«Mein Grossvater war der bekannte ‹Rees›»: Rita Betschart, die Enkelin von Rees Gwerder, will weiterhin das Erbe ihres Grossvaters pflegen. Bild Bruno Facchin
«Mein Grossvater war der bekannte ‹Rees›»: Rita Betschart, die Enkelin von Rees Gwerder, will weiterhin das Erbe ihres Grossvaters pflegen. Bild Bruno Facchin

Volkskultur

In den Fussstapfen von Grossvater Rees

In diesem Jahr könnte Rees Gwerder seinen hundertsten Geburtstag feiern. Der Kulturverein der Gemeinde Arth widmet ihm den Abend im Anschluss an die heurige Generalversammlung. Seine Enkelin Rita Betschart erzählte dem «Boten» über ihren berühmten Grossvater.

Rita Betschart aus Lauerz hat einen berühmten Grossvater. Rees Gwerder («Eigeler»), der Pionier mit dem Schwyzerörgeli, hat ihr zudem auch Musikunterricht gegeben. Sie wusste uns einiges über ihren berühmten Grossvater zu erzählen. Rita Betschart spielt seit ihrem dritten Lebensjahr Schwyzerörgeli und ist heute mit der Kapelle «Trio Urmusig» mit Thomas Bellmont und Martin Brun unterwegs.

Rees Gwerder als Mensch

«Grossdädy war ein typischer Bergler mit einem eigenen, trockenen Humor», weiss Rita Betschart zu erzählen. Er habe wenig grosse Sprüche geklopft, aber dennoch immer wieder mit knappen und überraschenden Antworten aufgewartet. Er habe mit den Enkeln gejasst und gespielt wie wahrscheinlich jeder andere Grossvater auch. Seine Markenzeichen «ä Chrummi, äs Pfiffeli oder än Schnupf» seien aber unverkennbar gewesen. «Dass er berühmt war, habe ich als Kind nicht so richtig realisiert.» Immerhin aber sei sie von ihm sehr beeindruckt gewesen, weil er eben so schöne Musik spielen konnte. Erst später habe sie wirklich realisiert, dass Rees sein Leben lang sehr viel an sich gearbeitet habe.

Musik in Urform erhalten

Mit etwa drei Jahren begann Rita Betschart auf Grossvaters Örgeli zu spielen, und da sei so etwas wie eine Bindung und Entwicklung entstanden. Für Rita waren die Stunden, in welchen Rees Jugendliche unterrichtete, der Einstieg «als Zaungast» in dieVolksmusik. Sowohl Rees als auch Rita haben die Notenschrift nie erlernt, und «alles, was gespielt wurde, fand über das Gehör statt», erinnert sie sich. Rees habe ihr immer wieder vorgespielt und sie geduldig korrigiert. Die ersten Stücke, welche Rita spielen konnte, waren der «Schwyzerjuuz » und der «Lappitanz».

Legt Wert auf Urform

Mit grossem Stolz spielte Rees anlässlich seines 70. Geburtstages mit der damals 5-jährigen Rita und Siti- Domini am Bass erstmals in der Öffentlichkeit. Heute legt Rita Betschart grossen Wert darauf, dass die Musik von Rees Gwerder auch in ihrer Urform erhalten bleibt. Mit der 18-bässigen B-Orgel und der 60-bässigen «Halbwiener» pflegt Rita Betschart heute das Erbe von Rees Gwerder.

Rees Gwerder war Wegbereiter der Volksmusik

Rees Gwerder (1911–1998) war und ist noch heute einer der bekanntesten Schwyzerörgeler aus dem Muotatal. Rees Gwerder verbrachte seine Kindheit im Sommer auf der Alp «Eigeli » (daraus entstand der Zuname «Eigeler») im Bisisthal und im Winter im Bergheimet seiner Familie im Hürithal. Im Jahr 1945 heiratete er und zog nach Arth auf den kleinen Landwirtschaftsbetrieb «Gengigerberg». Im Jahr 1974 übergab er das Heimet an die jüngere Generation, und in der Folge widmete er sich vor allem seinen Musikauftritten und dem Schwyzerörgeli-Unterricht. Der junge Rees machte seine ersten Versuche auf Vaters sechsbässigem Örgeli und löste damit wenig Begeisterung aus. Als Rees mit seiner Virtuosität seinen Vater eingeholt hatte, kam dann auch die väterliche Akzeptanz.

Mit 15 Jahren breites Repertoire

Bereits mit 15 Jahren spielte Rees aus einem breiten Repertoire von überlieferten Tänzen.Vorbilder hatte er im Muotatal genug, doch es war der Zürcher Ländlermusiker Thomas Marthaler, der Rees für die breite Öffentlichkeit entdeckte und in den Sechzigerjahren ins Tonstudio zu Plattenaufnahmen brachte.

Auslandauftritte

Als «Eigeler-Musik» wurden seine Kompositionen bekannt, und es folgten schweizweit unzählige Auftritte und später sogar solche in Deutschland, Frankreich und in den USA. Mit zahlreichen namhaften Koryphäen der Volksmusik kamen in den späteren Jahren auch Fernsehauftritte hinzu. Rees Gwerder war ein Vorbild und «Vererber» der urchigen Schwyzerörgelimusik aus dem Muotatal. Zu seinen besten Schülern zählt unter anderem seine Enkelin Rita Betschart, die heute in Lauerz lebt.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Brauchtum / Feste

Publiziert am

16.03.2011

Webcode

schwyzkultur.ch/ZYLs1b