Nicht mehr viel übrig: Der ehemalige «Himmel» ist eingestürzt, wo bisher alternative Kultur zu Hause war, werden künftig Kunststoffe für die Verstärkung von Bauten hergestellt und konfektioniert. (Bild Josias Clavadetscher)
Nicht mehr viel übrig: Der ehemalige «Himmel» ist eingestürzt, wo bisher alternative Kultur zu Hause war, werden künftig Kunststoffe für die Verstärkung von Bauten hergestellt und konfektioniert. (Bild Josias Clavadetscher)

Dies & Das

Kulturzentrum «Himmel» am Boden zerstört

In Unterseewen sind die Baumaschinen aufgefahren. Das autonome Kulturzentrum «Himmel» ist nicht mehr. Die S & P Company erstellt hier einen Neubau für ihren Betrieb.

Der legendäre «Himmel» ist eingestürzt. Das ebenso alternative wie kreative Jugend- und Kulturzentrum hat Ende Mai eine Abschlussparty gefeiert und dann seine Türen dichtgemacht, jetzt ist der «Himmel» dem Erdboden gleich gemacht worden.

Bewilligung im Sand verlaufen
Der «Himmel» hat sich Ende der 90er-Jahre auf der Basis von jugendlichem Engagement und kreativen Veranstaltungen entwickelt. Schlagzeilen gemacht hat das in Selbstverwaltung geführte Jugendlokal, als die Gemeindebehörde von Schwyz mit dem Argument der Gleichbehandlung aller Betriebe die Einholung einer Gastro-Bewilligung verlangt hat. Das nach aussen anonyme Betreiber-Kollektiv hat sich mit geschickten Schachzügen gegen diese Forderung gewehrt. Schliesslich ist die ganze Sache im Sand verlaufen, nicht aber der Kulturbetrieb. Von 1998 bis zur Schliessung sind im «Himmel» 545 Veranstaltungen durchgeführt worden: so Partys, Film-Vorführungen, Lesungen, Diskussionen, Informationsanlässe, Kurse, Frauen-Abende, Club-Anlässe, Spielabende und vor allem Konzerte. Alles ohne jede öffentliche Unterstützung. Teils fanden die Veranstaltungen im Tages-Rhythmus statt. Nach der Schliessung erklärte die Betreiber-Gruppe, dass man lose weiter bestehen und unabhängig, ohne feste Strukturen handeln wolle. Ein neues Domizil ist bisher aber nicht bekannt.

Areal verkauft
Der «Himmel» ist jetzt abgebrochen worden, weil das Areal an die S&P Clever Reinforcement Company AG verkauft worden ist. Sie will auf diesem Areal von 6600 Quadratmetern die bisher in Brunnen domizilierten Büros mit Verwaltung und Lager und die in der Hausmatt in Ibach bestehende Produktion konzentrieren. Dazu wird ein Neubau erstellt. Diese Bauarbeiten sind begonnen worden, frühestens Ende 2010 möchte man einziehen.

Kohlefaser-Gewebe statt Alternativ-Kultur
Wie Firmen-Inhaber Joe Scherer erklärte, werden in Seewen künftig Kohlefaser- und Kevlar-Gewebe hergestellt, welche für die Verstärkung von bestehenden Bauten eingesetzt werden können. Weiter werden im künftigen Neubau auch die Lager für alle anderen S&P-Produkte geführt.Das sind Verstärkungen aus Kohlefasern und Glas für den Strassenbau, aus Polyester für Böschungen und Dammbauten sowie Laminate für die Verstärkung von Brücken. Die S&P ist international tätig und gilt in der Branche als eines der weltweit führenden Unternehmen.

Bote der Urschweiz (Josias Clavadetscher)

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Dies & Das

Publiziert am

06.08.2009

Webcode

schwyzkultur.ch/TEVEu2