Brunner Blätz in blau-rot: Bild Nüsslergesellschaft Brunnen Ingenbohl
Brunner Blätz in blau-rot: Bild Nüsslergesellschaft Brunnen Ingenbohl
Schwyzer Blätz mit dem unverkennbaren Tannen-Besen
Schwyzer Blätz mit dem unverkennbaren Tannen-Besen

Volkskultur

Der Blätz ist ein farbenfroher Geselle

Der Blätz ist nicht überall der gleiche Blätz. Sein Kostüm gibt es in zahllosen Variationen, sogar weit über Schwyz hinaus.

Der Blätz, die Hauptfigur der Strassenfasnacht in Innerschwyz, ist ein Abkömmling des Arlecchino aus der italienischen Commedia dell¤Arte, der berühmten Stegreifkomödie. Von diesem Urahn her stammt das aus Stoffflecken, aus bunten Flicken, zusammengesetzte Gewand. Tatsächlich war vor 150 Jahren noch gar nicht vom Blätz die Rede, sondern von «neuverfertigten sogenannten Plätzlikleidern», die 1859 Dominik Steiner in Schwyz zur Vermietung angeboten hat. Wobei auch in der heutigen Umgangssprache ein «Blätz» immer noch als Stofflappen, Flicken und Fetzen verstanden wird. Aber noch lange nicht ist ein heutiger Blätz überall der gleiche Blätz. Abgesehen davon, dass sich das Kostüm bis heute stark stilisiert hat, sind über all die Jahrzehnte hinweg verschiedenste Verzierungen und Ausschmückungen dazugekommen. Inbesondere wird in den Farben variiert, die an Krapfen erinnernden Rauten werden unterschiedlich geordnet aufgenäht, die Rosetten oder Punkte werden nach Gutdünken platziert. So kommen Blätz-Kostüme zustande, die eher einfach und schlicht wirken, andere üppig und fast überladen.

Vom Arlecchino her

Charakteristisch im ursprünglichen Arlecchino-Kostüm sind die Farben Rot, Grüngelb und Blau verwendet worden. Diese haben sich in vielen der Blätz- Kostüme bis heute erhalten. Sehr markant sind die Farben Rot und Blau vor allem in Schwyz. Wobei die rote Farbe vom Wappenrot bis zum dunklen Weinrot variieren kann. Daneben findet man in der Fasnachtsrott in Steinen aber auch schwarze und graue Farben, in Schwyz auch grüne. Wie der Schwyzer Fasnachtskenner Walter «Wädi» Nideröst erklärte, ist sogar die Theorie überliefert, dass vier der Farben auf dem Blätz die vier Jahreszeiten symbolisieren sollen: Grau für den Winter, Gelb für den Frühling, Rot für den Sommer und Braun für den Herbst.

Rosetten als Erkennungszeichen

Unterschiedlich gefertigt sind auch die ebenfalls wie die Rauten aus Filz ausgestanzten Rosetten, mit denen die Blätz-Kostüme verziert werden. Da derartige Stanzeisen meist generell verwendet worden sind, lassen sich die Rosetten gut unterscheiden. In Schwyz weisen die Rosetten meist acht Blätter auf, in Brunnen sechs, in Steinen fünf. Einzelobjekte sind ein Blätz in Brunnen mit quadratischen statt rautenförmigen Aufnähern, ein Blätz in Schwyz mit einem kleeblattähnlichen Muster und ein ausgesprochen exotischer Blätz im Hauptort, der aus lauter grünen Schulterpatten der Schwyzer Bataillone besteht. Schaut man über die Grenzen, so ist der Blätz noch mit zahllosen ähnlichen Figuren der schwäbisch-alemannischen Fasnacht verwandet: mit den Röllenen in der March und im Sarganserland, dem Drapoling in Uri, den Blätzle-, Blätzli-, Räppli-, Hansele- und Narrenkleidern in Basel und im Schwarzwald.

Harlekin

Die Geburtsstunde des Harlekins ist natürlich nicht bekannt. Die Herkunft dieser Kunstfigur liegt im Dunkeln. Es gibt aber verschiedene Theorien. Die am häufigsten genannte geht davon aus, dass der Arlecchino, eben der Harlekin oder – auf Schwyzerdeutsch Harligingg –, mit der Dämonenschar zu tun hat, wie sie aus dem 11. Jahrhundert von Chronisten überliefert worden ist. Nach dieser Sage soll in den dunklen zwölf Nächten zwischen Weihnachten und Dreikönige das Woutis- Heer sein wildes Unwesen getrieben haben. Diese Dämonen wurden als Harlekin-Leute bezeichnet, angeführt von Haroliking. Diese Ursprungstheorie reicht also bis in den germanischen Sagenkreis zurück. Der erste belegte Bühnenauftritt eines Harlekins fand 1262 in Frankreich statt, ein «Narrenbeisser» in einem dämonischen Kostüm. Diese teuflischen Züge sind bis heute charakteristisch geblieben für diese Figur: Der Blätz, als Ururneffe des Arlecchino, sollte sich durch exzentrische Körperbewegungen, wildes Springen, naive Fröhlichkeit und das bunte Flickenkleid auszeichnen. Ihre grosse Verbreitung hat die Figur des Harlekins ab dem 16. Jahrhundert durch die Commedia dell¤Arte gefunden. Zuerst waren Venedig und Neapel Hochburgen für diese Art von Stegreiftheater, im 18.

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Brauchtum / Feste

Publiziert am

09.02.2016

Webcode

schwyzkultur.ch/a5sHwR