Sie wollen Klassik in die Clubs bringen und so jungen Menschen näherbringen: Severin Suter, Lydia Opilik, Raphaela Reichlin und Cyrill Greter musizierten schon vor Jahren als Klassikformation Mythen-Quartett zusammen. Bild Nicole Auf der Maur
Sie wollen Klassik in die Clubs bringen und so jungen Menschen näherbringen: Severin Suter, Lydia Opilik, Raphaela Reichlin und Cyrill Greter musizierten schon vor Jahren als Klassikformation Mythen-Quartett zusammen. Bild Nicole Auf der Maur

Musik

Wenn Klassik zu Rockmusik wird

Kulturschock in Schwyz: Vier junge Musikschaffende wollen Klassik in den Club und die Bar bringen sowie mit Rock und Ländler verbinden.

Gesittetes Benehmen, Apéro-Häppchen aus Kaviar, Klatschen im richtigen Moment, stundenlanges Sitzen inmitten einer unbequemen Konzertbestuhlung. So stellt sich manch einer einen klassischen Konzertabend vor. Jedes Räuspern im Saal ist zu viel, von der Materie versteht man eh null, und der Komponist des vorgetragenen Werkes ist schon seit geraumer Zeit tot. Mit all diesen Klischees und Hemmschwellen möchte eine junge Gruppe von Klassik-Musikern aus Schwyz aufräumen. Und man möchte zeigen, was man kann. «Manchmal ist es nämlich echt schwierig zu erklären, was wir als Musiker genau machen», meint Cellist Severin Suter. Deswegen bringen Severin Suter (Cello), Raphaela Reichlin (Geige, Klavier), Cyrill Greter (Bratsche) und Lydia Opilik (Geige, Operngesang) klassische Musik in Clubs und Bars. Dorthin, wo die Jungen ausgehen, sich am Wochenende normalerweise zu DJ-Tönen vergnügen.

Fliessende Übergänge

Das Projekt Kulturschock besteht aus zehn Konzertabenden inklusive After- Show-Party. Diese finden abwechslungsweise im «Mystery» und im Hirschen Pub in Schwyz statt (siehe Box). An den einzelnen Abenden werden klassische Kammermusikformationen auftreten. Am Ende wird jeweils ein DJ in die Konzerte einwirken. So entsteht ein fliessender Übergang zur After- Show-Party mit DJ oder Bands. Oder es ist möglich, dass eine klassische Formation am Schluss apocalypticamässig spielt, sodass in Rock übergegangen werden kann. Sozusagen von Barock zu Rock. Einmal ist auch ein Aufeinanderstossen von Klassik und Ländlermusik geplant. «Die neue Volksmusik beinhaltet auch viele klassische Elemente», meint Severin Suter, der neben seinen klassischen Engagements bei der Ländlergruppe Rämschfädra spielt. Volksmusik-Exponenten wie Dani Häusler verstehen es schon seit Längerem, Musikrichtungen zu mischen und so eine neue Richtung in der Volksmusik entstehen zu lassen. «Wir wollen dies im klassischen Bereich schaffen», sagt Cyrill Greter.

Klassik populärmachen

Die Kulturschockgruppe möchte die klassische Musik populär machen, unters Volk bringen. «Wir möchten jungen Menschen zeigen, dass die Klassik nicht weit von unserer heutigen Unterhaltungsmusik entfernt ist und dort auch ihre Ursprünge findet», sagt Lydia Opilik, «die Klassik war früher auch Unterhaltungsmusik.» Wenn die vier Musiker vom allerersten Konzertabend des «Kulturschocks» sprechen, leuchten ihre Augen: «Wir möchten den Besuchern ein Konzert der Superlative bieten, 15 Streicher und viele weitere Überraschungen werden für eine musikalische Explosion sorgen », sagen sie. Und eines ist sicher: Stillsitzen muss niemand, klatschen zum richtigen Zeitpunkt gibts nicht. Jeder soll tun und lassen, was er will; auch mitschreien und tanzen.

Der Kulturschock SCHWYZ

Am 19. September findet der erste von zehn Konzertabenden der Reihe Kulturschock statt. Die Premiere im «Mystery» soll eine musikalische Explosion darstellen. Sie soll die Kraft und Passion der Musiker vom Talkessel Schwyz widerspiegeln. Das professionelle Streichorchester wird geleitet vom Bratschisten und Organisationsmitglied Cyrill Greter. Nach dem Konzert wird zu den Sounds von DJ und Live-Act Küchenjunge getanzt. Kulturschock findet ab September jeden Monat einmal statt – abwechslungsweise im Hirschen Pub und im «Mystery» in Schwyz. Der Eintritt ist frei (Türkollekte). Das Projekt wird aus Sponsorengeldern finanziert. Ausserdem erhielt es den Förderpreis von Migros Kulturprozent.

Infos
www.kulturschockschwyz.ch

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

10.09.2014

Webcode

schwyzkultur.ch/ZNkdRJ