Mit diversen Übungen wärmen sich die Schauspieler für die bevorstehende Probe auf. Bilder: Nadine Annen
Mit diversen Übungen wärmen sich die Schauspieler für die bevorstehende Probe auf. Bilder: Nadine Annen
Nicht nur was gesagt wird, auch Haltung oder Gesichtsausdruck verraten dem Zuschauer so einiges über die Protagonisten und ihre Hintergründe.
Nicht nur was gesagt wird, auch Haltung oder Gesichtsausdruck verraten dem Zuschauer so einiges über die Protagonisten und ihre Hintergründe.

Bühne

Wenn das Publikum eine Rolle spielt

Wer sagt was zu wem? Welcher Zuschauer muss welche Handlung im Hintergrund mitbekommen? Die Erarbeitung des zweiten Krimidinners von «Avantt» ist komplex. Bis zur letzten Probe wird an allen möglichen Details geschliffen.

Als Projekt unter ein paar Freunden angefangen, hat der Theaterverein Avantt sich in der Region längst einen Namen gemacht. Die vier Vorstellungen der zweiten Ausgabe des selbst entwickelten Krimidinners «Bis dass der Tod uns scheidet» waren innert kürzester Zeit ausverkauft. Das Konzept von einem Theater, in welchem das Publikum nicht unwesentlich beteiligt ist, scheint anzukommen. Doch wie probt man ein Theater, welches durch die Zuschauer mitbeeinflusst wird? Ein Probenbesuch gibt Aufschluss.

Schon das Warm-up macht deutlich: Nur Auswendiglernen tuts hier nicht. Die Schauspieler müssen den Kopf bei der Sache haben, innert kürzester Zeit auf Anweisungen von Regisseurin Simona Beffa reagieren und ihr Spiel anpassen können. Das wird mit diversen Spielen geübt. Und plötzlich machen alle eine Verwandlung durch: Dario Degiorgi, Micha Suter, Jacqueline Beutler, Petra Zurfluh, Gabriel Planzer, Jonas Bünter, Eliane Lumpert und Megi Togan werden zu Hugo Grander, Marina Grander-Lehmann, Cindy Grander, Angela Marty, Peter Achermann, Jack Meier, Zita Föhn und Sidonia Füchslin. Aber nicht etwa mit Verkleidung: Gewechselt werden der Gang und die Schrittlänge, die Haltung, die Grösse der Bewegungen, das Schwingen der Arme und der Gesichtsausdruck, in der Sprache ändern Dialekt, Tempo, Aussprache und Betonung. Einem Durchlauf des ganzen Stücks steht nun nichts mehr im Weg.


Schauspieler haben ihren Text selbst geschrieben

Die Grundstory von «Bis dass der Tod uns scheidet» haben Simona Beffa, Megi Togan, Petra Zurfluh und Dario Degiorgi geschrieben. Zudem habe jeder einzelne Schauspieler auch einen wesentlichen Teil beigetragen, indem sie ihre Texte durch Improvisation selber mitentwickelt haben, erklärt Simona Beffa. So sind diese sicher jeder Rolle beziehungsweise jedem Schauspieler auf den Leib geschneidert.

Was jedoch das Krimidinner von einem normalen Theater unterscheidet, ist, dass der Text je nach Verhalten und Reaktion des Publikums spontan angepasst werden muss. Gleichzeitig braucht es aber Sätze, die wortwörtlich vorgegeben sind, damit das Stück aufgeht und die Übergänge funktionieren. Glücklicherweise sind es sich die Schauspieler jedoch gewohnt zu improvisieren, da sie jeweils auch als Improvisationstheatergruppe «Improtagonisten» auftreten.


Für jeden Zuschauer eine Rolle ausgedacht

Die Erarbeitung eines Krimidinners ist hoch komplex: Neben dem Einüben des eigenen Schauspiels müssen bei der Krimidinner-Probe auch viele Überlegungen angestellt werden, wie das Publikum eingebunden werden muss, damit alles funktioniert. Wer muss neben wem sitzen und in welche Richtung schauen? Wie wird das Theater mit dem Essen getimt? Welche Infos muss welcher Zuschauer auf welche Art und Weise bekommen? Schliesslich soll so viel verraten werden, dass die Zuschauer zwischen den Schauspielsequenzen genug Diskussionsstoff haben, um der Lösung des Kriminalfalls auf die Spur zu bekommen. Gleichzeitig soll aber auch nicht zu früh zu viel verraten werden.

Hinweis

Die Aufführungen vom 8. bis 11. November im «Gaswerk» sind bereits restlos ausverkauft. Aufgrund der grossen Nachfrage wird das Krimidinner vom 1.3. Februar 2018 nochmals im «Gaswerk» aufgeführt. Der Vorverkauf startet am Mittwoch, 29. November, ab 18 Uhr. Weitere Infos unter www.avantt.ch


Bote der Urschweiz / Nadine Annen

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

31.10.2017

Webcode

schwyzkultur.ch/1ucvJd