Die Fasnächtler stellen sich hinter Pfarrer Reto Müller: Lang anhaltender Applaus, hier (von rechts) Maschgradenvater René Schlegel, Ministerrat Stefan Dettling und der Mitinitiant der Narrenmesse Philipp Tschümperlin.
Die Fasnächtler stellen sich hinter Pfarrer Reto Müller: Lang anhaltender Applaus, hier (von rechts) Maschgradenvater René Schlegel, Ministerrat Stefan Dettling und der Mitinitiant der Narrenmesse Philipp Tschümperlin.
Fasnächtlicher Gottesdienst gestern in der Pfarrkirche Schwyz: Weit über 1000 Besucher haben klargemacht, dass man sich die traditionelle Fasnacht nicht aus der Kirche verbieten lässt.
Fasnächtlicher Gottesdienst gestern in der Pfarrkirche Schwyz: Weit über 1000 Besucher haben klargemacht, dass man sich die traditionelle Fasnacht nicht aus der Kirche verbieten lässt.

Volkskultur

Narrenmesse: 1000 Fasnächtler solidarisch

Das war deutlich: Die Schwyzer Fasnächtler stehen absolut geschlossen hinter ihrem Pfarrer Reto Müller und haben mit der gestrigen «Narrenmesse» gezeigt, was ein würdiger und doch fasnächtlich-fröhlicher Gottesdienst ist.

Der Aufmarsch gestern war enorm. Schon 40 Minuten vor dem Gottesdienst begann sich die Pfarrkirche Schwyz zu füllen, am Schluss stand das Kirchenvolk in den Gängen. Deutlich über 1000 Personen waren es garantiert. Die Narenmesse hielt sich strikte an den angekündigten Ablauf. So wie es immer geplant gewesen ist. Einzig die Guuggenmusig spielte nicht in der Kirche, sondern nachher im Freien, und die Rölli-Gäste aus Wangen hatte man «ausladen» müssen. Die aber zeigten ebenfalls Solidarität: 30 Rölli überraschten die Leute nach der Messe.

Fasnachtslieder auf der Orgel

Von den Kirchenbesuchern war etwa ein Drittel kostümiert oder hat sich mit Hut, Stola, einem Narrenemblem oder sogar einfach mit Luftschlangen solidarisch als Fasnächtler zu erkennen gegeben. Als die Güdelzischtiger mit dem Narrentanz einzogen, brandete sofort Applaus auf. Wiederholt applaudiert wurde für die musikalische Umrahmung. Die japanesischen Fanfaren und der Narrentanz waren live zu hören, tauchten dann aber als Thema immer wieder in den Kompositionen von Organist Raffael Immoos, Brunnen/Basel, auf. Genau wie das Japanesenlied oder das Nüsslerlied.

Im Kostüm des «Zigeuners» hat Angela Zimmermann über Vergleiche zwischen Alltag und Fasnacht gesprochen. Sie schilderte, wie es in beiden Welten Zweifel und Durchsetzen gibt, Schenken und Nehmen, Schmeicheln und Fordern, Regeln und Befehle, Spielverderber und Helfer, Engstirnigkeit und Offenheit.

Bistum zufrieden

Als Vertreter des Bistums Chur hat Generalvikar Martin Grichting den gestrigen Gottesdienst besucht. Er hat anschliessend erklärt, dass es «eigentlich eine ganz normale Messe mit fasnächtlichen Aspekten» gewesen sei. «Das war in Ordnung, damit lässt sich leben», sagte Grichting gegenüber dem Tessiner Fernsehen, die Welt sei «heute sicher nicht untergegangen». Gut sei, dass nun die ganze Thematik öffentlich diskutiert worden sei und man eine gemeinsame Lösung finden werde. Die Kirche habe immer Brauchtumselemente aufgenommen. Der Urschweizer Generalvikar Martin Kopp nannte es «hocherfreulich», wie die Leute gesammelt gewesen seien, «fast ergreifend». Kopp ist überzeugt, dass Chur die Fasnachtstradition der Schwyzer total verkannt hat.

Pfarrer fällt Stein vom Herzen

Pfarrer Reto Müller sagte, dass ihm zu Beginn sofort der grosse Stein vom Herzen gefallen sei, als er in den Kirchenraum geblickt habe. Von der ersten Sekunde an habe er gewusst, dass es «gut kommt». Ihn habe die ausstrahlende Freundlichkeit und Fröhlichkeit erneut sehr beeindruckt. Er werde auf jeden Fall nächstes Jahr wieder einen fasnächtlichen Gottesdienst durchführen. Nüssler-Präsident Remo Hicklin hatte nur ein Wort übrig: «Sensationell.» Er sei überzeugt, dass sich die Sache einrenken werde. Dass die Guuggenmusig nicht in der Kirche spielen konnte, sei «nicht so dramatisch». Im Gegenteil sei der Guuggenempfang nach der Kirche im Freien auch sehr sympathisch gewesen.



Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Brauchtum / Feste

Publiziert am

15.02.2010

Webcode

schwyzkultur.ch/8ZxvqG