Marco Burdino im Eingangsbereich seines Tattoo-Studios in der Altstadt in Luzern. «Dieser Raum war ein Glückstreffer für mich», sagt er. Bild Nicole Auf der Maur
Marco Burdino im Eingangsbereich seines Tattoo-Studios in der Altstadt in Luzern. «Dieser Raum war ein Glückstreffer für mich», sagt er. Bild Nicole Auf der Maur

Dies & Das

«Tätowieren ist ein Medium geworden»

Marco Burdino will das verstaubte Image von Tattoo-Studios abstreifen. Die Tätowierbranche habe sich verändert.

Er macht am liebsten alles gleichzeitig. «Ich habe einfach zu wenig Zeit», lacht Marco Burdino. Er zeichnet, gestaltet, dekoriert. Und er macht Innendesigns in Wohnhäusern. Das Kreative liegt ihm. Deswegen liess der Seebner sich als junger Mann zum Dekorationsgestalter ausbilden. Angefangen hat er seine Karriere im Manor in Schwyz, anschliessend wurde er Deko-Chef des Manor in Luzern, Deko-Chef des Kofler in Luzern und des Globus in Bern. Eines Tages sagte er zu sich: «Wenn ich jetzt nicht mit dem Tätowieren beginne, mache ich es nie mehr.» Zwei Tage die Woche erlernte er im Tattoo-Studio Hot Flash in Luzern das Handwerk. «Ich habe zugeschaut und viel gezeichnet», sagt er. Seine damalige Freundin war die erste Person, die er tätowiert hat. «Das Motiv war eine Fadenspule», sagt er und lächelt, «glücklicherweise lief alles gut.» Allzu viele Gedanken um mögliche Ausrutscher dürfe sich ein Tätowierer sowieso nicht machen.

Verantwortung

«Ich weiss natürlich, dass ich eine grosse Verantwortung habe, wenn ich jemanden tätowiere. Nervös werden sollte ich allerdings nicht, das wäre kontraproduktiv.» Die Erfahrung sei das Wichtigste, was ein Tätowierer mitbringen könne. «Tätowieren ist ein Handwerk», sagt er, «für jeden Hauttyp gibt es andere Instrumente zum Stechen.» Poröse Haut sei zum Beispiel sehr schwierig. «Menschen, die Sport machen und eine gut durchblutete Haut haben, sind einfacher zu tätowieren», sagt er. Vielfach hört man, dass junge Tätowierer auf Schweinehaut üben. Dies hat Marco Burdino nie getan. «Schweinehaut ist mit Menschenhaut nicht vergleichbar.»

Eigenes Studio

Der 34-jährige Tätowierer hat in Luzern sein eigenes Tattoo-Studio eröffnet, «Il Gatto & La Volpe» (die Katze und der Fuchs). Gemeinsam mit seiner Schwester Alessandra Belli führt er den Laden. Sie ist für alles Administrative verantwortlich. Burdino hat sich dem Stil Neotraditional verschrieben, seine Mittätowierer Fabian Odermatt, Mo Ducommun und Sandee Schenk haben andere Ausrichtungen.

Weg vom Rocker-Image

Heute sei das Tattoo-Geschäft anders als früher. «Durch die sozialen Netzwerke weiss der Kunde genau, welchen Tätowierer er möchte», sagt Burdino. Es komme noch selten vor, dass jemand eine Schlange oder einen Drachen aus dem Katalog auswählt. «Mit dem Kunden wird bis ins Detail besprochen, was er tätowiert haben möchte», sagt Burdino, «die allermeisten jungen Tätowierer kommen aus der Grafikbranche und haben eine solide Ausbildung im kreativen Bereich», sagt er. Er möchte in seinem Tattoo-Studio unbedingt das Rocker-Image draussen lassen. «Das Tätowieren ist ein Medium geworden», meint er, «wir sind mittlerweile weit entfernt von diesem Seefahrer-Knast-Ding.» Tätowieren sei eine Kunst, Burdino sieht sich als Kunstschaffender. Körper sind sozusagen seine Leinwand. «Wenn jemand nach dem Tätowieren überwältigt vom Ergebnis ist, macht mich das glücklich.»

Tattoo-Event

Die Eventbar Gaswerkund das Tattoo-Studio Il Gatto & LaVolpe präsentieren am 30. April von14.00 bis 02.00 Uhr einen «Walk InDay». Die vier Tätowierer aus demTattoostudio Il Gatto & La Volpesind den ganzen Tag und Abend anihrem Werk. Interessierte könnenlive zusehen oder sich unter dieNadel legen. Jeder Tätowierer hatMotive dabei, die man sich stechenlassen könnte. «Wir wollen in ersterLinie unser Handwerk vorstellen»,sagt Marco Burdino

Bote der Urschweiz (Nicole Auf der Maur)

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Dies & Das

Publiziert am

23.03.2016

Webcode

schwyzkultur.ch/GQhii2