Original Wachs (links): Blätzmaske des Ateliers Steiger etwa von 1970. Original Holz (Mitte): 1976 von Josef Schibig in Steinen geschnitzt. Kunststoff (rechts): Knautschfähig, nicht mehr totzukriegen. Bilder jc
Original Wachs (links): Blätzmaske des Ateliers Steiger etwa von 1970. Original Holz (Mitte): 1976 von Josef Schibig in Steinen geschnitzt. Kunststoff (rechts): Knautschfähig, nicht mehr totzukriegen. Bilder jc

Volkskultur

Nicht jeder Blätz ist gleich

Der Blätz als Hauptfigur der Innerschwyzer Strassenfasnacht hat zwar mit Garantie den gleichen Urvater. Aber wie es ist bei Kindern: Sie sehen nicht alle genau gleich aus.

Nicht jeder Blätz ist der gleiche Blätz. Ursprünglich vielleicht schon, als die Kostüme nur von einzelnen Schneidern und Schneiderinnen gefertigt worden sind und nur die originale Bergamasker-Larve zu kaufen war, eine klassische barocke Glattlarve. Dann hat irgendwann die Kostümdifferenz begonnen. Mit individuellen Ausführungen und ortstypischen Farben. In Steinen mehr in Schwarz-Braun-Rot, in Brunnen gemäss dem Gemeindewappen eher in Rot-Blau, in Schwyz oft auch mit Grün, und natürlich Rot, Blau, Schwarz und sogar Gelb. Seit in Nähkursen talentierte Kostümiers auf den Blätz trainiert worden sind, ist die Vielfalt erst recht Tatsache. Die Individualität des Kostüms zählt, erkennbar an den Pompons, dem Reichtum der Rosetten und Punkte, der Anzahl der farbigen Stoffrauten. Mit dem Nachteil für die Träger, dass der Szenenkenner oft die Maskenträger identifizieren kann – solange sie nicht das Kostüm tauschen.

Seit 85 Jahren eigene Fabrik

Aber wie ist es mit den Masken? Solange ein einziges Maskenatelier diese im Stil der klassischen Bergamasker-Larven aus Stoff und Wachs hergestellt hat, war die Sache klar. Alle Blätzmasken sahen mehr oder weniger gleich aus. Die einzigen Unterschiede bestanden darin, dass in Handarbeit nicht alles genau gleich herausgekommen oder vom Talent der Malerin abhängig gewesen ist. Diese Maskenfabrik ist 1927 von Rosa Müller im appenzellischen Speicher gegründet worden. Der Standort Appenzell war kein Zufall: Auch die Appenzeller Silvesterkläuse tragen traditionell diese Wachsmasken im barocken Stil. 1974 ist diese Maskenfabrik Müller nach Gersau übersiedelt; die Schappespinnerei Camenzind & Co. AG hat aus Traditionsbewusstsein heraus diese Maskenherstellung übernommen und damit vermutlich denWeiterbestand dieser Manufaktur und der traditionellen Herstellung gesichert. 1982 wurde die Maskenfabrik an Verena und Thomas Steiger verkauft, seit 1992 wird das Atelier von Verena Steiger alleine geführt. Es ist heute an der Bahnhofstrasse in Steinen domiziliert. Dort lagert nun ein Schatz an Fasnachts-Kulturgut: Es sind rund 600 Gipsmodelle von Masken und Larven, die ältesten davon fast 100 Jahre alt.

Holzmasken und Kunststoff

Einen ersten Einbruch in dieTradition der originalen Wachsmasken erfolgte mit den Holzmasken. Vor allem das Atelier von Josef Schibig in Steinen hat als erstes der neueren Zeit Blätzmasken aus Holz hergestellt. Seit vielen Jahren ist auch Richard Büeler stark im Geschäft. Zudem gibt es nicht nur den Blätz in Holz, sondern auch alle anderen Figuren. Die zweite massivere Veränderung der Blätzgesichter erfolgte aufgrund der neuen Materialien. Sie haben die Maskenbautechnik stark verändert. Der wichtigste Grund: Eine Wachsmaske erreicht in der Regel nach einem halben Tag intensiven Einsatzes ihre Altersgrenze. Die neuen Masken aus Baumwollstoffen, luftdurchlässig, und aus Kunststoffen haben ein wesentlich längeres Leben. Oder sind, wie zum Beispiel aus einer weichen Kunststoffmasse, sogar knautschresistent. Eine Maske also, die sich über mehrere Jahre verwenden lässt und es sogar aushält, sollte sich mal jemand darauf setzen. Mit dieserVielfalt von Produzenten und Herstellungstechniken hat automatisch auch die Vielfalt bei den Blätzmasken Einzug gehalten. Heute sind teils sogar sehr extreme Unterschiede erkennbar. Dies schon in der Grundbemalung des Maskengesichts, dann bei den Augenbrauen, im Wangen- Rouge und ganz besonders beim Schnauz.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Brauchtum / Feste

Publiziert am

12.02.2013

Webcode

schwyzkultur.ch/heQPTA