Schwyzer Fasnachtsgebäck: Die «Chüechli» und «Chrapfen» haben nicht nur in der kulinarischen Geschichte ihren festen Platz gefunden, sondern sie schafften es schon im 16./17. Jh in die Liste obrigkeitlicher Verbote. Bild Hans Steinegger
Schwyzer Fasnachtsgebäck: Die «Chüechli» und «Chrapfen» haben nicht nur in der kulinarischen Geschichte ihren festen Platz gefunden, sondern sie schafften es schon im 16./17. Jh in die Liste obrigkeitlicher Verbote. Bild Hans Steinegger

Volkskultur

Gebäcke wie «Chüechli» und «Chrapfen» waren einst sogar verboten

Das Backen, Schenken und Verkaufen der Schwyzer Gebäcke «Chüechli » und «Chrapfen» wurde vor über 400 Jahren und später wiederholt durch obrigkeitliche Erlasse unter Busse verboten.

Die Fasnacht kennt im Kanton Schwyz noch eine Vielzahl traditioneller Gebäcke, die vorerst nur in der Hausküche, später dann auch in der Dorfbäckerei hergestellt wurden. Je nach Region und Ort tragen die Spezialitäten bis heute ihre teils unverwechselbaren Namen: Kösi- und Zigerchrapfen, Fasnachts- Chüechli, Eier(r)öhrli, Schenkeli, Bohnen, Maschgerade- und Hudi-Chräpfli, Narrenböcke und Leutsche-Fischli, um nur einige zu nennen. Geschichte geschrieben haben jedoch vor allem die «Küechli» und «Krapfen», und zwar schon vor über 400 Jahren – damals erstaunlicherweise unter dem Siegel obrigkeitlicher Verbote und Bussen.

Genuss und Enthaltsamkeit

Tatsächlich bot im damals noch strengen Rhythmus des Kirchenjahres die Fas(t)nacht – die Nacht vor den Fasten – die letzte Gelegenheit, sich vor der gebotenen vierzigtägigen «Enthaltsamkeit » noch einmal reichlich leiblichen Genüssen hinzugeben. Darüber hinaus rief das Fastengebot geradezu nach letztmöglicher Verwertung aller Lebensmittel, die ab Aschermittwoch nicht mehr verspeist werden durften: vom Fleisch über Schmalz und Käse bis zu Milch, Butter, Rahm und Eiern. Nicht umsonst nennt man knapp eine Woche vor Fastenbeginn den Donnerstag noch heute den «Schmutzigen». Denn Schmutz steht hier für nichts anderes als für Fett, genauer Schweineschmalz. Es ist dies ein unverkennbarer Hinweis dafür, dass nochmals sehr ausgiebig «fette Speisen» genossen wurden. Und mit «Güdelmändig» und «Güdelziischtig » wird ja im Wortsinn sogar nachgedoppelt, indem man an diesem Tag letztmals vor der Fastenzeit übermässig den «Güdel» füllte – das heisst den Magen oder eben den Bauch vollstopfte. Ein altes Sprichwort lautet denn auch treffend: «Üsi Chue gid Niidle, e ganze Chübel voll; am Morge chund dr Schniider und frisst de Güdel voll.»

Brauch des «Chüechlischenkens»

Ein kurzer Blick in die kulinarische Geschichte zeigt, dass die «Chüechli» tatsächlich zu den ältesten und populärsten Süssspeisen zählen. So ist beispielsweise bei den Ägyptern im Fett schwimmendes Gebäck schon 1200 Jahre vor Christus in Bildern belegt. Und in der Schweizer Namenskunde finden sich nahezu 40 Begriffe rund um das beliebte Backwerk – von «Chüechlipfanne » und «Chüechlischmutz» über «Chüechlisunntig» und «Chüechlistube» bis «Chüechlisingen» oder «Chüechlisfasnacht ». Unser nationales und auch schwyzerisches «Chüechli» geht quellenmässig ins 16. Jahrhundert zurück, als es noch Brauch war, sich zur Fasnachtszeit gegenseitig Gebackenes zu schenken. Namentlich ist überliefert, wie in der Nacht junge Männer beim «Frauenvolk» Backwaren abholten, ab und zu unverfänglich umschrieben mit «Chüechli und Chrapfen reichen». Denn offenbar waren mit diesen Hausbesuchen nicht selten (auch) andere Absichten verbunden. Und in der Tat führte dieser Brauch mitunter zu argen Auswüchsen. So sollen die allseits beliebten Süssgebäcke auch im Lande Schwyz zum Stein des Anstosses geworden sein, was verschiedene historische Quellen belegen.

Verbote und Bussen

Das darf insofern nicht überraschen, als Ausgelassenheit, Tumulte und Ungebührlichkeiten seit jeher wiederkehrende Begleiterscheinungen des fasnächtlichen Treibens waren. Obrigkeitliche Erlasse sollten diesem Überschwang Einhalt gebieten, betreffe es nun das überbordende Tanzen und Maskengehen oder das feiste Essen und unmässige Trinken. Was das «Chüechli»-Verbot betrifft, sind dazu in den Ratsprotokollen zwischen 1591 und 1610 gleich mehrere Beschlüsse zu finden, teils sogar mit Verweis auf frühere Satzungen: So verbietet etwa 1591 der Rat in Schwyz jedermann das «Kuechli- und Krapfenholen » und überall das «Auswirten von Küchli und Krapfen», und zwar «bei 5 Pfund Busse». Nur ein Jahr später wird bei gleich hoher Busse das Verbot, «Küechli und Krapfen zu machen», wiederholt. 1596 heisst es erneut wörtlich: «Krapfen und Küechli zu reichen wird verboten wie von alters her». Dieses «Küechli- und Krapfenreichen» wird auch 1605 nochmals bei alter Busse untersagt. Die genauen Daten wie die Formulieru

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Brauchtum / Feste

Publiziert am

05.02.2014

Webcode

schwyzkultur.ch/ZQLq34