Die Proben für das Fasnachtsspiel wurden diese Woche unter Regisseur Urs Küng (rechts) aufgenommen. Bild: pd
Die Proben für das Fasnachtsspiel wurden diese Woche unter Regisseur Urs Küng (rechts) aufgenommen. Bild: pd

Volkskultur

Japanesen als Verein noch nicht gerettet

Das Fasnachtsspiel 2019 der Japanesen hat Fahrt aufgenommen. Die Japanesengesellschaft selber aber schlingert immer noch. In drei Monaten will man an der GV die Lösung haben.

Als vor bald zwei Jahren der frühere Spielpräsident Toni Dettling zur Rettung der japanesischen Fasnachtstradition angetreten ist, hat er die Ausgangslage absolut richtig analysiert. Er machte sich als erstes an die Wiederbelebung der Spieltradition und dann erst an die Rettung des Vereins. Das hat geklappt, denn das Fasnachtsspiel der Schwyzer Japanesen für 2019 ist bestens auf Kurs. Das OK unter der Leitung von Karl Schönbächler ist begeistert an der Arbeit, der Text liegt vor, ist näher beim Publikum und geht nun in die Inszenierung. Diese Woche haben die Proben begonnen.


Schonungslose Selbstkritik geübt


Der Zug auf der zweiten Schiene jedoch stottert immer noch, der Verein schlingert nach wie vor. Sogar im Umfeld des neuen Spiels wird schonungslos Selbstkritik geübt. Dass 2017 nicht einmal mehr eine Reichsversammlung als GV durchgeführt werden konnte, wird als «Bankrotterklärung» bezeichnet. Der Verein könne zwar eine grosse Spieltradition vorweisen, «leider aber ohne jeglichen Reformwillen». Es fehle der Nachwuchs, es fehle der «närrische Humor», es fehle die Motivation, und es fehle die Vision. Und wenn jetzt die Spiele wieder Fahrt aufgenommen haben, so sei dies «jenseits der Mandarinen und des patriarchalen Stehkragenumfelds», wird ironisch angemerkt.


Toni Dettling jedoch ist als Leiter der solitär geführten Findungs- und Rettungskommission weiterhin an der Arbeit. Zum damals gefassten Grundauftrag gehöre nämlich, dass auch der Verein wieder zum Fasnachtsleben zurückfinde, erklärte Dettling. Er gehe davon aus, dass das neue Fasnachtsspiel den Boden vorbereiten werde, damit der Verein sich wieder auffangen könne. Denn letztlich brauche es eine Trägerschaft, wenn man die Kernaufgabe der Japanesen, die Durchführung von Freiluft-Fasnachtsspielen im Winter, weiterhin erfüllen wolle. Dieser Spielauftrag sei letztlich Sinn und Zweck der japanesischen Tradition, neben der Förderung des Fasnachtsbrauchtums generell. Auch verwies Dettling auf das vorhandene Vereinsvermögen. Aus früheren Spielen stehen Reserven von 170000 Franken zur Verfügung. Aber auch Legate und Spenden haben dazu beigetragen. Das verpflichte.


Statuten statt eine «Staatsverfassung»


Die Wiedergeburt des Vereins setzt gemäss Dettling aber auch voraus, dass neue Statuten errichtet und beschlossen werden. Sie sollen die bisherige «Staatsverfassung» ablösen. Diese ist zwar 1992 nochmals leicht revidiert worden, stammt im Kern aber aus dem Jahre 1962 und ist damit stark japanesisch geprägt. Da jetzt nicht mehr von Japanesenspielen, sondern von einem Fasnachtsspiel der Japanesen gesprochen wird, stimmen viele Vorgaben darum nicht mehr. Dettling schmunzelt, dass der Begriff «Staatsverfassung» zwar attraktiv töne, aber mit dem höfischen Zierrat nicht mehr in die Zeit passe.


Zudem schreibt die Verfassung vor, dass jedes Jahr ein neuer Hesonusode und ein neuer Meintschau als Präsident und Vizepräsident gewählt werden müssen. Das habe alles bisher erschwert. Die neuen Statuten sollen kürzer, klarer und einfacher werden, um einem neuen Kronrat (Vorstand) möglichst viele Freiheiten zu lassen, ganz im Gegensatz zur heutigen Staatsverfassung, die stark einenge. Sie habe derart stark eingeschränkt, dass sie gar nicht mehr gelebt werden konnte.


Zuerst braucht es einen neuen Kopf


In erster Linie ist die Wiederbelebung aber ein personelles Problem, das gelöst werden muss. Dettling erklärte, dass er sich zwar keine grossen Vorstellungen für einen schnellen Neubeginn mache. Aber er gehe davon aus, dass aus der Motivation für das neue Spiel heraus sich Personen für die Vereinsführung zur Verfügung stellen werden. Aktuell sind der Sitz des Hesonusode und des Meintschau vakant geblieben. Einzelne Gespräche für eine Wiederbesetzung haben bereits stattgefunden, weitere werden folgen. Generell möchte Dettling als Troubleshooter bis zur nächsten Generalversammlung am 6. Januar auf jeden Fall eine Lösung haben, personell, strukturell und organisatorisch.


Bote der Urschweiz / Josias Clavadetscher

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Brauchtum / Feste

Publiziert am

19.10.2018

Webcode

schwyzkultur.ch/QipLa8