Der jüngere (Moritz Raab) und der ältere (Reto Bugmann) Vinzenz setzen sich fürs gemeinsame Foto ans Klavier. Bild: Florian Arnold
Der jüngere (Moritz Raab) und der ältere (Reto Bugmann) Vinzenz setzen sich fürs gemeinsame Foto ans Klavier. Bild: Florian Arnold

Bühne

Musik

Schwyzer Talent steigt auf Urner Bühne

Der Goldauer Reto Bugmann spielt in der Operette «Der fidele Bauer» einen Romantiker. In Altdorf erhält er auch ein jüngeres Double.

Es heisst nicht «Buur», sondern «Püür» – und statt «Baum» sagt man hier «Bäüm»: Mit den Feinheiten des Urner Dialekts beschäftigt sich momentan Reto Bugmann. Der gebürtige Goldauer wird in der Operette «Der fidele Bauer» eine der Hauptrollen spielen – und das in «Ürnertyytsch». Premiere ist im September. Noch bleibt etwas Zeit zum Üben. Den Dialekt so zu imitieren, dass es natürlich klinge, dies sei die grösste Herausforderung für ihn. Das Singen und Schauspielern vor viel Publikum hingegen bereitet Bugmann alles andere als Sorgen: «Ich freue mich bereits riesig auf die Operetten-Abende in Altdorf.»


Er liebt Texte, die ein Augenzwinkern zulassen


Spätestens mit den TV-Auftritten vor Hunderttausenden von Zuschauern bewies der junge Tenor, dass er mit Lampenfieber umzugehen weiss. In der Show «Die grössten Schweizer Talente » von SRF trat er im Duo mit Pianist Dominique Allemann auf. In der vierten Staffel der beliebten Sendung schafften es die beiden mit deutschen Schlagern der 1920er- und 1930er-Jahre auf Rang 3. «Ein Freund, ein guter Freund» oder «Irgendwo auf der Welt» zählen zu den Ohrwürmern, die es den beiden jungen Interpreten angetan haben. «Für mich ist das interessante Musik mit romantischen Melodien. Und das mit Texten, die oft amüsant und manchmal eindeutig zweideutig sind und ein Augenzwinkern zulassen», sagt Bugmann. Es mache grosse Freude, die Geschichten zu erzählen, die in den Liedtexten steckten. Was als kleine Einlage bei einem privaten Raclette-Abend begann, sollte den beiden Unterhaltern grossen Erfolg bringen. «Wir haben eher damit gerechnet, dass man uns ausbuht», erinnert sich Bugmann an die Castings für die Sendung. «Und wenn ich heute die Videos schaue, bin ich froh, dass wir mittlerweile musikalisch etwas weiter sind.» Doch schon dort konnte das Duo «Standing Ovations» einheimsen. «Offenbar kommt es gut an, selbst bei jungen Leuten, obwohl die alten deutschen Schlager ja eher Grosspapas Sache sind», meint Bugmann. Die Musik habe also ihren Reiz. Das unterstrich vor Jahren bereits Max Raabe, der im selben Stil wie Bugmann «Mein kleiner grüner Kaktus» oder «Kein Schwein ruft mich an» interpretierte. «Es ist eine grosse Ehre, wenn man mit ihm verglichen wird», gibt der Schwyzer zu und nennt den Deutschen auch als eines seiner Vorbilder. «Gleichzeitig habe ich aber auch den Anspruch an mich, Max Raabe nicht zu kopieren, sondern etwas Eigenes aus den Liedern zu machen.» Anders als Max Raabe arbeite er noch mehr mit Mimik und Gestik – was sicher auch auf der Operettenbühne gefragt sein wird.


Der junge Sänger hat bereits weitere Projekte im Kopf


Anders als sein Vorbild lebt Bugmann nicht vom Singen. «Selbstverständlich ist das immer wieder ein Gedanke, den ich mit mir herumtrage», bestätigt der Tenor. «Aber ich glaube, dass ich ein etwas zu grosser ‹Bünzli› bin, als dass ich alles auf die Karte Musik setzen könnte.» Er plane gerne und sei lieber auf der sicheren Seite. «Wäre ich mehr der Künstlertyp, hätte ich es wohl schon gewagt. » Und an weiteren Ideen mangelt es ihm nicht. So hat der 28-jährige Sänger bereits jetzt Projekte im Kopf, die er nach der Operette in Altdorf verwirklichen möchte. Von Bugmanns künstlerischem Talent voll überzeugt ist die Altdorfer Operetten-Regisseurin Franziska Dahinden. Nicht am Fernsehen, sondern an einem Livekonzert. Für den «Fidelen Bauern» sah sie in ihm sofort den Vinzenz, den verliebten und etwas handgestrickten jungen Mann. Nach der Anfrage musste Bugmann nicht lange überlegen: «Ich fand das Format der Operette schon immer cool, da mich neben dem Gesang auch das Schauspiel reizt», erzählt er. In seiner Rolle könne er seiner romantischen Ader freien Lauf lassen. Die Probenarbeit ist mit viel Aufwand verbunden. So pendelt der Sänger jeweils von Zürich-Oerlikon in den Kanton Uri. Auch wenn er in eine eingeschworene Operetten-Gruppe kam, hat sich der Versicherungsfachmann gleich wohl gefühlt. «Ich nehme die Urner nicht als verschlossenes Bergvolk wahr», sagt Bugmann. Er fühle sich auch als Innerschweizer, «die Mentalität ist nicht so anders».


