Etwa die Hälfte der Originalgwändli in der Schwyzer Maskengarderobe hat Marco Helbling genäht. Bild Nadine Annen
Etwa die Hälfte der Originalgwändli in der Schwyzer Maskengarderobe hat Marco Helbling genäht. Bild Nadine Annen

Volkskultur

«Bis zu 8000 FrankenamKörper»

In bis zu 150 Arbeitsstunden werden rund 3000 Franken Material verarbeitet: Der Blätz ist die Hauptfigur der Originalmasken – und gleichzeitig die aufwendigste und teuerste.

Beim Auftritt derMaschgraden der traditionellen Schwyzer, Brunner und Steiner Fasnacht muss jedesDetail stimmen. Die «Originalgwändli», wie die traditionellen Masken genannt werden,werden nach genauen Vorgaben genäht. Wobei jeder Ort seine Eigenheiten hat. Allen gemeinsam ist aber der riesige Zeit- und Kostenaufwand. Einer, der sich bestens damit auskennt, ist Marco Helbling. Der Schwyzer näht seit bald 20 Jahren alle Gwändli der Maskengarderobe der Schwyzer Nüssler. Um die 180 Originalfiguren und die sogenannten Randfiguren hat er schon für die Garderobe genäht – ausschliesslich für die Garderobe, wie er erklärt. «Das ist ein ungeschriebenesGesetz», sagt er. Nicht einmal für sich selber hat er eines genäht: «Ich miete meine Gwändli in der Garderobe wie jeder andere auch», lacht er. Die Unterschiede von den Garderobengwändli zu selber genähten seien riesig, wenn auch für den Laien nicht sofort ersichtlich. So seien zum Beispiel die aufgenähten Punkte beim Garderobenblätz kleiner als bei den meisten der selbst genähten. Und auch die Materialien, für die Helbling zum Teil auf der ganzen Welt auf die Suche geht, machen den Unterschied aus.«Die Vorhangfränseli für den Zigeuner werden so, wie wir sie in der Garderobe verwenden, nur noch in den USA produziert», erklärt Helbling. Der Aufwand für die verschiedenen Gwändli ist sehr unterschiedlich. «Einen Zigeuner hat man relativ schnell genäht, so in 35 bis 40 Arbeitsstunden», erklärt Helbling. Am aufwendigsten sei der Blätz, für welchen er 120 bis 150 Arbeitsstunden brauche.

Material für mehrere Tausend Franken

Auch die Materialkosten sind sehr unterschiedlich. «Beim Zigeuner kommt man mit 350 bis 450 Franken durch, je nach Stoff, den man auswählt. Der Blätz kommt hingegen auf 2500 bis 3000 Franken reine Materialkosten», schätzt der Fasnächtler. Alleine die 21 Jackenzötteli kosten 630 Franken, der Schellengurt 1000 bis 1200. Ein Gwändli in der Garderobe halte etwa 20 Jahre durch, dann sei es hinüber, erzählt Helbling. Eigene würden hingegen oft ein Leben lang halten. «Zum eigenen Gwändli trägt man mehr Sorge, weil man weiss, was dahintersteckt», vermutet er. Viele junge Maschgraden hingegen seien sich nicht bewusst, dass sie mit einem Blätz bis zu 8000 Franken – so viel Wert haben Material und Arbeitsstunden – am Körper tragen.

Das Nähen hat er sich selber beigebracht

Die Rott an der Fasnacht zu sehen, ist für Helbling, der rund 350 Stunden im Jahr an denGwändli näht, sehr eindrücklich. «Am Ersten Fasnachtstag waren etwa 90 Prozent der Gwändli von mir, das war schon unglaublich», schwärmt er. Das Nähen hat sich der gelernte Koch und Kellner,der mit seinem Partner ein Gourmet-Restaurant in Gurtnellen führt, selber beigebracht. «Ich habe viel von meinen Grosseltern, die beide Schneider waren, und von meiner Mutter abgeschaut», erzählt er. «Mit 12-jährig habe ich angefangen, die Nähmaschine meiner Mutter kaputt zu machen», lacht der 41-Jährige. Das Know-how zum Nähen der Originalgwändli hat er von seiner Vorgängerin Lisi Kälin, die über 30 Jahre lang die Gwändli für die Garderobe genäht hat. «Ich hatte das Glück, dass Lisi noch gelebt hat und ich sie vieles fragen konnte. Und immer, wenn ich ein Gwändli mache, ist sie fest in meinen Gedanken, und ich überlege mir, wie sie das wohl gemacht hätte.»

Bote der Urschweiz (Nadine Annen)

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Brauchtum / Feste

Publiziert am

04.02.2017

Webcode

schwyzkultur.ch/93eVXD