Schämt sich vorerst für seinen Pfleger: Maurus (Haschi Annen, links) ist empört über Joes Verhalten gegenüber Frauen. Bild Sandrine Hediger
Schämt sich vorerst für seinen Pfleger: Maurus (Haschi Annen, links) ist empört über Joes Verhalten gegenüber Frauen. Bild Sandrine Hediger

Bühne

Zwei Welten gemeinsam im Leben

Zwei völlig verschiedene Welten prallen aufeinander und wagen gemeinsam den Sprung ins Leben: Haschi Annen und Matthias Kessler verkörpern ihre Rollen als «ziemlich beste Freunde» echt und ehrlich.

Mit zerrissenen Jeans, Cap und schmuddeligem Aussehen betritt der vorerst distanzierte Jonas (Matthias Kessler) alias Joe das Zimmer des reichen Tetraplegikers Maurus (Haschi Annen), um eine Unterschrift fürs Arbeitsamt zu holen. Maurus, auf der Suche nach einem neuen Pfleger, scheint Potenzial in dem jungen Arbeitslosen mit einem Flair für Graffiti- Kunst zu sehen. Für ihn ist klar, dass Joe ab morgen bei ihm eingestellt wird. Maurus’ Bedienstete, Elisabeth (Monika Betschart), traut ihren Augen und Ohren nicht. Doch Maurus ist überzeugt: «Ich wott nid öpper, wo Mitleid hed mit mier. Er brucht nur starchi Arme zum mich Lüpfe.» Er ist sich sicher: «Was nützt mer die grossartig Usbildig, wenn eifach s Zwüschemänschliche nid stimmt?» Diese erste Begegnung zwischen zwei Menschen, wie sie auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten, soll der Anfang sein von einer aufrichtigen Freundschaft, beruhend auf Geben und Nehmen.

Harte Schale, weicher Kern

Die Spielfreude und die Hingabe für ihre Rollen ist den drei Schauspielern sofort anzusehen. Glaubwürdig und fein säuberlich ausgearbeitet, formen sie ihre Charaktere und verleihen ihnen eine persönliche Note. Wie sich Annen, auch im wirklichen Leben im Rollstuhl, und Kessler in ihren Rollen einander nähern, die Wortwahl des anderen dezent im eigenen Sprachgebrauch einbauen und von den unterschiedlichen Lebenserfahrungen voneinander profitieren, erwärmt sich jedes Zuschauerherz. Haschi Annen – erfahrener und begnadeter Schauspieler der Bühne 66 – erkennt als Maurus, wie feinfühlig Joe in seinem tiefsten Innern ist und welch grosses Herz sich hinter der harten Schale verbirgt. Auch Kessler, zum ersten Mal als Schauspieler auf der Bühne, kennt keine Zurückhaltung und egal, ob er wild gestikuliert, locker drauflos tanzt oder sich mit Monika Betschart ein Wortduell liefert, volle Leidenschaft ist garantiert. Die Musik zwischen den einzelnen Szenen, eine Mischung aus Klassik und Moderne, unterstützt die Handlung als zusätzliches Detail.

Ergebnis nach neun Monaten

Mit wenig Material ist es Eliane Lumpert in ihrem Maturatheater «Sprünge ins Leben», frei nach dem Film «Intouchables», gelungen, viel Aussagekraft zu erreichen. Nach neunmonatiger Planung und dreimonatiger Probezeit schimmert das investierte Herzblut während den Aufführungen imTheater Schwyz durch. Mit dem Ergebnis ihrer persönlichen Premiere als Regisseurin ist die Schülerin des Theresianums Ingenbohl «sehr zufrieden». Sie war derart überwältigt, dass sie zwei-, dreimal leer schlucken musste und sich zu Tränen gerührt, beim Publikum fürs zahlreiche Erscheinen bedankte. Eliane Lumpert ist es gelungen, mit den zwei Schwyzer Theatergrössen Annen und Betschart und dem talentierten Neuling Kessler ihr Theaterstück eindrücklich umzusetzen.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

11.11.2013

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schwyzkultur.ch/Y2bpZm