Brauchtum / Feste
Mysteriöse Fasnachtsmasken entdeckt
Es könnten sehr alte Blätz- oder Rölli-Masken aus Drahtgaze sein.
Unsere Fasnacht wird zwar jedes Jahr aktuell mit voller Hingabe gefeiert. Die Historie der Fasnacht sorgt aber auch immer wieder für Überraschungen und Staunen. Wie jetzt, als auf dem Markt zwei merkwürdige Drahtlarven aufgetaucht und für eine private Sammlung gesichert worden sind, welche an den Innerschwyzer Blätz oder den Ausserschwyzer Rölli erinnern. Die beiden Masken sind aus feiner Drahtgaze hergestellt worden. Die eine ist 20 Zentimeter hoch und 13 Zentimeter breit, die andere ist gleich hoch, aber mit 11 Zentimetern Breite etwas schmäler. Beide Masken sind als Erwachsener tragbar, die kleinere ist eher für ein Frauengesicht. Die Qualität beider Masken lässt auf eine professionelle Herstellung schliessen. Die Drahtgaze ist sehr gekonnt, ohne Verletzungen des filigranen Gitters, der Gesichtsform angepasst. Die schwierig herzustellenden Randabschlüsse sind aus Metall gefertigt und perfekt ausgeführt. Innen weisen die Masken ein Futter aus Stoff auf, das am Kinn und auf der Wangenseite als dünne Polsterung dient.
Ist es eine alte Blätz-Maske?
Interessant ist die Bemalung. Beide Masken sind hautfarben grundiert und weisen eine individuelle Bemalung mit blauen Augen, einem roten Mund und einem grossen schwarzen Schnauz auf. Die Ähnlichkeit zur Maske des Blätz liegt auf der Hand. Einzig, dass der Schnauz im Vergleich zu den bekannten heutigen Wachsmasken eindeutig grösser aufgemalt ist und stark nach oben ausschwingt. Jedoch fehlt beiden Masken ein Loch in der Mitte des aufgemalten Munds. Was es den Trägern verunmöglicht hätte, mit einem «Röhrli » den offerierten Weisswein zu trinken. Da die beiden Masken in Siebnen aufgetaucht sind, könnte auch eine Nähe zur in Ausserschwyz variabel auftretenden Figur des Rölli vermutet werden. Gerade das am Kinn aufgemalte Grübchen der einen Maske könnte auf diesen Bezug verweisen. Andererseits fehlt diesen Drahtlarven die zum Rölli gehörende Biedermeier-Brille, auch sind keine Zähne aufgemalt. Die Herkunft der beiden Masken ist nicht bekannt. Ebenso wenig das Alter. Vermutungen gehen dahin, dass die beiden Masken mit dem starken Aufkommen des Maskenbrauchtums in unserer Region einen Zusammenhang haben könnten. Ein Alter von 100 oder mehr Jahren ist anzunehmen. Schon ab 1880 wurden zum Beispiel in Thüringen Drahtgazelarven serienmässig hergestellt. Über Kataloge wurden die Masken in fast ganz Europa angeboten und haben so sicher auch ihren Weg in den Kanton Schwyz gefunden.
Älteste Schwyzer Maske aus dem Muotatal
Die ältesten erhalten gebliebenen Masken der Zentralschweiz finden sich in Luzern. Im Eigentum der Zunft zu Safran befinden sich zwei Masken des Fritschi- Paars aus dem Jahre 1762. Sie sind von Bildhauer Friedrich Schäfer aus Pappmaché hergestellt worden. Als älteste Maske aus dem Kanton Schwyz gilt eine sehr merkwürdige Holzmaske aus dem Muotatal. Sie stammt aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Merkwürdig ist sie vor allem wegen ihres verzerrten Gesichtsausdrucks und weil sie auf der Stirn eine Münze trägt, die offenbar einen Riss zusammenhalten sollte. Weiter sind aus dem 19. Jahrhundert zwölf Groteskmasken bekannt, die sich in Schwyz befinden und eine unbekannte Herkunft haben.
Drahtmasken haben Tradition
Interessant ist, dass Masken aus Drahtgaze durchaus noch an etlichen Orten in der schwäbisch-alemannischen Fasnacht zu finden sind. Das Schnitzwiib in Radolfzell, die Urzeln in Sachsenheim, der Schlüsselnarr und der Plätzler in Weingarten oder die sehr bekannten Schleicher in Telfs im Tirol tragen alle Drahtlarven. In der Schweiz gehören Drahtgazelarven zur Ausstattung der Röllelibutzen in Altstätten, der Fosli in Siebnen und Reichenburg und der Goldmäuder in Einsiedeln. Die Masken aus Drahtgaze zeichnen sich dadurch aus, dass sie das Gesicht darunter unkenntlich machen, obwohl die Mimik teilweise durchscheinen kann. Zudem sind die Masken sehr
leicht, gestatten dem Träger einen sehr guten Blick nach aussen und sind bezüglich Atmen sehr angenehm.
Bote der Urschweiz / Josias Clavadetscher
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Bote der Urschweiz
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- Brauchtum / Feste
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