszusammenhang:

Diese beiden Merkmale gelten auch für die Musik der Dirigentin Graziella Contratto. Das mag mit ihren vielfältigen Tätigkeiten zusammenhängen. Bevor sie dirigierte, war sie Konzertpianistin, dann auch Kammermusikerin und Dozentin für Musikgeschichte sowie Harmonielehre auf Ebene Musikhochschule. Zudem gibt sie, man höre und staune, Kurse für Manager. Und es ist ja wahr: Die Führung eines Orchesters und die Führung eines Betriebs – kann das so grundverschieden sein?

Vielseitige Vernetzung

Nicht nur Sprache, auch Musik ist für Graziella Contratto eine Form von Kommunikation. Darum holt sie in ihren Dirigaten höchste Ausdruckskraft aus der Musik, nicht zuletzt in unerwarteten Übergängen oder Tonverbindungen. Darum auch stellt sie innerhalb ihrer Programme spannende Bezüge her, nicht nur zwischen den Musikstücken, sondern auch zwischen der Musik und anderen Ausdrucksformen. So können denn ihre Musikaufführungen zusammengehen mit schauspielerischen oder überhaupt literarischen Darbietungen, mit architektonischen Gegebenheiten wie zum Beispiel dem römischen Theater in Avenches, auch mit Tanz oder Film. Vielleicht ist dank dieser Vielseitigkeit ihre internationale Ausstrahlung immer deutlicher. Jedenfalls findet sie für ihre Verbindung von Ausdrucksformen jeweils ebenfalls international berühmte Künstler. Viele Schwyzer erinnern sich etwa an den unvergesslichen Abend, als sie in Brunnen einmalig brillant Mozart dirigierte. Und kein Geringerer als Bruno Ganz las aus Briefen Mozarts. Auch ihre Zusammenarbeit mit Ursus&Nadeschkin wurde schweizweit gerühmt. Glanzvolles, Ausdrucksstarkes eben, gewinnt sie freilich vor allem der Musik selber ab. Sie hat das bewiesen an den Spitzen internationaler Orchester, zum Teil als erste Frau notabene. Längere Zeit arbeitete sie als Assistentin an der Berliner Philharmonie.

Wahlverwandtschaft?

Mit diesem Orchester zusammen hatte Artur Schnabel schon vor 100 Jahren sowohl eigene als auch klassische oder romantische Klavierkonzerte gespielt. Entscheidend dabei: Er prägte mit seinenAuftritten und Kompositionen jene Tradition eines dichten musikalischen Ausdrucks, der auch für Graziella Contrattos Generation ein wichtiges künstlerisches Prinzip bildet. Und so hat sie denn für den 14. Oktober Stücke erkoren, die von Artur Schnabels dichter Ausdruckskunst zeugen, Stücke von anderen Komponisten aber auch, die für Schnabels Schaffen wichtig waren. Für das Verständnis der Musikgeschichte Bedeutsames wird also zu hören sein.

Mit Busoni, Schubert und Mahler

Neben eigentlichen Schnabel-Kompositionen hat Contratto den Komponisten Busoni gewählt, der für Schnabel eine «überragende Gestalt» war. Auch ein Trio von Schubert wird gegeben, jenem Komponisten, den Schnabel in vieler Hinsicht überhaupt erst fürs 20. Jahrhundert entdeckt hat. Und Mahler auch: Was für eine reizvoll entrückte Stimmung von dessen Musik ausgeht. Reizvolle Entrückung: Sie gefiel auch Schnabel, sie wird auch die Zuhörer am 14. Oktober im MythenForum umgarnen.

Am 14. Oktober wird Graziella Contratto den
Kultur-Anerkennungspreis 2009 des Kantons
Schwyz bekommen.

Vorverkauf:

Sparkasse Schwyz
Hauptplatz 3
je 14 bis 16 Uhr
Tel. 041 819 02 13

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

23.09.2009

Webcode

schwyzkultur.ch/5SSwqC