Bugmann erhält ein jüngeres Double


Die Operette verschafft Bugmann auch eine ganz spezielle Begegnung mit seinem früheren Ich. Denn die Operette beginnt in Vinzenz’ Kindheit – und somit erhält er ein jüngeres Double: den zehnjährigen Moritz Raab aus Altdorf. Kürzlich lernten sich der junge und der ältere Vinzenz bei einer Probe in Altdorf kennen. Für ein erstes gemeinsames Foto setzen sie sich ans Klavier. «Dass ich dabei bin, habe ich einer Nachbarin zu verdanken», erzählt Moritz Raab. «Sie machte mich darauf aufmerksam, dass noch ein junger Vinzenz gesucht wird.» Als Schauspieler habe er noch keine Erfahrung, aber seit längerer Zeit singt er leidenschaftlich im Kinder- und Jugendchor – neben dem Gitarrespielen ein wichtiges Hobby. «Meine Kollegen interessiert es eigentlich wenig, dass ich hier mitmache. Aber ich hoffe, dass ich einige dazu bringen kann, sich die Operette anzuschauen», sagt der Primarschüler. Der talentierte Altdorfer Fünftklässler hofft, dass die Aufführungen nicht zu anstrengend werden. «Aber ich brauche nicht so viel Schlaf», sagt er mit einem selbstsicheren Lachen. Und wie denkt er über sein älteres Double? «Ich glaube nicht, dass ich später einmal Operetten-Sänger werde.» Als Gitarrist und Sänger würde sich doch auch Rockstar anbieten. Doch wie der ältere scheint auch der jüngere Vinzenz auf die sichere Karte zu setzen: «Rockstar könnte schon etwas sein, aber nicht als Hauptberuf. Ich möchte Polizist werden.»


Eine alte Liebe flammt neu auf


Der junge Vinzenz verliebt sich zu Beginn des Stücks in das Bauernmädchen Myyli – doch die Liebe wird nicht erwidert. Als Vinzenz älter wird, flammen die Gefühle wieder auf: die ideale Grundlage für Reto Bugmanns Herz-Schmerz-Lieder. Um Bugmanns spezieller Begabung noch etwas mehr Raum zu geben, wurde das Stück ein wenig angepasst: Zwei deutsche Schlager werden zu hören sein. «Es sind zwei richtige Schmalzkisten», sagt Bugmann mit einem breiten Lächeln. Kein Problem also für den Tenor. «Nicht ganz», meint Bugmann allerdings, «ich muss schon noch etwas üben, denn eines der Stücke ist eine Bearbeitung in ‹Ürnertyytsch›.»


Urner Fassung und Liveorchester


Das Forum Musikbühne Uri bringt dieses Jahr die Operette «Der fidele Bauer» von Leo Fall (Libretto Victor Léon) auf die Bühne des Theaters Uri. Premiere ist am 7. September. Danach wird das Stück bis am 6. Oktober weitere 14 Male zu sehen sein. Regie führt die Altdorfer Musikerin und Sopranistin Franziska Dahinden, die zusammen mit Josef Arnold-Luzzani und Kurt Dahinden die Urner Fassung erstellte. Als OK-Präsident amtet der Urner Ständerat Isidor Baumann. Hanes Zwyssig dirigiert das über 20-köpfige Liveorchester. Die Geschichte der Operette dreht sich um den Bauernsohn Stefan, der von seinem Vater zum Studieren angehalten wird. Als dieser dann in der Tat auch zum Professor Doktor aufsteigt und erst noch im Begriff ist, eine reiche Frau aus Berlin zu heiraten, schämt er sich seiner bäuerlichen Wurzeln. Als dann die Verwandtschaft von der «Oberplagg » nach Berlin reist, sind entsprechende Auseinandersetzungen programmiert. (zf)


Hinweis


Tickets gibts auf der Redaktion der «Urner Zeitung», Höfligasse 3, Altdorf, bei der Uri Tourismus AG, den Filialen der Post oder im Internet unter www.theater-uri.ch.


Bote der Urschweiz / Florian Arnold

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Bühne
  • Musik

Publiziert am

29.07.2019

Webcode

schwyzkultur.ch/Ze6cFf