Anina Zehnder ist selber begeisterte Chlefelerin: «Einige Rhythmen haben Begleitsprüche – eine Gedächtnisstütze, damit man sich die Reihenfolge der Sequenzen besser merken kann.» (Bild: Franz Steinegger)
Anina Zehnder ist selber begeisterte Chlefelerin: «Einige Rhythmen haben Begleitsprüche – eine Gedächtnisstütze, damit man sich die Reihenfolge der Sequenzen besser merken kann.» (Bild: Franz Steinegger)

Volkskultur

«Ein Ausgleich zur Globalisierung»

Anina Zehnder hat die Maturaarbeit über das Chlefelen geschrieben. Entstanden ist gleichzeitig auch eine Anleitung, wie man das Spiel mit den Hölzli lernt. Der Schwyzer Brauch ist heute bei Kindern wieder sehr beliebt.

Sie «chlefeled» seit ihrer Kindergartenzeit und hat für das «Priis-Chlefele» mit ihren Schulfreundinnen auch eigene Interpretationen der «Mülleri» und des Ordonnanzmarsches einstudiert. «Das Verändern und Neu-Erfinden der Rhythmen war für uns immer wieder eine spannende Herausforderung», erinnert sich Anina Zehnder aus Schwyz. Sie war sieben Mal an diesem Wettbewerb eine Woche vor Karfreitag dabei, «eine Teilnahme war fast ein Muss, denn in unserem Quartier wurde überall ‹chlefeled›.»

Heute geben Mädchen den Ton an

Das Spiel mit den Hölzchen hat sie nie mehr richtig losgelassen. Jetzt hat die 18-Jährige ihre Maturaarbeit am Theresianum Ingenbohl über das Chlefelen geschrieben. Darin stellt sie die vier gebräuchlichen Chlefelisorten vor, die sich vor allem im Verlauf der «Kopflinie» der Hölzer unterscheiden. Als Material geeignet ist Hartholz; beschrieben wird, wie sie in den Händen gehalten werden. Einen gewaltigen Aufschwung erlebte der Brauch durch das vom Schokoladen-Fabrikanten Max Felchlin initiierte Priis-Chlefelen ab 1964. Zwischendurch verschwand das Klapperspiel auf den Pausenplätzen fast gänzlich, bis es durch grosse Anstrengungen wieder belebt werden konnte. Bis in die 1970er-Jahre waren die Buben die tragenden Säulen, heute sind es die Mädchen. Auch hat sich die Spieltechnik erweitert und vervielfältigt. «Heute spielen fast alle Teilnehmer beidhändig. Viele Chlefeligruppen studieren eigene, fantasievolle Choreographien ein», hält Anina Zehnder in ihrer Arbeit fest. «Einige Rhythmen haben Begleitsprüche – eine Gedächtnisstütze, damit man sich die Reihenfolge der Sequenzen besser merken kann.»

Chlefeli-Herkunft liegt im Dunkeln

Über die Herkunft der Klapperinstrumente* gibt es keine einheitliche Meinung: War es eine Siechenklapper, mit der Aussätzige auf ihre Krankheit aufmerksam machen mussten? Wurden sie von Südeuropa importiert? Faszinierten die Hölzli durch ihre einfache Form und Handhabung? Stehen sie in einem kirchlichen Zusammenhang, da sie nur in der Fastenzeit gespielt (richtig wäre: «geschlagen») werden? Eine interessante Entdeckung machte der Volkskundler Viktor Weibel. Er sah 1999 in Santiago de Compostela, am Ziel des Jakobsweges, in einem Museum zur Volkskunst zwei Paar Chlefeli ausgestellt, die den unsrigen frappant glichen. Weibel schliesst nicht aus, dass sie über diesen westeuropäischen Kulturweg von Galicien (Nordspanien) über Südfrankreich in den Norden fanden.

«D Mülleri hed si hed»

Aufwendig an der Maturaarbeit war vor allem das Erarbeiten des praktischen Teils. Anina Zehnder hat mit 32 Zweitklässlern einen Chlefelikurs absolviert. Ziel war es, in acht Sequenzen zu je 15 Minuten den Kindern das Chlefelen beizubringen. Der Erfolg stellte sich tatsächlich ein, weil die meisten Kinder bis zum Schluss begeistert mitmachten. Alle konnten nach Ende des Crashkurses «Mülleri» («D Mülleri hed si hed») spielen. Beim Ordonnanzmarsch («Schwyzer Chlefelimarsch») waren zumindest gute Ansätze vorhanden. Abgerundet wird die Maturaarbeit durch vier Interviews mit Brauchtumskennern. Auf die Frage, wie wichtig das Chlefele als Bestandteil des Brauchtums sei, antwortet Musiklehrer Melchior Ulrich: «In der heutigen Zeit der Globalisierung werden die kleinstrukturierten regionalen Eigenheiten an Bedeutung zunehmen.» Keine schlechte Prognose für die Zukunft der Chlefeli.

Lehrgang fürs Chlefelen

Mit der Maturaarbeit – welche für Anina Zehnder nach der Präsentation am 20. Februar im Theri Ingenbohl in ein «sehr gut» mündete – entstand ein kleines Handbuch, in dem aufgezeigt wird, wie das Chlefelen erlernt werden kann. Die Autorin kann dabei auf ihre theoretischen Grundlagen und die mit den Zweitklässlern gemachten Erfahrungen zurückgreifen. Beschrieben werden in verdichteter Form die Handhabung, die Schlagarten und Übungen mit den Chlefeli – vom Schlag bis zum Wirbel, mit Übungsvarianten. In einer von ihr auf Computerzeichen umgeschriebenen Rhythmus-Sprache werden die beiden hauptsächlichen Chlefeli-Rhythmen –

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Brauchtum / Feste

Publiziert am

28.02.2013

Webcode

schwyzkultur.ch/t5ffp1